Und es ward Licht

Manchmal kann schon eine kleine Erfindung die Welt zu einem besseren Ort machen. Damit die Waka Waka-Solarleuchte diese Mission erfüllen kann, muss sie zunächst eine anspruchsvolle Produktprüfung bei DEKRA bestehen.

(Symbolbild: pialicieux/Flickr /CC BY-SA 2.0)

Eine kleine Erfindung könnte das Leben von Millionen Menschen verändern. (Symbolbild: pialicieux/Flickr/CC BY 2.0)

Noch gut kann sich Sebastian Bolz an die Produktprüfung der Waka Waka-Solarleuchte Mitte letzten Jahres erinnern. Schließlich landet nicht jeden Tag ein Produkt im Prüflabor, das einen so ausgefallen Namen trägt und obendrein mit einer besonderen Mission aufwartet. Betriebswirt Bolz ist Kundenbetreuer bei DEKRA Testing and Certification China in Shanghai. Die Waka Waka war eines der ersten Projekte, das er in der Anfang 2011 neu eingerichteten Asienzentrale übernommen hat. „Die Leuchte ist ein veritables Stück Hochtechnologie“, beschreibt Bolz den Prüfkandidaten.

„Das Gehäuse besteht aus recyclebarem Kunststoff, das Licht liefern zwei im Kopf sitzende Leuchtdioden. Die Rückseite bildet ein Solarpaneel, das einen leistungsstarken
Nickel-Metallhydrid-Akku im Inneren mit Energie versorgt.“ Die Mission der handlichen Leuchte deutet sich bereits im Namen an: In der Bantusprache Suaheli bedeutet „Waka Waka“ so viel wie „leuchte hell“. Sie soll Licht in die Länder Afrikas, Südamerikas und Südostasiens bringen, genauer: überall dorthin, wo die Menschen keinen Stromanschluss haben.

Millionen leben ohne Elektrizität

„Millionen Menschen in der Dritten Welt müssen ohne Elektrizität auskommen. Bei Dunkelheit sind dann Kerzen und Paraffinlampen häufig die einzigen Lichtquellen in der Wohnung. Wegen der giftigen Dämpfe und der Verbrennungsgefahr bergen diese Beleuchtungsmethoden jedoch hohe Risiken für die Gesundheit“, erklärt Dr. Henk Janssen, Inhaber und Geschäftsführer der auf LED-Beleuchtungssysteme spezialisierten Lightwell Holding in Amsterdam. Entwicklung und Design von Waka Waka gehen auf sein Konto, für die Produktion ist die Lightwell-Tochter Energy Research in Hongkong zuständig. Ebenfalls an Bord ist Projektinitiator Off-Grid Solutions aus dem niederländischen Haarlem, der Vertrieb und Marketing der Solarleuchte übernimmt.

Die Waka Waka soll offenes Feuer durch ungefährliche und umweltfreundliche Solartechnik ersetzen. Sie lässt sich als Taschenlampe, Hängeleuchte oder, auf dem Kopf einer Wasserflasche, als Tischleuchte verwenden. Beim Aufladen in der Sonne kommt in acht Stunden genügend Energie zusammen, um die Waka Waka bei jeweils verschiedenen Lichtstärken die gleiche Zeitspanne als Raumbeleuchtung, die doppelte Länge als Leseleuchte oder ganze 80 Stunden als Schlaflicht einzusetzen. Auch die DEKRA Prüfer in Shanghai bringen diesem Hoffnungsträger für die Dritte Welt gewisse Sympathien entgegen. Trotzdem packen sie ihn bei der Produktprüfung nicht mit Samthandschuhen an.

Getestet wird von Stabilität bis Feuchtigkeitsprüfung

„Das Prüfverfahren in unserem Labor im DEKRA Haus Shanghai soll die Produktsicherheit der Waka Waka sicherstellen. Die Prüfung ist daher sehr anspruchsvoll“, berichtet Bolz. Rund ein halbes Dutzend Normen müssen die DEKRA Experten berücksichtigen. Eine maßgebliche Referenz ist die Internationale Norm IEC 60598-2-4 – sie regelt die Anforderungen an ortsveränderliche Leuchten für allgemeine Zwecke. Die Prüfaufgaben umfassen einen Katalog von rund 40 Seiten.

Auf dem Plan stehen Aufbau und Verarbeitung des Gehäuses ebenso wie Stabilitätstest, Temperatur- und Feuchtigkeitsprüfung. In der Beregnungsanlage muss die Leuchte den Beweis antreten, dass sie in der Praxis auch einen kräftigen Platzregen ohne Beeinträchtigung übersteht. Im Fotometrie-Labor wiederum steht die Analyse der Farbtemperaturen der in kalt-weißem Licht leuchtenden LED im Mittelpunkt. Besonderes Augenmerk richtet der DEKRA Prüfer auf die Einhaltung der Grenzwerte für das blaue Licht, das mit seinem sehr hohen Anteil bei Menschen mit lichtempfindlichen Nerven zu einer Reizung führen kann.

Produktsicherheit und Produktqualität

Mit der erfolgreichen Zertifizierung hat die Leuchte die erste Hürde ihrer anspruchsvollen Mission genommen. „Die Waka Waka ist der Mercedes unter den Solarleuchten. Das DEKRA Zertifikat zeigt, dass sie auch in Bezug auf Produktsicherheit und Produktqualität einen Stern verdient hat“, weiß Janssen. Rund 250.000 Einheiten hat Energy Research mittlerweile produziert. Unter dem Dach der Clinton Global Initiative, einem weltweiten Förderprogramm des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, läuft derzeit ein Projekt, dessen Teilnehmer in den nächsten drei Jahren in Afrika rund eine Million Waka Waka-Solarleuchten zur Verfügung stellen wollen. Auch neue Aufgaben sind schon in Sicht. Mit zusätzlichen Schnittstellen könnte die Waka Waka ein Mobiltelefon laden oder ein kleines Radio betreiben. Sebastian Bolz in Shanghai freut sich schon auf die nächste Produktprüfung.

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