Landstraßen müssen noch sicherer werden

Um die Verkehrssicherheit auf Europas Landstraßen nachhaltig zu erhöhen, gibt es in zahlreichen Punkten Handlungsbedarf.

Symbolbild Landstrasse

Sind besonders oft gefährlich und müssen sicherer werden: Landstrassen (Bild: Thomas Kohler/Flickr/CC BY 2.0)

Angesichts des menschlichen Leids und der mit Verkehrsunfällen verbundenen Kosten für die Gesellschaft – die EU-Kommission bezifferte diese zum Beispiel für das Jahr 2009 für Unfälle auf den Straßen der Europäischen Union auf circa 130 Milliarden Euro – ist die Erhöhung der Verkehrssicherheit schon seit Jahren auf allen Ebenen ein erklärtes Ziel. Ob seitens der EU-Kommission, der Regierungen zum Beispiel in Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Polen oder auf kommunaler Ebene: Überall werden Leitlinien formuliert und Verkehrssicherheitsprogramme aufgelegt, die dazu beitragen sollen, die Zahl der bei Verkehrsunfällen Getöteten und Verletzten zu reduzieren.

Prominentestes Beispiel sind die von der EU-Kommission bereits im März 2011 veröffentlichten „Leitlinien zur Straßenverkehrssicherheit 2011–2020“ mit dem darin formulierten Ziel, die Zahl der alljährlichen Verkehrstoten auf Europas Straßen in den kommenden zehn Jahren noch einmal um die Hälfte zu verringern. In nahezu allen Programmen nehmen dabei die Landstraßen einen breiten Raum ein.

Landstraßen bringen besonders oft den Tod

Durchschnittlich verlieren rund 60 Prozent der im Straßenverkehr getöteten Menschen auf Landstraßen ihr Leben. Dieser hohe Prozentsatz gewinnt noch mehr an Bedeutung, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel auf den deutschen Landstraßen im Jahr 2011 nur etwa ein Viertel aller Unfälle mit Personenschaden passierte.

Die Relevanz des Themas Landstraße zeigt sich zugleich auch in den unterschiedlichsten Forschungsprojekten hierzu. An dieser Stelle seien nur einige Projekte der Bundesanstalt für Straßenwesen genannt. So zum Beispiel die Empfehlungen zur Vermeidung von Zusammenstößen mit dem Gegenverkehr“, die „Sicherheitstechnische Überprüfung von Elementen plangleicher Knotenpunkte“, die „Wirkung, Akzeptanz und Dauerhaftigkeit von Elementen zur Fahrtrichtungstrennung“ oder die „Auswirkungen von Querschnittsgestaltung und längs gerichteten Markierungen auf das Fahrverhalten“.

Das Risikopotenzial ist hoch

Auch wenn EU-weit die Zahl der Menschen, die bei Unfällen auf Landstraßen ums Leben kamen, in den letzten Jahren deutlich gesunken ist, kann in diesem Punkt keineswegs Entwarnung gegeben werden. Nach wie vor ist das Risikopotenzial auf den Landstraßen im Vergleich zu den Autobahnen und dem Innerortsverkehr sehr hoch. Um hier für die Zukunft eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen, gilt es, die auf den unterschiedlichsten Handlungsfeldern sich bietenden Unfallvermeidungspotenziale noch konsequenter zu nutzen.

Neben fahrzeugspezifischen Sicherheitselementen wie zum Beispiel Fahrerassistenz- und Scheinwerfersystemen spielt zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf Landstraßen vor allem auch die Straßeninfrastruktur eine wesentliche Rolle. Der teilweise schlechte Zustand der Landstraßen ist zweifelsohne mitverantwortlich für eine große Zahl an Unfällen – erst recht dann, wenn risikoerhöhende Faktoren wie überhöhte Geschwindigkeit oder Ablenkung dazukommen.

140 Meter im absoluten Blindflug

Zum Stichwort Ablenkung nur ein Beispiel: Wenn ein Pkw auf der Landstraße vorschriftsmäßig maximal 100 km/h schnell unterwegs ist, der Fahrer aber nur fünf Sekunden etwa durch die Bedienung des Navigationsgeräts oder den Blick auf eine auf dem Handy eingegangene SMS abgelenkt ist, legt sein Fahrzeug in dieser Zeit eine unkontrollierte Strecke von nahezu 140 Metern zurück.

Doch zurück zur Straßeninfrastruktur: Die Notwendigkeit, speziell in den Erhalt der Straßen zu investieren, ist auch auf höchster politischer Ebene ein vordringliches Thema. In der vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vorgelegten Grundkonzeption zum „Bundesverkehrswegeplan 2015“ ist die Substanzerhaltung eines der maßgeblichen Ziele. Weitere Impulse für mehr Verkehrssicherheit dürften darüber hinaus von den aktuell noch in Bearbeitung befindlichen „Richtlinien für die Anlage von Landstraßen“ (RAL) ausgehen. Zentrale Neuerungen in den RAL sind beispielsweise die Ausgestaltung der Knotenpunkte sowie die Schaffung von ausreichend sicheren Überholmöglichkeiten.

Der Schlüssel zu mehr Sicherheit bleibt der Mensch

Bei allen Maßnahmen im Hinblick auf eine noch effizientere Fahrzeugtechnik und eine bessere Straßeninfrastruktur bleibt – das ist auch in den DEKRA Verkehrssicherheitsreports der Vorjahre schon mehrfach angeklungen – stets der Mensch am Steuer derjenige, der auf das Entstehen eines Unfalls den größten Einfluss hat. Zwar können Fahrzeugtechnik und Straßeninfrastruktur dazu beitragen, risikoreiche Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen beziehungsweise in ihren Folgen abzuschwächen. Um aber bis zum Jahr 2020 das Ziel einer nochmaligen Halbierung der Zahl der jährlichen Verkehrstoten in der EU zu erreichen, sind zudem vor allem ein verantwortungsbewusstes Verhalten, die richtige Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und ein hohes Maß an Regelakzeptanz seitens aller Verkehrsteilnehmer unerlässlich.

Mehr lesen: Rast mit Last und Ruh