DEKRA feiert Jubiläum in den ostdeutschen Ländern

Die international tätige Expertenorganisation DEKRA hat in diesem Jahr gleich doppelten Grund zu feiern.

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Im Juli 1990 beauftragte die erste frei gewählte Regierung der DDR DEKRA mit dem Aufbau der Technischen Prüfstelle. Erste Fahrzeugprüfungen fanden in provisorischen Prüfhallen in den großen Städten statt. (Bild: DEKRA)

Vor 90 Jahren, am 30. Juni 1925, wurde der Deutsche Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein e.V. in Berlin gegründet. Vor 25 Jahren, am 1. Juli 1990, wurde der heutige DEKRA e.V. Dresden von der ersten frei gewählten Regierung der DDR mit dem Aufbau der Technischen Prüfstelle im Osten Deutschlands beauftragt. Es folgte ein beispielloser Kraftakt – und eine echte West-Ost- Erfolgsgeschichte.

Herbst 1990: In den damaligen Bezirkshauptstädten und zehn weiteren wichtigen Städten im „neuen Osten“ Deutschlands werden große Zelte aufgebaut, jeweils mitten im Zentrum der Stadt. Unter dem schlichten Zeltdach verbirgt sich Hightech pur: die modernste damals in Europa verfügbare Prüftechnik für Kraftfahrzeuge. Hunderttausende Fahrzeughalter können sich innerhalb weniger Monate davon überzeugen: Am 1. Oktober 1990, wenige Tage vor der Wiedervereinigung, tritt für die ostdeutschen Bundesländer die periodische Fahrzeugüberwachung per Gesetz in Kraft. Schon gut ein Jahr später, am 30. Oktober 1991, vergibt DEKRA in Dresden die einmillionste Prüfplakette im Osten.

DEKRA ist bis heute führend in Fahrzeugprüfungen in den neuen Bundesländern

Der schnelle Aufbau eines flächendeckenden Netzes an Niederlassungen und Prüfstellen war für DEKRA eine gewaltige Anstrengung. Rund 50 Millionen Mark wurden investiert, innerhalb kürzester Zeit über 2.000 Mitarbeiter ausgebildet. Ein Kraftakt, der sich gelohnt hat. „DEKRA ist bis heute mit großem Abstand Marktführer in Sachen Fahrzeugprüfungen in den ostdeutschen Ländern“, bilanziert Dr. Gerd Neumann, Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH, der selbst vor 25 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern bei DEKRA als Prüfingenieur angefangen hat. Er ist überzeugt: „Die Leidenschaft für unsere Arbeit, das Engagement für die Verkehrs- und Anlagensicherheit haben wir uns aus dieser Pionierzeit bis heute bewahrt.“

Denn die Erfolgsgeschichte von DEKRA im Osten Deutschlands ist eng verbunden mit dem Pioniergeist der hier verwurzelten Menschen. DEKRA rekrutierte fast ausschließlich ostdeutsche Mitarbeiter und Führungskräfte, unter anderem erfahrene Spezialisten aus dem früheren Kraftfahrzeugtechnischen Amt (KTA), und setzte als West-Unternehmen damit ein wichtiges Zeichen. Wobei der Begriff des West-Unternehmens ohnehin unscharf ist, findet Dr. Neumann: „DEKRA konnte sich schon 1990 als gesamtdeutsches Unternehmen verstehen, für das der Einstieg in den neuen Bundesländern im Grunde nicht mehr als eine Rückkehr war.“

Am 30. Juni 1925 wurde der Deutsche Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein e.V. beim Amtsgericht Berlin-Mitte ins Vereinsregister eingetragen. Wenige Jahre später war die neue Organisation beinahe flächendeckend vertreten – auch auf dem Gebiet der heutigen ostdeutschen Bundesländer. So verzeichnet die „DEKRA Zeitschrift“ schon im September 1929 Überwachungsstellen in Berlin, Rostock, Magdeburg, Frankfurt/Oder, Cottbus, Erfurt, Rudolstadt, Gera, Jena, Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, Plauen und Görlitz.

4.200 Mitarbeiter prüfen rund 2,6 Millionen Fahrzeuge pro Jahr

Heute beschäftigt der DEKRA Konzern in den ostdeutschen Ländern inklusive Berlin insgesamt mehr als 4.200 Mitarbeiter. Die amtlich anerkannten Sachverständigen und Prüfingenieure prüfen jährlich rund 2,6 Millionen Fahrzeuge. Mit der Beauftragung als Technische Prüfstelle hat DEKRA darüber hinaus eine Reihe von Aufgaben übertragen bekommen. Dazu zählen beispielsweise die Gutachten für die Typgenehmigung neuer Fahrzeugtypen. In diesem Bereich ist DEKRA der bewährte Partner von vielen Fahrzeug- und Aufbautenherstellern in der Region.

