Deutsche klagen über psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz

In drei viertel aller europäischen Unternehmen klagen Beschäftigte über psychosoziale Belastungen. Eine ausreichende Informationspolitik gibt es oft nicht.

Diese erschreckenden Zahlen stehen im Bericht „Managing Safety and Health at Work“ der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA). Befragt wurden 50.000 Betriebe in 36 europäischen Ländern.

Unsere Infografik zeigt die größten psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz in Deutschland anhand der Studienergebnisse:

Viele Arbeitnehmer klagen über psychische Belastungen in ihrem Unternehmen.

 

Der Umgang mit schwierigen Kunden, Patienten oder Schülern stellt für die meisten Befragten das größte Risiko dar, psychisch zu erkranken. Europaweit sehen das 58 Prozent so, in Deutschland sind es sogar 63 Prozent. Ein weiteres Problem ist für viele der Zeitdruck bei der Arbeit. Deutsche Arbeitnehmer klagen darüber häufiger (56 Prozent) als ihre europäischen Kollegen (43 Prozent). Überstunden und unregelmäßige Arbeitszeiten sehen europaweit 23 Prozent als Risiko für psychische Erkrankungen, in Deutschland sind es 26 Prozent. Über ein schlechtes Betriebsklima klagen jeweils 17 Prozent der deutschen und europäischen Arbeitnehmer. In Deutschland haben zudem 9 Prozent der Befragten Angst vor einer Kündigung, was psychische Probleme begünstigen kann.

Große Unsicherheiten herrschen im Umgang mit psychosozialen Risiken. 41 Prozent der befragten europäischen Unternehmen gaben an, nur schlecht darüber informiert zu sein. In Deutschland sind sogar über die Hälfte der Unternehmen schlecht informiert. Mehr als 50 Prozent der befragten Unternehmen in Ländern wie Großbritannien, Schweden und Dänemark verfügen immerhin über einen Aktionsplan zur Vorbeugung von arbeitsbedingtem Stress. 85 Prozent aller befragten Unternehmen wollen gesetzliche Auflagen und Rechtsvorschriften erfüllen, für 40 Prozent ist die Umsetzung dieser allerdings schwer.

Die EU-OSHA sieht dringenden Handlungsbedarf im Ausbau der Maßnahmen, die psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz reduzieren. Dafür sei vor allem eine funktionierende Zusammenarbeit der Mitarbeiter über Betriebshierarchien hinweg nötig.

Alle grafisch aufbereiteten Ergebnisse der Studie, auch nach Ländern aufgeteilt, können Sie hier nachlesen.