Vom Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein zum globalen Partner für eine sichere Welt

Seit neun Jahrzehnten im „Auftrag Sicherheit“ unterwegs: Die Expertenorganisation DEKRA feiert in diesem Jahr ihr 90-jähriges Bestehen.

Hanomag_2_10_PS

Am 30. Juni 1925 wurde der Deutsche Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein beim Amtsgericht Berlin-Mitte eingetragen. Mit dem Hanomag 2/10 PS, bekannt unter dem Kosenamen „Kommissbrot“, waren die ersten DEKRA Ingenieure unterwegs zu den Mitgliedsfirmen, um deren Fahrzeuge auf ihre Sicherheit zu prüfen. (Bild: DEKRA)

Am 30. Juni 1925 wurde der Deutsche Kraftfahrzeug Überwachungs-Verein e.V. ins Vereinsregister beim Amtsgericht Berlin-Mitte eingetragen. 90 Jahre später ist daraus eine der weltweit führenden Expertenorganisationen geworden. Über 35.000 Mitarbeiter sind in 50 Ländern auf allen Kontinenten aktiv. Mit 26 Millionen Fahrzeugprüfungen jährlich ist DEKRA mit Abstand die globale Nummer 1. Der Einsatz für die Verkehrs- und Anlagensicherheit, den die Gründerväter 1925 als Vereinszweck in der Satzung festhielten, ist bis heute das zentrale Anliegen des DEKRA e.V. und seiner Tochtergesellschaften. Im Vergleich zu den Gründerjahren versteht das Unternehmen seinen Sicherheitsauftrag heute noch umfänglicher und internationaler. „Als global aufgestellte Expertenorganisation setzen wir uns weltweit für Sicherheit im Verkehr, bei der Arbeit und zu Hause ein“, so Stefan Kölbl, Vorsitzender des Vorstands DEKRA e.V. und DEKRA SE. „Unsere Vision für das Jahr 2025 lautet: Wir werden der globale Partner für eine sichere Welt.“

Anfang des 20. Jahrhunderts erkennen der Großindustrielle Hugo Stinnes und andere Persönlichkeiten aus der deutschen Wirtschaft die Herausforderungen für die Sicherheit, die sich aus der raschen Motorisierung ergeben. Gemeinsam entwickeln sie die Idee einer freiwilligen technischen Überwachung von Kraftfahrzeugen. Aus dieser Idee entsteht DEKRA. Der Auftrag ist in der Satzung des Deutschen Kraftfahrzeug-Überwachungs-Vereins e.V. unmissverständlich formuliert: „Der Verein hat den Zweck, […] die Betriebs- und Verkehrssicherheit der Kraftfahrzeuge […], das Entsprechende in Bezug auf andere Anlagen und Geräte und die Forschung auf diesen Gebieten zu unterstützen und zu fördern.“

Schnell setzt sich die Idee durch. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen mit eigenem Fuhrpark treten dem Verein bei. DEKRA sorgt als kompetenter Partner für die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Fahrzeuge. Anfang der 1930er Jahre ist DEKRA an rund 80 Standorten mit Prüfstellen vertreten.

Neuaufbau in der Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt ab 1946 von Stuttgart aus der Neuaufbau. Schnell wächst die Zahl der Niederlassungen und Prüfstellen. Bald ist DEKRA überall in der Bundesrepublik vertreten. Der Schwerpunkt liegt zunächst auf der Prüfung von Nutzfahrzeugen und gewerblichen Fuhrparks, vor allem denen der eigenen Mitglieder.

1960 wird die Hauptuntersuchung in ihrer heutigen Form mit der Prüfplakette auf dem Kennzeichen eingeführt. Praktisch zeitgleich erhält DEKRA die Anerkennung als Überwachungsorganisation. Seitdem prüfen die Sachverständigen auch private Pkw und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Verkehrssicherheit. Seit Ende der 1970er-Jahre nehmen die DEKRA Experten die Hauptuntersuchung auch in Kfz-Werkstätten ab.

In den 1970er-Jahren liegen auch die Anfänge der DEKRA Akademie. Aus ersten Schulungen für Berufskraftfahrer entwickelt sich in den folgenden Jahrzehnten eines der größten privaten Bildungsunternehmen in Deutschland. Die DEKRA Akademie schult und qualifiziert heute an 150 Standorten bundesweit jährlich mehr als 100.000 Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen.

Internationalisierung und Aufbau Ost

Mit dem Engagement in Frankreich Ende der 1980er-Jahre beginnt die Internationalisierung von DEKRA: Zum ersten Mal werden Fahrzeugprüfungen in einem europäischen Nachbarland angeboten.

Kurz darauf folgt mit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung eine große Herausforderung in Deutschland: Noch von der ersten frei gewählten Regierung der DDR wird DEKRA zum 1. Juli 1990 mit dem Aufbau der Technischen Prüfstelle in Ostdeutschland beauftragt. Innerhalb kürzester Zeit wird ein flächendeckendes Netz von Niederlassungen aufgebaut, mit dem DEKRA bis heute Marktführer ist. Erste Prüfungen finden noch in Zelten statt, die jedoch mit modernster Technik ausgestattet sind. Schon im Oktober 1991 wird die einmillionste Prüfplakette im Osten vergeben. Als Technische Prüfstelle ist DEKRA in den ostdeutschen Bundesländern auch für Fahrerlaubnisprüfungen zuständig: Bis Mitte 2014 werden in den ostdeutschen Ländern 10 Millionen praktische Fahrprüfungen durch DEKRA Prüfer abgenommen. Zeitgleich mit dem 90-jährigen Bestehen des Unternehmens insgesamt feiert DEKRA ein zweites Jubiläum: 25 Jahre Technische Prüfstelle in den ostdeutschen Ländern.

