Multicopter sind wie digitale Hummeln

Immer öfter summen Multicopter gewerblich durch die Luft. Doch sie müssen einige Hürden nehmen.

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Die Nutzung von Multicoptern nimmt immer mehr zu – doch auch für sie benötigt man Flugtrainings und Genehmigungen. (Bild: DEKRA)

Auspacken, Akku laden und abheben? „So einfach wie bei ferngesteuerten Spielzeughubschraubern ist es leider nicht“, sagt Stefan Schneider, Luftfahrtexperte bei der DEKRA Akademie im Bereich Aviation Safety. Es gilt, Gewichtsklassen und Einsatzzwecke zu unterscheiden. Was einfach oft als „Drohne“ bezeichnet wird, teilt der Fachmann ein in genehmigungsfreie Flugmodelle und unbemannte Flugsysteme, für die der Pilot eine behördliche Aufstiegsgenehmigung benötigt. Das gilt generell für alle Fluggeräte, die über fünf Kilogramm wiegen, aber auch für leichtere, die aus gewerblichen Gründen die Rotoren anwerfen.

Fotografen und Kameraleute erzeugen mit ihnen spektakuläre Bilder, die ohne sie kaum möglich wären. Paketdienste testen in einigen europäischen Ländern den Lieferverkehr zu Inseln oder in unwegsame Bergregionen. Amerikanische Großkonzerne wie Amazon, Google oder Walmart wollen so Einkäufe schneller versenden. Sachverständige nutzen die fliegenden Augen zur Inspektion schwer zugänglicher Anlagen oder um sich in Katastrophengebieten einen Überblick zu verschaffen. Auch mancher Dachdecker mag bei einem Reparaturauftrag darüber nachdenken, erst einmal einen solchen Senkrechtstarter zu bemühen, bevor er Personal und Gerüste einsetzt. Für manchen Winzer mit nobler Steillage wäre auch der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aus der Luft verlockend.

Doch wie sieht es da mit Genehmigungen und dem gekonnten Flugmanöver aus? Fragen, auf die Schneider in seinen Pilotentrainings für den gewerblichen Einsatz von unbemannten Flugsystemen die Antworten parat hat. In den eintägigen Seminaren vermittelt er nicht nur die nötigen Grundlagen im Luftrecht und zu den Genehmigungen, sondern auch zur Technik. Nicht weniger wichtig sind die Themen Flugphysik und Meteorologie. Bevor Schneider seine Seminarteilnehmer selbst an die Steuerknüppel lässt, gibt es noch eine Einheit über Sicherheitschecks sowie Gefährdungsbeurteilung und Notfallmanöver. In der Praxis dürfen die Multicopter-Novizen sich dann im Starten, Landen und im Schwebeflug üben. Mit zunehmender Sicherheit kommen kleine Aufgaben hinzu: etwa bestimmte Flugmanöver durchfliegen oder einen Parcours absolvieren.

Gute Praxistipps zur Einsatzplanung oder zu Versicherungsfragen bringen Einsteiger und Fortgeschrittene weiter. Nicht jeder weiß etwa, dass niedrige Außentemperaturen die Akkkulaufzeiten der Elektroflieger extrem verkürzen. „Für viele Teilnehmer ist das Seminar ein Augenöffnen“, sagt Schneider. Nicht nur, um Schwierigkeiten zu vermeiden, sondern auch, was die Einsatzmöglichkeiten betrifft. Potenzial haben die kleinen Brummer auch künftig im Internet der Dinge. Je nach Gesetzeslage könnten sich etwa Skifahrer beim Wedeln automatisch mit der Kamera verfolgen lassen, Landwirte dürften manche Traktorfahrt durch einen autonomen Multicopter ersetzen. Flugverbotszonen könnten sich die digitalen Hummeln per Datenfunk selbstständig vom Leibe halten, aber das ist noch Zukunftsmusik.

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