„Als Karosserie- und Fahrzeugbauer fertigen wir seit Anfang der 1990er Jahre Fahrzeugaufbauten nach Maß. Von Anfang an ist DEKRA für uns ein zuverlässiger Partner. Auch wenn es in erster Linie darum geht, die gesetzlichen Zulassungsbestimmungen einzuhalten“, so Holger Hempelt, Inhaber von Hempelt Karosserie- und Fahrzeugbau in Meißen. „DEKRA ist für uns weit mehr als ein Gutachter für die Einzelbetriebserlaubnis. Die Ingenieure der Technischen Prüfstelle sind für uns eine wertvolle Stütze, wenn es gilt, technische und fachliche Herausforderungen mit den rechtlichen Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen. Gemeinsam mit den Mitarbeitern von DEKRA stehen wir für hohe Produktsicherheit und tragen damit wesentlich zur Verkehrssicherheit auf unseren Straßen bei.“

Das Know-how der DEKRA Experten kommt auch bei Einzelgutachten zum Tragen

„Europaweit nutzen unsere Kunden das umfassende Gebrauchtfahrzeugangebot von Schmitz Cargobull. Bei jedem gebrauchten Kipper, Kühlkoffer oder Planenfahrzeug kommt die Expertise der DEKRA Spezialisten zum Tragen. In über 22 Gebrauchtfahrzeug-Centern werden alle Fahrzeuge auf Herz und Nieren geprüft und erhalten ein transparentes Prüfergebnis. Dieser umfassende Qualitäts-Check umfasst die Technik, die Karosserie und das System. Denn Zuverlässigkeit ist seitens Schmitz Cargobull höchstes Gebot – und dies gilt auch für DEKRA. Das grüne Siegel von DEKRA an einem Gebrauchtfahrzeug gibt dem Käufer bei seiner Investition die Sicherheit einer fachlich-neutralen und international anerkannten Prüforganisation“, erklärt Reinhard Eberle, Geschäftsführer der Schmitz Gotha Fahrzeugwerke.

Eberle weiter: „Da im Fahrzeugwerk Gotha neben Serienfahrzeugen auch Projektaufträge mit sehr kleinen Stückzahlen gebaut werden, kommt das Know-how der DEKRA Experten bei den Einzelgutachten zum Tragen. Hervorragende Systemkenntnisse und eine umfassende Beratung – bei Aufbauten, Chassis und Fahrwerken – ermöglichen bereits im Vorfeld der Planung innovative Fahrzeuge, die den jeweiligen länderspezifischen Vorschriften und Normen entsprechen. Dieses tiefe fachliche Know-how ist ebenfalls gefordert, um bei Schadensfällen ein nachvollziehbares und neutrales Gutachten zu erstellen.“

Mit DEKRA zur Fahrerlaubnis

Als Technische Prüfstelle ist DEKRA in den sechs ostdeutschen Bundesländern auch für die Abnahme der Fahrerlaubnisprüfungen zuständig. Bis Mitte 2014 wurden insgesamt zehn Millionen praktische Führerscheinprüfungen abgenommen. „Gerade im Fahrerlaubniswesen haben wir den Fokus immer darauf gelegt, modernste Technologien einzusetzen“, so Dr. Roland Krause, Leiter der Technischen Prüfstelle beim DEKRA e.V. Dresden. „An der Entwicklung der Theorieprüfung am PC, bis hin zu ihrer heutigen Form mit computergenerierten variablen Abbildungen sowie Fragen mit Videosequenzen, haben wir maßgeblich mitgewirkt.“ Die praktische Prüfung mit einem elektronischen Bewertungssystem wird zurzeit erprobt. Das elektronische Prüfprotokoll soll für Fahranfänger und Fahrlehrer zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen, aber auch Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Prüfung liefern.

25 Jahre Erfahrung in Ostdeutschland und die Rolle als wesentlicher Treiber eines ständigen inhaltlichen und technologischen Entwicklungsprozesses haben DEKRA als heute global aufgestelltes Unternehmen in die Lage versetzt, seine Kompetenz in Sachen Fahrerlaubniswesen nun auch international zu nutzen.

Seit 1. Mai 2015 ist die neuseeländische DEKRA Tochter nicht nur Marktführer bei Fahrzeugprüfungen, sondern dort auch mit der Abnahme der praktischen Führerscheinprüfungen beauftragt. „Das ist ein Musterbeispiel dafür, wie wir innerhalb des DEKRA Konzerns Expertenwissen und Kompetenz umfassend nutzbar machen und so Synergien schöpfen“, so Geschäftsführer Dr. Gerd Neumann.

Aus seiner Sicht erfüllt die Technische Prüfstelle weiterhin eine wichtige Funktion. „Spezialisten, die im Auftrag der Länderbehörden ihre Kompetenz für die Verkehrssicherheit, in der Fahrzeugbegutachtung wie eben auch im Fahrerlaubniswesen einbringen, sind unverändert wichtig. Natürlich verändert sich das Umfeld, und auch die Technische Prüfstelle wird sich weiter entwickeln müssen – wie schon während der vergangenen 25 Jahre. Wir als DEKRA sind auch für die Zukunft darauf eingestellt.“

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