LKW-Sicherheit: Rast mit Last und Ruh

Ein flächendeckendes Netzwerk mit überwachten Parkplätzen für LKW in ganz Europa, das ist das Ziel von ESPORG. Die European Secure Parking Organisation engagiert sich, um Fahrer und Ladung besser zu schützen.

Sichere LKW-Parkplätze

Kriminelle auszusperren ist die Devise der European Secure Parking Organisation ESPORG. Sichere LKW-Parkplätze wie hier in Wörnitz sind immer stärker gefragt. (Bild: Thomas Küppers)

Ein Sattelzug rollt langsam an die mit Schnellrolltor, Schranke und schweren Betonpollern gesicherte Einfahrt. Der Fahrer beugt sich aus dem Fenster und fordert per Knopfdruck ein Parkticket an. Damit löst er gleichzeitig das Kamerasystem aus. Es nimmt sein Gesicht auf, scannt das Nummernschild der Zugmaschine und speichert auch beide Seitenansichten des Trailers auf der Videoüberwachung. Das Personal im Verkaufsraum der Tankstelle kann den Vorgang via Bildschirm beobachten. Erst danach setzt sich das Tor in Bewegung und der Fahrer darf auf den 2,40 Meter hoch umzäunten Parkplatz fahren.

Hinter dem Fahrzeug schließt sich die Anlage umgehend. Im Laufe des späten Nachmittags und der Abendstunden wiederholt sich die Prozedur noch einige Male, dabei füllt sich der Sicherheitsparkplatz des Autohofs Wörnitz nahe der Autobahn 7 nach und nach. Fahrer und ihre Lkw samt exklusivem Transportgut können hier eine ungestörte Nacht verbringen. Die Beleuchtung beseitigt sämtliche dunklen Ecken, vier Dome-Kameras lassen ihr elektronisches Auge kontinuierlich wandern. Zutritt haben nur die Inhaber eines Parktickets. Und auch das wird sorgsam überwacht.

Aus Diebstahl wird schnell Raub

Über acht Milliarden Euro wirtschaftlicher Schaden entsteht laut EU-Angaben jährlich durch den Diebstahl wertvoller Güter auf dem Transportweg. Egal ob Elektronik, Markenprodukte aus dem Textilbereich, Tabakwaren, Spirituosen, Medizin- oder Forschungsmaterial: Nichts ist sicher. Dabei sind organisierte Kriminelle länderübergreifend im großen Stil tätig. Sie stehlen auf Bestellung, die Waren verschwinden sofort, die Strafbehörden haben kaum eine Chance. Zunehmend werden aus den Sachdelikten gewalttätige Raubüberfälle.

Ronny Pflug, der Besitzer des Autohofes Wörnitz, ist die treibende Kraft hinter ESPORG. Zusammen mit Dirk Penasse vom Truckstop 26 im belgischen Zolder gründete er im April 2010 die European Secure Parking Organisation. Ihr Ziel ist ein europaweites Netzwerk von speziellen Lkw-Parkplätzen, die hohe Sicherheitsstandards garantieren. „Ich stamme aus einer Spediteursfamilie und kenne die Problematik gut. Bereits 2009 nahm ich deshalb an einem Pilotprojekt der EU teil und entwickelte und baute diese Anlage in Wörnitz“, erklärt Pflug. „Doch das  Projekt lief aus und ich dachte darüber nach, wie man diese Sache weiterführen könnte. Dann kam zufällig Dirk hier vorbei. Auch er hatte in einen solchen Parkplatz investiert und wir taten uns  zusammen.“

(Bild: Thomas Küppers)

Neben Anlagen in Deutschland auditierte DEKRA bereits Sicherheitsparkplätze in Dänemark, Belgien, Frankreich und Spanien. (Bild: Thomas Küppers)

Das Potenzial ist enorm

Gemeinsam stellten sie ihr Konzept bei TAPA vor. Die Transported Asset Protection Association ist ein Zusammenschluss von internationalen Herstellern, Logistikdienstleistern, Frachtunternehmen und Strafverfolgungsbehörden. Laut monatlicher TAPA-Statistik finden über 40 Prozent der erfassten Diebstähle auf ungesicherten Parkplätzen statt. „Hier liegt ein großes Verbesserungspotenzial, doch als Einzelpersonen konnten wir kein Mitglied der TAPA werden“, erinnert sich Pflug. Die Gründung von ESPORG löste das Problem. Inzwischen gehören der Organisation über 40 weitere Autohöfe an und es sollen noch mehr werden.

Doch wie sehen die Kriterien für einen ESPORG-Parkplatz aus? Pflug beschreibt den Prozess: „Hier kam vor zwei Jahren DEKRA ins Spiel. Verbindliche Richtlinien oder Vorgaben fehlten bis dahin. Schließlich hatten solche Parkplätze vorher noch nirgends existiert.“ In Zusammenarbeit mit Sorosh Hatami und dessen Team von DEKRA Certification erstellte ESPORG einen umfangreichen Kriterien-Katalog, nach dem die DEKRA Experten Autohöfe überprüfen können. „Wir entwickelten dafür auch eine Software, die es uns zum Beispiel ermöglicht, einen digitalen Bericht mit Bildmaterial zu erstellen“, erklärt Hatami. „So können wir alle Gegebenheiten vor Ort gut dokumentieren. Denn unterschiedliche bauliche Lösungen können trotzdem den Standard erfüllen. Hier lernen ESPORG und wir immer gerne dazu. Es ist ein ständiger Informationsaustausch aller, die an diesem Projekt mitwirken“.

(Bild: Thomas Küppers)

DEKRA Auditor Sorosh Hatami prüft den Automaten, mit dem die Lkw-Fahrer das Parkticket anfordern. (Bild: Thomas Küppers)

Die DEKRA Prüfer schauen ganz genau hin

Die DEKRA Prüfer begutachten für mehr LKW-Sicherheit unter anderem Umzäunungen, Absicherungen, Beleuchtung, Ein- und Ausfahrt sowie Ein- und Ausgänge, Überwachungssysteme, Kamerasysteme, Schulung und Ausstattung des Personals, Datenerfassung und Datenbearbeitung sowie etwaige Notfallpläne und -maßnahmen. Nach einem erfolgreichen Audit kann der Autohof von ESPORG ein Zertifikat erhalten, welches ihm den entsprechenden Standard offiziell bescheinigt. „Wir sind positiv überrascht, wie viel Anklang unsere Idee findet und wie viele internationale Leute aus der Branche uns inzwischen um unsere Expertise bitten“, beschreibt Pflug das vergangene Jahr. „Ich hoffe, ESPORG kann auch zukünftig dazu beitragen, das organisierte Verbrechen in Schach zu halten.“ (Text: Sandra Moser)

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