Wie sicher ist Zugfahren?

Immer wieder werfen Zugunfälle mit Verletzten oder sogar Todesopfern die Frage auf: Wie sicher ist Zugfahren eigentlich?

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Statistisch gesehen ist Zugfahren sicherer als Auto fahren.

Millionen Menschen fahren täglich mit der Bahn. Das Thema Sicherheit wird dabei meist nur relevant, wenn ein Unglück geschieht. Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, hat die Süddeutsche Zeitung anlässlich des Zugunglücks in Bad Aibling beantwortet.

Bahn oder Auto – was ist sicherer?

Statistisch gesehen ist Zugfahren viel sicherer als Auto fahren. Laut dem Statistischen Bundesamt ereigneten sich im Jahr 2014 insgesamt 492 Unfälle im Schienenverkehr, bei denen 822 Personen verletzt wurden. Auf deutschen Straßen kam es hingegen zu 302.435 Unfällen mit Personenschäden, verletzt wurden dabei fast 393.000 Personen. Die Gefahr eines Unfalls im Straßenverkehr ist also deutlich höher als im Bahnverkehr.

Gibt es Crashtests für Züge?

Ja. Seit 2008 gibt es eine europaweite Norm. Alle Züge müssen vor der Zulassung diverse Tests bestehen, dazu gehört auch der Zusammenstoß mit einem Hindernis.

Kommt die Gurtpflicht in Zügen?

Hier stellt sich eher die Frage, wer sich an diese Pflicht halten würde. Denn der größte Pluspunkt der Bahn als Reisemittel, im Gegensatz zu Flugzeug oder Auto, ist der erhöhte Reisekomfort. Viele Passagiere nutzen die Möglichkeit, im Zug zu laufen. Besonders in stark benutzten Pendlerzügen müssen zudem viele Fahrgäste stehen.

Ist der hintere Zugteil der sicherste Platz im Zug?

Nicht unbedingt. Schließlich kann es auch zu Kollisionen kommen, wenn ein anderer Zug von hinten auffährt. Bei einem Frontalzusammenstoß ist der vordere Zugteil am stärksten betroffen. Beim mittleren Zugteil besteht die Gefahr einer Entgleisung oder eines Aufpralls. Es gibt also keinen Ort im Zug, der sicherer oder unsicherer ist.

Gibt es ein Überwachungssystem für Züge?

Seit 2012 gibt es ein schienenweites Zugbeeinflussungssystem. Sollte beispielweise ein Nahverkehrszug ein Haltesignal überfahren, kann das System den Zug automatisch anhalten.

Haben Züge, ähnlich wie Flugzeuge, eine Blackbox?

Auch Züge sind mit einer Blackbox ausgestattet, der elektronischen Fahrtenregistrierung (EFR). Diese zeichnet die Geschwindigkeit, Bremsverhalten und Funkverkehr auf. Bei Unfällen kann sie wesentlich zur Aufklärung beitragen.

Nichts ist so sicher, dass es nicht noch sicherer werden kann. Daher, so das Fazit der Autoren, werden laufend Optimierungen vorgenommen, um Unfallrisiken bei der Bahn zu minimieren.

Mehr zum Thema: DEKRA hat zwei Zulassungen erhalten, mit denen künftig mehr Aufgaben im Bereich Bahnverkehr übernommen werden können.