Fahrstilanalyse kann die Spritkosten senken

Keine Fahrzeugtechnik hat so viel Spritsparpotenzial wie ein guter Fahrer. Mit einer Fahrstilanalyse per Telematik lässt sich die Effizienz noch steigern.

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Am Simulator können LKW-Fahrer einen spritsparenden Fahrstil üben. (Bild: DEKRA)

Erfolgreiche Transportunternehmer wissen, wie wertvoll verantwortungsvolle Berufskraftfahrer sind. Je effizienter sie fahren, desto einfacher ist es für die Firma, in einem immer härter werdenden Markt zu bestehen. Die Margen sind gering, da zählt jedes Prozent bei den Spritkosten. Wenn Fahrtrainer Reinhard Buchsdrücker von der DEKRA Akademie die Hausnummer 20 Prozent als Einsparpotenzial nennt, horchen Fuhrparkleiter auf, denn das wirkt sich spürbar in der Bilanz aus.

Seit Jahren schon schult Buchsdrücker sehr erfolgreich die Fahrer schwerer Lastwagen mit einem Hightech-Fahrsimulator, der wie ein 360°-Kino mit beweglich aufgehängter Lkw-Kabine funktioniert. Während der Proband im „echten“ Lkw durch die virtuelle Welt fährt, beobachtet und fordert ihn der Fahrtrainer vom Kommandostand aus. Schon nach wenigen Trainingsfahrten geht der Verbrauch zurück, ohne dass die Transportgeschwindigkeit leidet. Dazu kommen Spezialtrainings zum Thema Sicherheit oder auch Simulationen, die auf spezielle Wünsche des Kunden abgestimmt sind. Der Clou: Das Trainingsgerät ist selbst auf einem Sattelzug montiert, mit dem Buchsdrücker auch direkt zu den Speditionen kommt.

Was im Schwerverkehr schon per Gesetz verankert ist, nämlich die regelmäßige Weiterbildung der Fahrer, ist in den niedrigeren Gewichtsklassen noch eine freiwillige Ausnahme. Transporterfahrer erreichen mitunter Jahresfahrleistungen, die denen von Lastwagen kaum nachstehen, und es werden immer mehr. Der bequeme Einkauf im Internet braucht Menschen, die das Päckchen zeitnah auch in das entlegenste Wohngebiet fahren. Hier haben Schulungsmaßnahmen ein hohes Potenzial für die Verbesserung der Effizienz und der Sicherheit. Eine besonders pfiffige Methode hält Nutzfahrzeug-Profi Buchsdrücker nun für diese Klientel bereit, wie das Beispiel beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Coburg zeigt: Bei zwölf Fahrern, die mit ihren 2,8-Tonnern Rollstuhlfahrer und Menschen mit Handicap chauffieren, ließ er das Tom Tom-Navigationsgerät Opti-Drive 360 installieren. Damit kann er online den Fahrstil seiner Schützlinge ablesen und auch erkennen, wie sich die Fahrempfehlungen des Gerätes auswirken. Es beurteilt das Tempo in Relation zur Strecke, erkennt „auffällige“ Fahrmanöver und gibt Tipps für eine effizientere Fahrweise.

„Big Brother“ Buchsdrücker kann nun die Entwicklung verfolgen und macht sich zu jedem einzelnen Fahrer seine Notizen. Er selbst hat das System im Pkw getestet und seinen eigenen Verbrauch um 1,8 Liter auf 5,4 Liter heruntergedrückt, das überzeugt. Nach drei Wochen trifft er seine ASB-Fahrer zu einem Seminar und kann ihnen die Ergebnisse vermitteln. Dies macht er so mitreißend, dass schon am gleichen Tag ein Wettbewerb bei den Testfahrten entsteht, wer seinen Transporter am sparsamsten bewegt. „Es gehört auch Selbstdisziplin dazu, die Anweisungen zu beachten“, erklärt der erfahrene Trainer. So empfinden viele das extreme Ausnutzen der Rollphasen und das sehr frühe Hochschalten als sehr ungewöhnlich, doch der eingesparte Sprit beeindruckt dann doch jeden, weil es eben auch ein persönlicher Erfolg ist.

Der Fahrer selbst, aber auch der Flottenmanager, kann über den Tom Tom-Onlinedienst Webfleet sein Ergebnis in Notenpunkte und Disziplinen aufgeschlüsselt beurteilen. Ebenso wie der Fahrtrainer, der nach weiteren drei Wochen wieder eine Fahrstilanalyse macht und die letzten individuellen Schwierigkeiten gezielt ansprechen kann. Beim ASB ist man hochzufrieden mit dem Ergebnis und hat für den besten Fahrer einen kleinen Preis ausgesetzt.

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