Verkehrsexperte will Frachtverkehr in die Nacht verlegen

Der Verkehrsexperte Daniel Müller-Jentsch hat in einem Interview mit der Schweizer Tageszeitung „Der Bund“ Ideen zur künftigen Mobilität skizziert. Mit dabei: selbstfahrende Lastwagen mit Elektromotor.

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Um einen drohenden Verkehrskollaps zu vermeiden, müssen intelligente Verkehrssysteme entworfen werden. Das wird auch die Mobilitätswelt verändern.

Anlass des Interview war das Projekt „Cargo Sous Terrain“. Dabei geht es um ein Tunnelsystem, mit dem der Güterverkehr per Bahn so optimiert werden soll, dass der Straßenverkehr entlastet wird. Das geplante System für die Bahn soll 3,5 Milliarden Schweizer Franken kosten, bislang liegt nur eine Machbarkeitsstudie vor.

Müller-Jentsch hält ein flächendeckendes Tunnelsystem für „kaum finanzierbar“. Als alternative Lösungen gegen die Staus der Zukunft sieht er neue Technologien, mit denen sich der Verkehr flüssiger steuern lässt, zusätzliche finanzielle Belastungen für Verkehrsteilnehmer oder neue Infrastrukturprojekte. Frachtverkehr soll in die Nachtstunden verlagert werden, fordert der Verkehrsexperte: „Strassen und Schienen sind nur während der Stosszeiten und auf bestimmten Engpassstrecken überlastet. Nachts herrscht auf den Strassen gähnende Leere.“

Im Interview zeichnet Müller-Jentsch das Bild einer „völlig neuen Mobilitätswelt“, die dominiert wird von selbstfahrenden Autos, Carsharing, Apps und E-Mobility: „Möglicherweise wird es dann kleine Lastwagen mit Elektromotor geben, die unter Umständen sogar führerlos unterwegs sind und nachts weitgehend lautlos herumfahren. Oder Drohnen, die die Verteilung von Gütern auf dem Luftweg erledigen.“ In diesem Zusammenhang warnt der Experte davor, teure Entscheidungen zu treffen, die bestimmte Verkehrssysteme auf Jahrzehnte verankern. Verkehrspolitisch ist es aus seiner Sicht sinnvoller, Software-Lösungen zu fördern.

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