DEKRA wird zur internationalen Marke

Im Jahr 1990 wird ein neuer rechtlicher Rahmen geschaffen, um den anspruchsvollen Aufgaben der Zukunft gewachsen zu sein: Die neu gegründete DEKRA AG übernimmt die operative Tätigkeit des DEKRA e.V.

In den 1990er-Jahren ist DEKRA durch das Sponsoring von Michael Schumacher in der Formel 1 weltweit präsent. Zugleich setzt sich die Internationalisierung des Unternehmens fort: Beteiligungen in Tschechien, Polen und Russland, später auch in der Slowakei, Ungarn und Italien stärken die Präsenz in Europa. Ende des Jahrzehnts gibt es DEKRA in den meisten EU-Staaten mit Fahrzeugprüfungen, Gutachten, Schadenregulierung und Qualitätssicherung.

1998 erweitert die DEKRA Arbeit als Tochter der DEKRA Akademie das Leistungsspektrum um den zukunftsträchtigen Bereich der Zeitarbeit. Heute zählt die DEKRA Arbeit Gruppe mit über 120 Standorten in Europa zu den führenden Organisationen im Bereich Personaldienstleistung.

Nach dem Jahr 2000 stärkt das Unternehmen seine Position in Sachen Technologie: Das hochmoderne DEKRA Automobil Test Center (DATC) am Eurospeedway Lausitz wird 2003 in Betrieb genommen. Zusammen mit der 1978 gegründeten DEKRA Unfallforschung und dem DEKRA Crash Test Center in Neumünster bündelt es die Kompetenzen für Kunden aus der Automobilindustrie.

Mit den Sponsoring-Engagements als Technischer Partner der DTM (seit 1989) und als Offizieller Partner der DFB-Schiedsrichter (seit 2003) steigert DEKRA die Bekanntheit der Marke. Zugleich unterstreicht das Unternehmen seine Position als neutraler, unabhängiger Dritter im Dienst von Sicherheit und Fair Play.

Industrieprüfgeschäft und Sicherheitsberatung

Zu Beginn des neuen Jahrtausends baut DEKRA auch seine Industrieprüfdienstleistungen strategisch weiter aus: Der Ausgliederung des Geschäftsfelds in eine eigenständige Business Unit folgt 2005 die Übernahme von NORISKO, einem führenden Industrieprüfdienstleister in Frankreich. 2010 nimmt die DEKRA AG die Rechtsform einer „Societas Europaea“ (SE) an. Damit verbunden ist eine Beschleunigung der internationalen Aktivitäten. Es folgen weitere Akquisitionen im Automobil- und Industriebereich, unter anderem in Brasilien und Schweden. 2011 wird das neue DEKRA Haus in Shanghai eröffnet. Im selben Jahr übernimmt DEKRA die französische AutoContact Gruppe und stärkt seine internationale Position im Bereich Gebrauchtwagenmanagement.

Mit den Übernahmen des britischen Explosionsschutzunternehmens Chilworth (2011) und dem US-Spezialisten für verhaltensorientierte Prozess- und Organisationssicherheit BST (2012) baut DEKRA seine Position als Anbieter von Sicherheitsberatung deutlich aus. Heute ist das Beratungsangebot von Chilworth und BST zusammen mit dem Unternehmen RCI Safety, das auf Softwarelösungen für Arbeitssicherheit spezialisiert ist, in der Einheit DEKRA Insight gebündelt.

2013 übernimmt der Konzern die neuseeländische Vehicle Testing New Zealand (VTNZ) und baut so das Kfz-Prüfgeschäft international weiter aus. In Südafrika stärkt DEKRA sein Angebot im Industriegeschäft mit dem Kauf von Raysonics, dem Marktführer für Zerstörungsfreie Materialprüfung. Die Übernahme der niederländischen Plurel B.V. 2014 erweitert die Services des Konzerns für die Bahnbranche. DEKRA Rail in den Niederlanden und in Deutschland gehört nun bei der Prüfung, Inspektion und Zertifizierung von Schienenfahrzeugen in Europa zu den Marktführern.

Globaler Partner für eine sichere Welt

Im Jubiläumsjahr reicht das DEKRA Service-Portfolio von Fahrzeugprüfungen und Gutachten über Gebrauchtwagenmanagement, Schadenregulierung, Industrie- und Bauprüfung, Sicherheitsberatung sowie die Prüfung und Zertifizierung von Produkten und Systemen bis zu Schulungsangeboten und Zeitarbeit.

Zum 90-jährigen Bestehen hat sich DEKRA klar für die Zukunft ausgerichtet, so Vorstandschef Stefan Kölbl: „Sicherheit ist ein zentrales Bedürfnis jedes Menschen. Und wir wissen: Unfälle können vermieden werden – im Verkehr, bei der Arbeit und zu Hause. So schreibt unsere Vision 2025 den Auftrag aus der Gründungs-Satzung konsequent für heute und morgen fort: Wir werden der globale Partner für eine sichere Welt.“

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