Crashtests: Mercedes hat den Röntgenblick

Die Crashtests der Hersteller haben Autos immer sicherer gemacht. Jetzt wendet Mercedes ein neues Analyseverfahren mit Röntgentechnik an.

Mercedes-Benz testet Röntgentechnologie beim Crashtest. Mit der Ultrakurzzeit-Röntgentechnologie lässt sich das Verhalten sicherheitsrelevanter Bauteile damit sogar prinzipiell in ihrem Inneren untersuchen. Foto: Mercedes

Wer mit der Unfallforschung per Totalschaden begann, ist unter Experten nicht gesichert. Mercedes reklamiert mit dem ersten derartigen Versuch im Jahr 1959 die Pionierrolle, aus den USA wird allerdings ein erster Unfallversuch gegen ein festes Hindernis durch General Motors im Jahr 1937 gemeldet. Tatsache ist jedoch unzweifelhaft der große Fortschritt bei der passiven Sicherheit von Autos, der erst durch Crashtests ermöglicht wurde.

Bei derartigen Crashtests werden, zum Beispiel im Zuge der Entwicklung eines neuen Modells, Autos mit definierter Geschwindigkeit gegen Barrieren gesteuert oder auch von beweglichen Barrieren seitlich getroffen. Testpuppen, die sogenannten Dummys, erlauben dabei auch Rückschlüsse auf die Unfallfolgen für die Fahrzeuginsassen. Die Erkenntnisse aus solchen Versuchen fließen unmittelbar in die Fahrzeugentwicklung ein, zum Beispiel mit verbesserten Knautschzonen oder der Verwendung hochfester Stähle in besonders gefährdeten Bereichen. Die Entwicklung des Airbags oder die Einführung von Sicherheitsgurten gehen auf Crashtests zurück.

Neue Technik spart Kosten

Nachdem weltweit sehr unterschiedliche Normen und Vorschriften für Crashtests existieren, sind diese Versuche für global operierende Hersteller ausgesprochen teuer, um entsprechende Typgenehmigungen für verschiedene Märkte zu erhalten. Computersimulationen und verfeinerte Analyseverfahren sollen dabei helfen, diese Kosten zu reduzieren. Ein neues Verfahren, das Mercedes gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut entwickelt hat, ergänzt jetzt die Analysetechnik: Mit der sogenannten Ultrakurzzeit-Röntgentechnologie können die Entwickler während eines ablaufenden Crashtests Standbilder von Komponenten aufnehmen, die eine gestochen scharfe Beobachtung von Bauteilen erlauben. Neu hierbei ist, dass sich das Verhalten sicherheitsrelevanter Bauteile damit sogar in ihrem Inneren untersuchen lässt. Zusätzliches Plus: Die Daten aus dem „Röntgencrash“ können mit computergestützten Simulationsmodellen zusammengeführt werden. Diese Synthese kann dazu beitragen, die Prognosezuverlässigkeit von Crashsimulationen zu verbessern. Denn solche computergestützten Simulationen ersetzen immer öfter den kostspieligen realen Versuch, um die Crashsicherheit einer Neuentwicklung zu verbessern.

Via Mercedes

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