Warum der Arbeitsschutz für Pflegekräfte besonders wichtig ist

Um physische und psychische Erkrankungen von Pflegekräften zu vermeiden, sollte die Gesundheitsprävention bereits in der Ausbildung beginnen.

Trainings und Coachings helfen, Erkrankungen von Pflegekräften zu vermeiden. Foto: fotolia Andreas Keudel

Trainings und Coachings helfen, Erkrankungen von Pflegekräften zu vermeiden. Foto: Fotolia Andreas Keudel

Pflegen macht krank. So paradox das klingt, entspricht es leider der Realität. Wie eine Studie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf belegt, arbeiten Pflegekräfte 81 Prozent der Zeit in vorgebeugter Haltung – etwa um bettlägerige Patienten zu versorgen. Dementsprechend sind Rückenbeschwerden weit verbreitet. Hinzu kommen psychische Belastungen. Der Studie zufolge sehen sich Pflegende häufig verbalen oder sogar körperlichen Angriffen betreuter Personen ausgesetzt. Folgende Maßnahmen helfen, dauerhafte Erkrankungen von Pflegekräften zu vermeiden:

Trainings und Coachings von Anfang an

Schlechte Arbeitsbedingungen und mangelnde Wertschätzung führen dazu, dass sich weniger als die Hälfte der Auszubildenden vorstellen können, dauerhaft in der Pflege zu arbeiten. Speziell im Hinblick auf die psychischen Belastungen hat die Universität Duisburg-Essen ein Konzept zur Prävention entwickelt. Ziel ist es, durch kurzfristige Trainings und langfristige Coachings negativen Folgen von Anfang an zu begegnen. Zudem sieht das Konzept Verbesserungsvorschläge vor, mit denen Pflegeeinrichtungen die Arbeitsbedingungen grundsätzlich verbessern können.

Ergonomie verbessern

Gerade bei der Betreuung Liegender müssen Pflegekräfte längere Zeit vornübergebeugt arbeiten. Damit steigt der Druck auf die Bandscheiben – und Rückenprobleme lassen nicht lange auf sich warten. Abhilfe schafft ein höheverstellbares Bett. Lässt sich dieses bis auf Leistenhöhe hochfahren, kann gut die Hälfte der Tätigkeiten in aufrechter Haltung durchgeführt werden. Im Bad entlastet zum Beispiel ein Hocker die Grundpflege. Sitzende Tätigkeiten verringern den Anteil der vorgeneigten Haltung von fast 87 Prozent auf deutlich unter 20 Prozent. Zu den grundsätzlichen gesundheitlichen Präventionsmaßnahmen sollte außerdem gehören:

  • Regelmäßige Schulungen zum Hautschutz und zu Hygienemaßnahmen im Umgang mit Pflegebedürftigen
  • Impfungen gegen Infektionskrankheiten
  • Überprüfung der Arbeitsorganisation und -abläufe
  • Pausen an störungsfreien Orten

Bei gesundheitlichen Problemen sofort zum Betriebsarzt

Erste Anlaufstelle bei Erkrankungen sollte der Betriebsarzt sein. Er ist bestens mit dem beruflichen Umfeld der Pflegekräfte vertraut und kann diese praxisnah beraten.

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