Autonomes Fahren: Auf das Mobilfunknetz kommt es an

Um sicher unterwegs sein zu können, benötigen selbstfahrende Autos Informationen in Echtzeit. Das setzt ein leistungsfähiges Mobilfunknetz voraus.

Selbstfahrende Autos müssen über das Mobilfunknetz mit Daten versorgt werden. Foto: Fotolia Petair

Selbstfahrende Autos müssen über das Mobilfunknetz mit Daten versorgt werden. Foto: Fotolia Petair

Etliche Prototypen sind mittlerweile weltweit auf den Straßen unterwegs, um das autonome Fahren in der Praxis zu testen. Kameras, Lasersensoren und Radarantennen weisen ihnen dabei den Weg. Doch wenn eines Tages der Mensch am Steuer wirklich überflüssig werden soll, reicht diese Sensorik alleine nicht aus. Um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, benötigen selbstfahrende Autos exakte Informationen: zentimetergenaue Daten über die eigene Position und den Streckenverlauf ebenso wie permanent aktualisierte Hinweise über Fahrbahnzustand, Verkehrs- und Wetterlage sowie über die Fahrmanöver anderer Autos.

Maximal eine Millisekunde Zeitverzögerung

Das stellt das Mobilfunknetz vor enorme Herausforderungen. „In einer vollständig vernetzten Gesellschaft werden zukünftig Anwendungen davon abhängen, dass Daten möglichst in Echtzeit zur Verfügung stehen“, konstatierte das Expertengremium beim Nationalen IT-Gipfel 2015. „Echtzeit“ würde bedeuten, dass die Datenübertragung von Auto zu Auto oder vom Datenserver zum Auto maximal eine Millisekunde dauert. Heutige Mobilfunksysteme arbeiten mit einer Verzögerung von 80 Millisekunden. Im Schnitt werden Übertragungsraten von 27 bis 36 Megabit pro Sekunde (MBit/s) erreicht. Doch selbst 1,2 Gigabit pro Sekunde (GBit/s), die die Netzbetreiber durch die Weiterentwicklung des 4G-Netzes (LTE Advanced) in den kommenden Jahren erreichen wollen, halten die Experten für nicht ausreichend, um den Anforderungen des autonomen Fahrens gerecht zu werden.

Unter 5G geht nichts

Daher richtet sich das Augenmerk von Mobilfunk- und Autoentwicklern auf die nächste Generation der Funktechnik, den 5G-Standard. Er soll Datenübertragungsraten von bis zu 10 GBit/s ermöglichen, wodurch sich laut Vodafone-Sprecher Markus Teubner die Verzögerungszeit auf eine Millisekunde reduzieren ließe. Bis 5G aber für selbstfahrende Autos zur Verfügung steht, vergehen noch einige Jahre. In Deutschland startet der Ausbau voraussichtlich 2020 und wird in der ersten Ausbaustufe vor allem in Ballungszentren funktionieren. Der Mensch behält das Steuer also noch eine ganze Weile in der Hand.

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