Vor dem Urlaub ausgebremst

Ausgerechnet jetzt: mitten in der Vorfreude auf Strand und Sonne. Den Salzgeschmack schon auf der Zunge, da streikt das Wohnmobil. Und ausgerechnet hier: eine Zufahrt im Nirgendwo. Autos rasen vorbei. Keiner hält. Es dämmert bereits. Die Kinder sind müde.

Bleibt das Wohnmobil liegen, ist der Urlaub schnell komplett verdorben. Die DEKRA Experten wissen, worauf Sie achten sollten.

Urlaub mit dem Wohnmobil? Aber sicher! (Bild: Jan Potente)

Wie sich später zeigte, war in diesem Fall die Natur schuld an der Misere: Ein Marder hatte sich in der Nacht vor der Abfahrt im Motorraum ausgetobt und den Wasserschlauch angeknabbert, was im Überdruck-Kühlsystem schleichend zu Verlusten und letztlich zur Überhitzung des Diesels führte.

Die junge Familie erwischte einen denkbar schlechten Start in den Urlaub. Davor ist niemand gefeit, doch gegen andere Überraschungen lässt sich gut vorsorgen. Die Technik eines mobilen Heims unterscheidet sich deutlich vom normalen Haushalt. Die Möbel sind fest montiert, zum Bau einer Sitzgruppe müssen eventuell die Fahrersitze um 180 Grad gedreht werden. Nicht nur der Herd funktioniert mit Gas, sondern auch die Heizung und wahlweise der Kühlschrank.

In den Kurven heißt es: Vorsicht!

Die Vorräte an Wasser und Strom sind begrenzt, besonders in der freien Natur. Ein Wohnmobil ist vergleichsweise riesig. Da kann der Alkoven schon mal einen Ast streifen. In Kurven muss der Fahrer weiter ausholen und deutlich langsamer fahren, weil sich der Aufbau stark neigt. Im Baustellenbereich auf Autobahnen ist der linke Fahrstreifen tabu. Seitenwind ist deutlich zu spüren. Überholvorgänge dauern wesentlich länger, das Bremsen auch. Doch wer diese Tücken kennt, entdeckt schnell, wie viel Spaß das Fahren mit so einem großen Fahrzeug macht.

Dazu kommen dann noch die Vorteile eines Wohnmobil-Urlaubs: das Gefühl weitgehender Unabhängigkeit von Zeit und Ort. Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen zählte 2014 in Deutschland rund fünf Millionen Caravaningreisen (inklusive Wohnwagen). Mit großem Abstand beliebtestes Ziel ist Deutschland gefolgt von Italien. Der europäische Markt boomt. Allein hierzulande verbuchten die Händler im ersten Quartal 2015 mit 11.563 neu zugelassenen Wohnmobilen im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 5,3 Prozent.

Es ist alles eines Typfrage

Der Markt unterscheidet verschiedene Typen von Reisemobilen. So ist ein Kastenwagen ideal für bis zu zwei Personen, hat aber typischerweise weder Dusche noch Toilette an Bord. Außerdem steht jeden Abend Bettenbau auf dem Programm. Mit Sanitärbereich und voll familientauglich sind Alkoven-Wohnmobile. Sie bieten als „Klassiker“ ein zusätzliches großes Doppelbett über dem Fahrerhaus.

Dem sogenannten Teilintegrierten fehlt das Oberstübchen, dafür ist er aerodynamisch im Vorteil. Vollintegrierte Fahrzeuge markieren die Luxusklasse. Hier stülpt der Hersteller einen kompletten Aufbau über das Chassis. Kristallisiert sich ein bestimmter Mobiltyp heraus, müssen andere Entscheidungen getroffen werden: Etagen-, Einzel-, Doppel-, Queensbetten oder eine Kombination, separate Duschkabine, großer Stauraum im Heck, Eckküche, Boden- statt Luftheizung und vieles mehr, fast wie bei einer Immobilie. 

Augen auf beim Fahrzeuggewicht 

Die Wahl des Reisemobils hängt aber auch von formalen Kriterien ab, etwa dem Führerschein. Die Klasse B taugt nur für Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von 3,5 Tonnen. Wurde die Fahrerlizenz vor 1999 erworben, gilt noch die Regelung des Führerscheins der alten Klasse 3. Das Gewichtsmaximum beträgt dann 7,5 Tonnen. Für ein Stück Sicherheit auf der Straße sorgt die Hauptuntersuchung (HU) bei DEKRA. Neue Wohnmobile bis 3,5 Tonnen müssen zum ersten Mal nach 36 Monaten vorgestellt werden, danach alle 24 Monate.

Fahrzeuge mit einer zulässigen Masse zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen haben nach zwei Jahren ihren ersten HU-Termin, dann greift der Zwei-Jahres-Takt bis zum sechsten Jahr, danach erfolgt eine jährliche Prüfung. Wohnmobile mit mehr als 7,5 Tonnen Gesamtgewicht müssen alle zwölf Monate zur Hauptuntersuchung. DEKRA überprüft an rund 400 Standorten deutschlandweit Bremsen, Lenkung, Licht sowie andere Teile der elektrischen Anlage, Achsen, Räder, Aufhängungen, Fahrgestell und den Rahmen. Die Ingenieure checken die Umweltverträglichkeit, Sichtverhältnisse, Identifizierbarkeit des Fahrzeugs und eventuelle Modifikationen an der Ausstattung.

Das Profil allein ist nicht entscheidend

Ein besonderes Thema sind die Reifen. Bei selten genutzten Wohnmobilen denkt der Besitzer auf den ersten Blick, es sei genug Profil vorhanden, doch auch dem Alter des Reifens sollte Beachtung geschenkt werden. DEKRA Sachverständige warnen davor, dass bereits nach sechs Jahren das Risiko von gefährlichen Reifenschäden stark ansteigt. Der DEKRA Prüfer sieht sich bei der HU auch den Aufbau und die daran befestigten Teile an. Es dürfen keine scharfen Kanten hervorstehen.

Im besonderen Fokus steht die Flüssiggasanlage. Eine gültige Gasprüfung ist Voraussetzung zum Bestehen der Hauptuntersuchung. Beide können auch zusammen
erledigt werden. Die Gasflaschen, Staukästen und die Entlüftungsöffnungen sollten frei zugänglich sein. Die Prüfer checken die Schlauchleitungen, Druckregler und die Anschlüsse der Gasflaschen, die höchstens zehn Jahre alt sein dürfen, auf ihre Funktion und Dichtigkeit. Stimmt der Rest auch, klebt die neue Prüfplakette auf der Nummerntafel. Das ist nicht nur ein schönes Gefühl, sondern auch eine gute Voraussetzung für eine problemlose Urlaubsfahrt.

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