Petrol Heads

Die führenden Köpfe von DEKRA Nordamerika und des US-Motorsportverbandes IMSA haben Benzin im Blut – und Mut zu unkonventionellen Maßnahmen: Seit Beginn der Saison 2015 sind sie Partner im Rahmen der TUDOR United SportsCar Championship.

Die führenden Köpfe von DEKRA Nordamerika und des US-Motorsportverbandes IMSA haben Benzin im Blut.

Arbeiten zusammen: DEKRA Nordamerika und der US-Motorsportverbandes IMSA (Bild: Scott Lepage und Michael Levitt)

Gleich die erste Hürde war die höchste: Die DEKRA Premiere in der amerikanischen Sportwagenmeisterschaft fiel ausgerechnet auf ein 24-Stunden-Rennen — den Langstreckenklassiker in Daytona. Probleme, Pannen beim Debüt dieser komplexen Aufgabe? „Not at all“, sagt Donald O. Nicholson, Präsident und CEO von DEKRA Nordamerika.

Mittlerweile sind zwei Drittel der Saison problemlos über die Bühne gegangen und DEKRA konnte sich vielfältig bei den Fahrzeugabnahmen einbringen. Nicholson bilanziert: „Wir sind alle sehr stolz auf das, was wir erreicht haben.“ Auch DEKRA Automobilvorstand Clemens Klinke erkundigte sich persönlich vor Ort. Er traf dort die Führungskräfte der IMSA, darunter Jim France, den Besitzer der NASCAR-Serie. „Mr. Klinke war anschließend voll des Lobes für unser Team“, freut sich Nicholson.

Glaubwürdigkeit für den Motorsport 

Die DEKRA Prüfer sind gemeinsam mit den Technikern der IMSA dafür zuständig, dass die technischen Reglements und Sicherheitsstandards der TUDOR-Meisterschaft eingehalten werden. Dass ein Veranstalter sich von unabhängigen Prüfern auf die Finger schauen lässt, ist ein Novum im amerikanischen Rennsport. Eine kleine Revolution, von der beide Partner profitieren. Die unabhängige Prüfinstanz DEKRA verleiht dem Inspektionsprozess mehr Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig freut sich Nicholson über den weiteren Imagegewinn von DEKRA Nordamerika als Garant für unabhängige Tests, Prüfverfahren und Zertifizierungen in der Automobilindustrie und darüber hinaus.

Auch der Partner ist mehr als zufrieden: „Wir sind begeistert, dass DEKRA die IMSA ausgewählt hat, um den Bekanntheitsgrad in Nordamerika zu steigern“, sagte IMSA-Präsident Scott Atherton. „Diese Partnerschaft hilft uns zudem, die Präsentation der Technik an den Rennstrecken weiterzuentwickeln.“ Für DEKRA ist die Aktivität im Motorsport schon Tradition. Seit mehr als 25 Jahren ist das Knowhow der DEKRA Prüfingenieure in der international populärsten Tourenwagenserie DTM (Deutsche Tourenwagen Masters) gefragt.

Glühende Drähte

Und auch in der Formel-1-Weltmeisterschaft sind DEKRA Experten aktiv und gut vernetzt. Über Verhandlungen mit der DTM-Dachorganisation ITR wurde den IMSA-Chefs die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen DTM und der Sachverständigenorganisation bekannt. Sie nahmen Kontakt zu DEKRA Nordamerika auf. Dann ging alles ganz schnell. Donald O. Nicholson besuchte mit weiteren Managern im August und Oktober zwei IMSA-Rennveranstaltungen, es gab diverse Meetings. Außerdem glühten sofort die Drähte nach Deutschland.

„Vom Tag eins an waren wir in Kontakt mit dem DEKRA DTM-Team“, so Nicholson. „Vor allem natürlich mit Wolfgang Dammert und Volker Noeske. Sie waren voll integriert in die Entwicklung der neuen Partnerschaft.“ Dammert und Noeske sind seit dem Jahr 2000 die technischen Verantwortlichen der DTM-Aktivität. Mitte Dezember 2014 wurde die neue Partnerschaft bereits verkündet, Ende Januar fand das erfolgreiche DEKRA Debüt in Daytona statt.

Die Amerikaner setzen auf Arbeitsteilung

Das DTM-Konzept wurde jedoch nicht 1 : 1 übernommen. Während die Deutschen die technische Abnahme im Auftrag des DMSB komplett selbst durchführen, gibt es bei den Amerikanern eine Art Arbeitsteilung. Die IMSA-Techniker kümmern sich faktisch um die Fahrzeugprüfung, das dreiköpfige DEKRA Techniker-Team um Leiter Kirk Fordham beaufsichtigt das Ganze und stellt sicher, dass jedes Rennauto denselben Prozess durchläuft. Wird alles als korrekt eingestuft, kommt ein von einem IMSA-Inspekteur unterzeichneter DEKRA Aufkleber aufs Auto. Alle arbeiten Hand in Hand. Vier Tage vor dem Rennen reisen als erste DEKRA Delegation die Techniker an. Bevor sich auf der Strecke ein Rad dreht, prüfen sie beim ersten Durchlauf alle Fahrzeuge. Nach Qualifying und Rennen stehen dann zwei weitere Prüfprozesse an, allerdings lediglich für die drei Bestplatzierten der vier unterschiedlichen Rennkategorien. Damit ist sichergestellt, dass auch während des Rennens alles technisch korrekt abläuft.

Funktionierende Netzwerke 

Wie bei großen Rennserien üblich, fungiert auch in Nordamerika der Motorsport als Networking-Plattform. In der DEKRA Hospitality Suite sieht man nicht selten führende Köpfe der beteiligten Autoübermobilhersteller, Sponsoren, Teamchefs oder auch den einen oder anderen Prominenten. Zum Engagement in der TUDOR-Meisterschaft gehört auch der DEKRA Green Challenge Award für die GT Le Mans-Klasse. Es ist die einzige Rennserie, die ein sogenanntes „grünes Protokoll“ führt. Dieses wurde unter anderem vom Energieministerium der USA als Teil einer umfassenden strategischen Allianz mit der IMSA eingeführt.

In der TUDOR-Meisterschaft wird mit Biosprit gefahren. Man will so Automobilherstellern und Teams eine Plattform bieten, alternative Kraftstoffe auszuprobieren. Nach einem komplizierten Berechnungssystem erhält am Ende jeder Rennveranstaltung das Team mit dem quasi „grünsten“ Rennfahrzeug einen Pokal. Der Wettbewerb ist äußerst prestigeträchtig. „Die Übergabe des Pokals an Teams, die Hersteller wie BMW, Corvette, Ferrari oder Porsche repräsentieren, sind für uns sehr beeindruckende Momente“, sagt Nicholson. Manchmal wird der Award auch zum emotionalen Highlight — etwa wenn der Gewinner Bobby Rahal heißt. Der Ex-Champion und Indy-500-Sieger setzt gemeinsam mit dem US-Talkshow-Star David Letterman ein BMW-Team ein, das sich in Kanada den DEKRA Green Challenge Award sicherte.

 
 
 
Jetzt bei Google Play