Wohlklingendes Zusammenspiel

Bei der Qualitätssicherung und der Untersuchung der Eigenmarken-Instrumente auf unerlaubte chemische Rückstände verlässt sich Europas größtes Online-Musikhaus Thomann auf die Expertisen von DEKRA.

(Bild: Maik Meid/Flickr /CC BY-SA 2.0)

Auch im Testen von Instrumenten bringt DEKRA Expertise mit. (Bild: Maik Meid/Flickr/CC BY 2.0)

Thomann, der Online-Musikalienhändler aus dem oberfränkischen Treppendorf, gilt als Pionier und Primus der Branche. Kein anderes Unternehmen setzt mehr Gitarren, Klaviere, Blechblasinstrumente oder Schlagzeuge übers Internet um: 10.000 bis 15.000 Sendungen verlassen täglich das moderne und teilweise vollautomatisierte Versandzentrum in der 200-Seelen-Gemeinde bei Bamberg. Wer hier lebt, arbeitet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für Thomann. Insgesamt beschäftigt der Betrieb hier rund 1.000 Mitarbeiter, hauptsächlich Musiker und Instrumentenbauer.

Angefangen hat die Erfolgsgeschichte 1954, als der Zirkusmusiker Hans Thomann seinen kleinen Laden für Blechblasinstrumente eröffnete. Von den Anfängen zeugt heute noch der Eingang in die Wohnstube der Thomanns in der Treppendorfstraße 30, die bis in die Siebziger Jahre hinein als Verkaufsraum diente. Nur ein paar Meter weiter befinden sich heute die gläsernen Schiebetüren, durch die ganze Busladungen von Besuchern die klimatisierten Verkaufsräume betreten, die bei Musikern bisweilen als „heilige Hallen“ gelten. Durch mehrere Anbauten hat Thomann die Verkaufsfläche auf etwa 5.500 Quadratmeter vergrößert.

90 Prozent des Umsatzes entsteht online

„Das Ladengeschäft hier am Standort ist als wesentlicher Teil unserer Firmengeschichte unverzichtbar“, sagt Kevin Rodler, Experte für Qualitätssicherung bei Thomann. Weit mehr als 90 Prozent Umsatz macht das Unternehmen jedoch im Online-Handel. Noch vor Amazon und Ebay hatte Thomanns Sohn Hans, der die Geschäfte 1990 übernahm, die Möglichkeiten des Internets für sein Unternehmen erkannt. „Zunächst boten wir einige Produkte des Versandkatalogs auch über die Website an“, erinnert sich Rodler. Heute umfasst das Online-Sortiment rund 70.000 Artikel.

Thomann bietet seinen Kunden nahezu alle Instrumente der führenden Markenhersteller an und rundet das Sortiment mit Fabrikaten aus Fernost unter Eigenmarken wie „t-bone“, „Harley Benton“ oder „Thomann“ im unteren Preissegment ab. Auf alle Instrumente gewährt der Versandhändler ein 30-tägiges Rückgaberecht und drei Jahre Garantie. Fachleute prüfen jedes Instrument, das das Haus verlässt, und stellen es vorab bespielfertig ein.

Problemen wird schnellstmöglich nachgegangen

Um den hohen Qualitätsstandard sowie die gesetzlichen Anforderungen einzuhalten, nimmt Thomann vor dem Einkauf beim Lieferanten, aber auch bei der Lieferung Stichproben und überprüft sie auf die Einhaltung der EU-Richtlinien für chemische Inhaltsstoffe. Duftet das neue Klavier nach frischem Holz oder nach Formaldehyd? Sind unzulässige Weichmacher in der Instrumententasche? Könnte das Tuba-Mundstück mit Schwermetallen belastet sein? Derartigen Hinweisen geht Rodler gewissenhaft nach. Er muss schließlich abwägen, ob zum Beispiel einer der jährlich 2.000 Container voller Instrumente im Hamburger Hafen angenommen werden kann oder wegen Inhaltsstoffen über den in der EU geltenden Richtlinien gleich zurück zum Hersteller geht. „Eine Rückrufaktion kam dank unserer vielfältigen Kontrollen bislang noch nie vor“, sagt der 34-Jährige stolz. „Aber wir müssen Problemen natürlich schnellstens nachgehen. DEKRA kommt ins Spiel, wenn es um die Details geht.“

Sein erster Ansprechpartner in diesen Fällen ist Martti Haas, Vertriebsleiter der DEKRA Labore, die für die relevanten Untersuchungen nach EU-Richtlinien wie ROHS, PAKS oder REACH zugelassen sind. „Erste Verdachtsmomente bearbeiten wir in unserem eigenen Prüflabor. Allerdings ist dieses nicht akkreditiert und wir können nicht in allen Einzelheiten auf dem aktuellsten Stand sein. Deshalb verlassen wir uns bei den wirklich kniffligen oder eiligen Fällen auf DEKRA“, erläutert Rodler.

Die Instrumente stapeln sich meterhoch

In den chemischen Laboren in Stuttgart und Halle nehmen die Experten Proben der verdächtigen Produkte und untersuchen sie nach den vorgeschriebenen Methoden, um Inhaltsstoffe wie Schwermetalle oder Weichmacher in zu hohen Konzentrationen aufzuspüren. Qualitätsmanager Rodler zeigt sich begeistert von den Untersuchungsergebnissen: „Wir hatten auch schon andere Prüfinstitute beauftragt. Doch bei keinem erhielten wir so detaillierte Prüfberichte, die überdies eine qualifizierte Bewertung der Ergebnisse mit Handlungsempfehlungen enthielten.“

Beim Rundgang durch die meterhoch aufgereihten Instrumente im knapp 20.000 Quadratmeter großen Versandzentrum des Musikhauses ist es für Hobbymusiker Haas nicht einfach, seine Faszination zu verbergen. Warum auch? Im besten Fall führt ein harmonisches Zusammenspiel wie das von DEKRA und Thomann zu einem wohlklingenden Duo.

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