Schneller ans Ziel

22 Tunnel, 29 Brücken, 107 Kilometer Schiene mit Hochgeschwindigkeitsabschnitten, das sind die Eckpunkte der neuen Bahntrasse von Ebensfeld nach Erfurt, quer durch den Thüringer Wald. DEKRA Construction Management ist an der Bauüberwachung dieses außergewöhnlichen Projekts beteiligt.

(Bild: Karl-Heinz Augustin)

22 Tunnel, 29 Brücken, 107 Kilometer Schiene mit Hochgeschwindigkeitsabschnitten, das sind die Eckpunkte der neuen Bahntrasse von Ebensfeld nach Erfurt. (Bild: Karl-Heinz Augustin)

Den Personenverkehr auf der Schiene durch eine moderne Hochleistungsstrecke zuverlässig aufnehmen und bewältigen zu können: Das ist das Ziel der Deutschen Bahn für den umfangreichen Aus- und Neubau der östlichen Nord-Süd-Achse. Bereits Anfang der 1990er-Jahre beschlossen, ist sie eines der „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“, kurz VDE.

Ein besonders anspruchsvoller Teil der Großbaustelle in den Bundesländern Thüringen und Bayern ist der Abschnitt von Ebensfeld nach Erfurt. Dort wechseln sich auf der neuen ICE-Trasse insgesamt 41 Kilometer Tunnelbauwerke und zwölf Kilometer Brücken ab, um die Topografie des Thüringer Waldes mit seinen Tälern, Bergen und Schluchten möglichst ökonomisch und ökologisch zu durchfahren. In einer Ingenieurgemeinschaft mit dem Ingenieurbüro Dipl.-Ing. H. Vössing GmbH betreut DEKRA Construction Management seit 2010 den Bauabschnitt.

Planen für den Bedarf der Zukunft

Bei Infrastrukturprojekten dieser Art liegt der Fokus neben der baulichen Fachkompetenz auf der Sicherheit. „Wir von Vössing stehen dabei für höchsten Anspruch in Planung, Steuerung und Überwachung und sehen in DEKRA einen starken Partner in den Bereichen Prüfung und Sicherheit“, sagt Birgit Spindler, Leiterin der Vössing-Niederlassungen Leipzig, Erfurt und Dresden. Dieser Synergieeffekt überzeugte auch die Deutsche Bahn. „Mit diesem Bauvolumen über mehrere Bundesländer hinweg plant die Bahn langfristig und für den Bedarf der Zukunft“, betont Projektingenieur Falk Neujahr von der Deutsche Bahn ProjektBau GmbH.

„Bei der gesamten Koordination einer solchen Großbaustelle ist die zuverlässige Abwicklung der einzelnen Abschnitte in allen Facetten deshalb für uns ausschlaggebend.“ Vössing kümmert sich auf den 107 Kilometern, die aktuell im Fokus stehen, unter anderem um die Überwachung der Verkehrsanlage bis hin zur eisenbahntechnischen Ausrüstung wie Oberleitungsbau, Elektrotechnik sowie Licht-, Leit- und Sicherungstechnik. Zugleich koordiniert die Ingenieurgemeinschaft alle beteiligten Baufirmen sowie deren bis zu 1.000 ausführende Mitarbeiter und sorgt für einen reibungslosen Ablauf vor Ort. Ergänzend dazu betreut DEKRA Construction Management die ökologische Bauüberwachung, die Termin- und Kostenkontrolle und vor allem die Qualitätsüberwachung der umfangreichen Betonarbeiten.

Auch der Bestandsschutz zählt

So beaufsichtigte DEKRA auch die Sanierung der Geratalbrücke in Erfurt-Bischleben. Vor der Gleisverlegung mussten zunächst festgestellte Mängel beseitigt werden. Die wenige Kilometer südwestlich von Erfurt gelegene Brücke wurde bereits fertiggestellt, blieb aber aufgrund der vorgesehenen Baustufenplanung bis dato ungenutzt. „Außer den aktuellen Neubauten für das VDE ist der Bestandsschutz für unser Unternehmen ein wichtiger Aspekt“, betont Bahn-Ingenieur Neujahr. Denn über lange Bauzeiträume hinweg können sich Vorschriften, Standards oder Anforderungen, vor allem im Bezug auf die Sicherheit, ändern. Am Tag der Inbetriebnahme müssen sie dennoch gewährleistet sein.

Thomas Möckel, Projektleiter bei DEKRA, ergänzt: „Unsere Experten in der Bauüberwachung haben auch den Umweltschutz im klassischen Sinne im Auge. So achten sie zum Beispiel auf die Vermeidung von Kontaminationen bei kurzzeitigen Deponien oder Materiallagern oder die möglichst verträgliche Planung der Fahrtrouten von Baustellenfahrzeugen, um die Menschen in den Anliegergemeinden nicht unnötig zu belasten.“

Genau bis auf den Zehntelmillimeter

Vor allem Betontransporte sind es, die momentan zwischen den Tunneln Masserberg, Rehberg, Goldberg und Bleßberg südlich von Erfurt unterwegs sind. Hier entsteht die Trägerkonstruktion der Hochgeschwindigkeitsschienen. Damit auf dieser Strecke ein ICE zukünftig gefahrlos bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnell fahren kann, sind herkömmliche Schwellen und Schotter keine Option. Stattdessen kommen komplett aus Beton vorgefertigte Schienenträger als „Feste Fahrbahn“ zum Einsatz. Hier ist ebenfalls die Expertise von DEKRA gefragt: Die Ingenieure kontrollieren zuerst die Trassensohle, bevor darauf die hydraulisch gebundene Tragschicht, kurz HGT, kommt. Sie besteht aus Spezialbeton und benötigt keine Stahlbewehrung im Innern. Haben die DEKRA Experten die mängelfreie Ausführung der HGT bestätigt, verlegen die Arbeiter die vorgefertigten Gleistragplatten und ein gesondertes Vermessungsteam richtet sie bis auf den Zehntelmillimeter genau aus.

Pro Arbeitstag entstehen so etwa 150 bis 200 Meter Fahrbahn, für die der DEKRA Ingenieur anschließend das Vermessungsprotokoll prüft und den Abschnitt freigibt. Dann darf der Bautrupp die Platten mit einem speziellen, selbst verdichtenden Beton verfüllen und erst nach einer weiteren Abnahme erfolgt die Schienenverlegung. Wenn das Großprojekt östliche Nord-Süd-Achse in einigen Jahren komplett fertiggestellt sein wird, werden Fahrgäste mit dem ICE von München nach Berlin nur noch vier Stunden
benötigen und damit nur noch halb so lange unterwegs sein wie heute.

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