Rettung in Sicht

Seit Mitte 2012 bilden der kommunale Rettungsdienst Oberbergischer Kreis und DEKRA in einer Kooperation Rettungskräfte in Gummersbach aus. 22 Rettungssanitäter haben bereits erfolgreich abgeschlossen.

(Bild: Wiciok)

Fachkundig leisten diese Rettungssanitäter Erste Hilfe. (Bild: Wiciok)

Alarm! Es hat gekracht. Direkt vor der DEKRA Rettungsfachschule in Gummersbach ist eine Autofahrerin – vermeintlich – in einen Unfall verwickelt. Bewusstlos sitzt sie hinter dem Steuer ihres Fahrzeugs. Die Übung beginnt. Auf Ansprache von Moritz Weng, Dornice Guist und Sören Ruland reagiert sie nicht. Für die drei Rettungs-Azubis heißt es jetzt: schnell handeln, Halswirbelsäule stabilisieren, Person bergen, auf die Trage heben und ab in den Rettungswagen. Dort folgen Blutdruck und Sauerstoffsättigung messen, EKG vorbereiten. „Und ab“, ruft Dozent Joachim Kurz, schließt die Türen, steigt in den Rettungswagen, startet den Motor und fährt mit Martinshorn und Blaulicht vom Hof. Rettung in Echtzeit.

Dr. Ralf Mühlenhaus lehnt am Notarztfahrzeug und nickt zufrieden. „Genau so muss das laufen“, sagt der Amtsleiter für den Rettungsdienst des Oberbergischen Kreises. Er hat vor gut einem Jahr gemeinsam mit Dieter Jacobs, dem Leiter der DEKRA Berufsfachschule, den Grundstein für die Rettungsfachschule gelegt. Denn im Rettungswesen des Oberbergischen Kreises machte sich ein Strukturwandel bemerkbar: die zunehmende Überalterung der Gesellschaft und der mangelnde Nachwuchs im Rettungsdienst.

Viele waren vorher Zivildienstleistende

„Viele unserer Rettungssanitäter und -assistenten rekrutierten sich aus den Reihen der Zivildienstleistenden. Diese wuchsen häufig in den Rettungsdienst hinein, wussten, was auf sie zukam, und wählten dann diesen Weg“, sagt Mühlenhaus. Doch mit Wegfall der Wehrpflicht versiegte diese Quelle und der kommunale Rettungsdienst musste umdenken. „DEKRA ist seit den 1980er-Jahren in Gummersbach. Unsere Ausbildung umfasste bereits die Bereiche Pflege und Betreuung“, sagt der Leiter der Berufs- und Rettungsfachschule Dieter Jacobs. Eine Kooperation zwischen dem Kreis und DEKRA lag nahe. Heraus kam eine praxisorientierte Ausbildung für den Nachwuchs.

Seit 50 Jahren betreibt der Oberbergische Kreis seinen eigenen Rettungsdienst. Als dessen Leiter brachte Mühlenhaus die langjährigen Erfahrungen und seine Vorstellungen in die Ausbildung mit ein. Für die Umsetzung des Lehrplans ist DEKRA Mitarbeiter Timo Rein zuständig. Der Lehrrettungsassistent strukturiert die modulare Ausbildung: In Gummersbach bietet DEKRA Seminare für den Rettungshelfer, den aufbauenden Rettungssanitäter und den abschließenden Rettungsassistenten an.

Praxisnahe Ausbildung

„Für die kostenpflichtige Ausbildung kann sich zunächst jeder bei uns bewerben“, sagt Timo Rein. Der 34-Jährige hat den Job von der Pike auf gelernt, er lebt die geforderten praktischen Ansätze der Ausbildung. „Seit 25 Jahren bin ich beim DRK aktiv, acht Jahre lang war ich hauptberuflich Rettungsassistent und mache das aktuell auch noch nebenberuflich. Alle unsere Dozenten sind Praktiker“, sagt Rein. „Das ist einer der Gründe, warum wir praxisnah ausbilden können.“

Die angehenden Rettungshelfer, -sanitäter oder -assistenten kommen aus einem Umkreis von gut 100 Kilometern und finden beste Bedingungen vor. „Wie wir bei der Übung sehen konnten, verfügen wir über einen eigenen Rettungswagen, unsere 30 Dozenten sind überwiegend hauptberuflich im Rettungswesen tätig und aktuell entsteht in unserem Haus eine SanArena. Hier ermöglichen ein nachgebildetes Wohnzimmer, eine Küche oder auch ein Regallager unterschiedlichste Unfallszenerien, in denen wir realitätsnahe Einsätze simulieren können“, schwärmt Rein.

Zum Praktikum in die Klinik

„Außer der modularen Ausbildung bieten wir den Rettungsassistenten auch für Quereinsteiger an. Dieser Lehrgang richtet sich an examinierte Krankenschwestern und -pfleger“, ergänzt Schulleiter Jacobs. Doch die Kooperation zwischen der Gummersbacher DEKRA Rettungsfachschule und dem Kreis verschafft den Seminarteilnehmern noch weitere Vorteile. „Jede Ausbildung im Rettungsbereich schließt erst nach einem Klinikpraktikum“, weiß Mühlenhaus. „Der Oberbergische Kreis hat mit fünf Krankenhäusern einen Klinikumsvertrag geschlossen. So können wir den Anwärtern problemlos Praktikumsplätze vermitteln.“ Und nach ihrem Abschluss sind die Absolventen nicht nur beim Oberbergischen Rettungsdienst willkommen.

Doch wie kann ein junger Mensch feststellen, ob er den Belastungen des Jobs gewachsen ist? „Da die berufliche Orientierung im Rettungsdienst ausgesprochen schwierig ist, bieten wir den Bewerbern im Vorfeld ein Auswahlverfahren an“, sagt DEKRA Schulleiter Jacobs. „Hier prüfen wir Allgemeinwissen und körperliche Eignung, bieten den Bewerbern aber auch einen intensiven Ausblick auf das, was auf sie zukommen kann: ständige Einsatzbereitschaft oder schwierige Einsätze. Und das zum Teil bis ans Ende ihres Berufslebens.“ Doch eines ist den Kandidaten hoffentlich ebenfalls sicher: der Dank der Geretteten.

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