Unter Dach und Fach

Beim Umbau des Estádio do Maracanã, des einst größten Stadions der Welt, für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 war DEKRA für die Qualitätssicherung des neuen Membran-Daches verantwortlich.

(Bild: WM 2014/Flickr /CC BY-SA 2.0)

Das Maracana bietet 78.838 Menschen Platz. (Bild: WM 2014/Flickr/CC BY 2.0)

Mit einem 3:0 gegen Weltmeister Spanien weihte die brasilianische Fußballnationalmannschaft das berühmte Stadion nach der Renovierung im Finale des Confed Cup im Sommer 2013 ein. Einer der vielen Erfolge der „Seleçao“ im Fußball-Traumstadion, die den ersten Tiefschlag im Fertigstellungsjahr des Maracanã 1950 fast vergessen lassen: Im Finale der bislang einzigen Weltmeisterschaft im eigenen Land verlor Brasilien das Spiel gegen Uruguay mit 1 : 2, was die fußballbegeisterte Nation bis heute kaum verwunden hat.

Fasste das Stadion im Jahr seiner Erbauung noch knapp 200.000 Zuschauer, finden heute rund 73.000 Fans Platz in dem riesigen, ovalen Bauwerk. Zahlreiche Umbauten im Laufe der Jahre veränderten das Stadion stark.

Besonders beeindruckend an der jüngsten Komplettrenovierung ist die Bespannung des Stadiondaches mit PTFE-beschichteten Glasfasermembranen. Rund 60 Bahnen von 65 Meter Länge und zwischen 8 und 16 Meter Breite ergeben ein Dach, das Wetter- und Sonnenschutz bietet, aber optisch sehr leicht wirkt und viel Licht ins Stadion lässt.

Die Experten findet man am Chiemsee

Eine der weltweit führenden Firmen für Konzeption, Konstruktion, Fertigung und Montage dieser eindrucksvollen Membranstrukturen ist die Hightex GmbH. Die Erfahrung des Unternehmens mit Sitz in Bernau am Chiemsee geht zurück bis ins Jahr 1972. Die textile Hülle der Olympiasport- und Schwimmhalle und anderer Gebäude im Olympiapark in München stammen von Koit, der Vorgängerfirma. „Seit damals haben wir mehr als 800 Projekte auf der ganzen Welt realisiert“, sagt Hightex-Geschäftsführer Frank Molter. So war das Unternehmen am Bau des Olympiastadions in Berlin, der Dachkonstruktion des Wimbledon Centre Court, der Tribünenüberdachung im Ascot Racecourse oder dem Membransegel des Burj-al-Arab in Dubai beteiligt. Bei jedem Fußball-Großereignis der vergangenen Jahre hat Hightex die Dachkonstruktion eines oder mehrerer Stadien erstellt. Frank Molter: „Wir müssen uns jedes Mal gegen Mitbewerber in Ausschreibungen durchsetzen. Das Estádio do Maracanã war jedoch ein ausgesprochener Herzenswunsch.“

Hightex hat in Rio de Janeiro nicht mit dem besten Preis überzeugt, sondern mit jahrzehntelanger Sachkenntnis und einem ausgefeilten Qualitätssicherungskonzept, das DEKRA sicherstellt. Die Spezialisten für die Materialprüfung von Membranen in Stuttgart haben ebenfalls lange Erfahrung mit dem speziellen Werkstoff, den der Projektverantwortliche Jochen Köhnlein so beschreibt: „Das Membranmaterial durchläuft in seiner Lebensdauer unterschiedliche Belastungen durch Wind- und Wetterverhältnisse und sollte bis zuletzt genug Vorspannung besitzen.

Belastungen im Zeitraffer

Durch die Prüfung in unserer Biaxialmaschine simulieren wir die Belastungen in einer Art Zeitraffer. Da das Membranmaterial eine bleibende Dehnung nach Ende der Prüfung erfährt, erfolgt der Zuschnitt für das Dach entsprechend kleiner.“ Die Biaxialmaschine ist die weltweit größte ihrer Art. Die Experten entwickelten sie im Rahmen eines EU-Forschungsvorhabens. Je sieben Krafteinleitungsstellen an vier Seiten ziehen softwaregesteuert über mehrere Stunden eine etwa 150 cm x 150 cm große Materialprobe mit bis zu 200 kN pro Meter in zwei Richtungen.

Für die produktionsbegleitenden Qualitätsprüfungen war DEKRA Experte Köhnlein vor Ort in Thailand und nahm sämtliche Arbeitsschritte vom Zuschnitt, über das Schweißen der Naht und die Ausbildung der Randdetails, das Feststellen der Maße bis zum Aufrollen und Verpacken unter die Lupe. Die auf Rohren aufgerollten Bahnen gelangten anschließend per Schiff nach Rio de Janeiro und auf die Maracanã-Baustelle. Beim finalen und wichtigsten Prozess, der Montage, vertraut Hightex stets auf eigene Mitarbeiter vor Ort, wie Frank Molter betont: „Erst durch das fachgerechte Spannen erhält die Membran schließlich ihre belastbare Form.“ Köhnlein war bei der Montage auf dem Stadiondach ebenfalls dabei und stellte auch hier die Prozessqualität sicher.

Langjährige Erfahrung zählt

Hightex und DEKRA bewegen sich so sicher auf ihrem Spezialgebiet wie die Monteure auf dem Stadiondach. Molter weiß, was er an seinem Partner hat: „Abgesehen davon, dass für unsere Kunden ein externes Prüfinstitut Grundvoraussetzung ist, arbeiten wir bevorzugt mit den Experten von DEKRA, weil sie eine fast ebenso langjährige Erfahrung haben wie wir. Wir wollen unseren guten Ruf als Technologie- und Qualitätsführer unbedingt erhalten. DEKRA steht uns dafür als Partner zur Seite.“

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