Arbeitssicherheit: Kein voller Unfallschutz im Homeoffice

Bei der Arbeit zu Hause gilt für Wege innerhalb der Wohnung nur ein eingeschränkter Unfallschutz. Wir erklären, was Sie sonst noch beachten müssen.

 

Homeoffice: Flexibles Arbeiten kann Beschäftigten wie Vorgesetzten Vorteile bringen, birgt aber auch Risiken. Foto: Fotolia Laurent Delhourme

Homeoffice: Flexibles Arbeiten kann Beschäftigten wie Vorgesetzten Vorteile bringen, birgt aber auch Risiken. Foto: Fotolia Laurent Delhourme

Es passierte auf dem Weg in die Küche: Eine Angestellte aus Rheinland-Pfalz wollte sich nur eben was zu Trinken holen, stürzte auf der Treppe und brach sich das Bein. Da die Frau zu Hause arbeitete, erkannte die Unfallkasse den Sturz nicht als Arbeitsunfall an. Das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel hat dies nun mit einem Urteil (Az: B 2 U 5/15 R) bestätigt.

Demnach gilt bei der Heimarbeit für Wege innerhalb der Wohnung, etwa zur Toilette oder zum Essen und Trinken, nur ein eingeschränkter Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Die Richter begründen ihre Entscheidung damit, dass in privaten Räumlichkeiten im Gegensatz zur betrieblichen Arbeitsstätte weder der Arbeitgeber noch die Berufsgenossenschaft Einfluss auf die Sicherheit der Wege hätten. Somit könnten sie auch nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Welche Chancen und Risiken das Homeoffice generell birgt, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) in seinen „Handlungsempfehlungen zum orts- und zeitflexiblen Arbeiten in der digitalen Arbeitswelt“ beschrieben. Die Empfehlungen wurden gemeinsam von Wissenschaftlern, Gewerkschaftern, Arbeitgebern und Politikern erstellt. Wir haben für Sie die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

Stand der Dinge

In Deutschland herrscht nach wie vor eine ausgeprägte Präsenzkultur. Laut Angaben des Ministeriums bietet bislang ein Drittel aller Betriebe mit 50 Beschäftigten oder mehr seinen Mitarbeitern die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zu dem Ergebnis, dass lediglich zwölf Prozent aller abhängig Beschäftigten hierzulande überwiegend oder teilweise von zu Hause aus Arbeiten, obwohl jeder dritte Arbeitnehmer es gern tun würde. Demnach liegt Deutschland bei der Homeoffice-Nutzung unter dem EU-Durchschnitt. Gleichzeitig erfordern immer weniger Arbeitsplätze durch die modernen Informations- und Kommunikationstechniken eine dauernde betriebliche Präsenz.

Klare Regeln

Zunächst gilt es festzulegen, welche Tätigkeiten im Homeoffice erledigt werden können, ohne dass es zu Reibungsverlusten kommt. Wichtig ist, dass Führungskräfte gemeinsam mit den Beschäftigten klare Regeln vereinbaren. Außerdem müssen die Kompetenzen aller im Umgang mit orts- und zeitflexiblem Arbeiten gestärkt werden. Dann können sich aus der Heimarbeit folgende Vorteile ergeben:

  • bessere Arbeitsbedingungen
  • mehr Selbstbestimmung
  • bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • höhere Effizienz und Produktivität

Flexibilität

Wer von zu Hause aus arbeitet, wünschen sich mehr Freiheiten bei der Ausstattung des Arbeitsplatzes oder bei der Zeiteinteilung. Das Unternehmen muss allerdings aufpassen, dass beispielsweise der Gesundheitsschutz sowie gesetzliche Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes eingehalten werden. Das gilt insbesondere für die Erreichbarkeit. Beim Einsatz mobiler Geräte spielt auch der Datenschutz eine wichtige Rolle.

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