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DEKRA bildet in Ungarn und Serbien Pflegekräfte für den deutschen Arbeitsmarkt aus. Die Budapesterin Beáta Zagyi kann es kaum erwarten, endlich bei ihrem künftigen Ulmer Arbeitgeber compassio anzufangen. Der Seniorendomizil-Betreiber ist Pilotpartner der DEKRA Akademie.

(Bild: Maik Meid/Flickr /CC BY-SA 2.0)

DEKRA bildet in Ungarn und Serbien Pflegekräfte für den deutschen Arbeitsmarkt aus. (Bild: Maik Meid/Flickr/CC BY 2.0)

Beáta Zagyi ist 26 Jahre alt. Sie hat nach dem Abitur lange als Verkäuferin gearbeitet. Aber dann wurde sie arbeitslos. Mit einem neuen Beruf will sie ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. „In erster Linie wollte ich etwas lernen, womit ich auch im Ausland etwas anfangen kann“, sagt die junge Frau. Bei ihrer Suche stieß sie im Internet auf eine Anzeige der DEKRA Akademie.

Seit September 2013 drückt die Budapesterin mit 29 anderen Frauen und Männern in Vác die Schulbank. Die Klasse wird im Auftrag der Firma compassio zu Pflegekräften ausgebildet. Das Ulmer Unternehmen ist Träger von 24 Seniorendomizilen und ambulanten Pflegediensten in Süddeutschland. Die Standorte erstrecken sich von Ludwigshafen über die Schwäbische Alb bis Regensburg und Fürth. compassio, 2005 von der oberschwäbischen Unternehmerfamilie Weishaupt gegründet und seither auf Wachstumskurs, spürt den Fachkräftemangel deutlich.

180 neue Altenpflegeschüler pro Jahr

Die Ulmer bilden 180 Altenpflegeschüler in eigenen Einrichtungen aus. „Wir expandieren und schaffen eine Vielzahl an neuen Arbeitsplätzen, die wir nicht
mehr alleine mit Fachkräften vom deutschen Arbeitsmarkt besetzen können“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Frühschütz. „Viele Träger in der Altenhilfe haben bereits Lehrgeld bei der internationalen Rekrutierung gezahlt“, erklärt er, „so auch wir, glücklicherweise aber nicht im großen Stil.“ Schnell war Frühschütz klar, dass er einen Partner benötigt. Auch weil compassio großen Wert auf die Qualitätssicherung legt, kooperiert das Ulmer Unternehmen bei der Pflegekräftesuche mit der DEKRA Akademie.

Die Ausbildung von Beáta Zagyi und ihrer Mitschüler findet an vier Standorten in Fachmittelschulen und gut ausgestatteten Krankenhäusern statt und dauert drei Jahre. Im Sommer 2016 wollen sie alle examinierte Pflegefachkräfte sein mit Sprachzertifikat für Deutsch auf dem gehobenen EU-Level B2 in der Tasche. Im Lehrplan der Ausbildung durch die DEKRA Akademie ist der Spracherwerb fest verankert. Damit klappt es bei den Schülern schon nach dem ersten Jahr prima. Ádám Horváth, einer der wenigen männlichen Azubis, formuliert nahezu fehlerfrei, was ihn zur Umschulung bewogen hat: „Bei den Firmen, wo ich bis jetzt arbeitete, habe ich immer gefühlt, ich habe nur leere und nutzlose Aufgaben.“

Der 27-Jährige war nach einem Studium unter anderem als Verkaufsleiter für verschiedene internationale Konzerne tätig. Die kehrten aber einer nach dem anderen Ungarn den Rücken. Horváth 5 blieb zurück. Seine Hoffnung stützt sich nun auf compassio. „Ich möchte eine dauerhafte, sichere Arbeitsmöglichkeit haben“, sagt er. Lisa Prinz, die bei compassio die Personalentwicklung leitet, betont: „Unser erklärtes Ziel ist es, die komplette ungarische Klasse mit 30 Personen zu übernehmen.“ Natürlich auch, weil compassio die gesamte Ausbildung der Ungarn finanziert.

Viele suchen eine schnelle Lösung

Die Aus- und Fortbildung von Pflegekräften in Osteuropa ist ein Wachstumsmarkt für die DEKRA Akademie und findet bereits in Ungarn und Serbien statt. Weitere Kurse und Klassen sind ab 2015 in Polen, Rumänien und Griechenland geplant, weiß Zoltán Tóth, Projektleiter der DEKRA Akademie für die Pflegerausbildung. „Grundsätzlich haben viele Osteuropäer großes Interesse daran, in Deutschland zu arbeiten. Allerdings ist eine Ausbildung wie bei uns vielen zu aufwendig. Sie suchen eine schnellere Lösung.“

Dass man tatsächlich Geduld braucht, erfährt auch Beáta Zagyi, die viele Bekannte hat, die in Deutschland arbeiten. Sie haben ihr oft von dort erzählt. Bei Kennenlerntagen im Mai 2014 in zwei Einrichtungen von compassio in der Region Regensburg machte sie sich selbst ein Bild von ihrem künftigen Einsatzort. „Was mich betrifft, erwarte ich es schon sehr. Und manchmal fühle ich: Es dauert ewig bis 2016“, fasst sie ihre Sehnsucht bereits in fast perfektes Deutsch.

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