Sieben Irrtümer über das Handy am Steuer

Telefonieren am Steuer? Verboten, klar. Doch wie sieht es mit anderen Smartphone-Funktionen aus? Wir klären Sie über weitverbreitete Irrtümer auf.

Laut einer amerikanischen Studie steigt Ihr Risiko zu verunglücken um das Dreifache, wenn Sie während der Fahrt telefonieren. Foto: Fotolia S.Engels

Laut einer amerikanischen Studie steigt Ihr Risiko zu verunglücken um das Dreifache, wenn Sie während der Fahrt telefonieren. Foto: Fotolia S.Engels

Wer hinterm Steuer sein Smartphone zückt, um zu telefonieren oder Nachrichten zu schreiben, wird mit 60 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg bestraft. Soweit bekannt. Dass das auch für stehende Fahrzeuge mit laufendem Motor gilt, wissen viele schon nicht mehr. Und wie sieht es beispielsweise mit Fotografieren oder der Navigationsfunktion aus? Wir erklären Ihnen, warum die folgenden sieben Aussagen falsch sind:

1. „Fotografieren gilt nicht als Telefonieren“

Ein Verkehrsrowdy gefährdet durch seine Fahrweise Ihre Sicherheit. Sie greifen zum Handy, fotografieren das Kennzeichen des Übeltäters – und verstoßen prompt selbst gegen die Verkehrsordnung. Denn laut einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg (3 Ss 155/15 OWi) darf man während der Fahrt auch nicht fotografieren.

2. „Das Handy darf als Navigationsgerät genutzt werden“

Hier kommt es darauf an, ob das Smartphone bereits vor Fahrtbeginn als Navigationshilfe installiert wurde. Dann ist es in der Tat kein Problem. Nehmen Sie Ihr Handy allerdings während der Fahrt in die Hand, um spontan nach einem Ziel zu suchen, begehen Sie eine Ordnungswidrigkeit, die die oben genannte Strafe nach sich zieht. „Jede Benutzung ist untersagt, die in einer bestimmungsgemäßen Bedienung des Geräts liegt. Dazu zählen auch das Benutzen des Navis oder das Surfen im Internet“ (OLG Hamm, 1 RBs 232/14).

3. „Beim Smartphone die Sprechfunktion zu benutzen ist erlaubt“

Das kommt darauf an: Haben Sie die Freisprechfunktion Ihres Handys vor Fahrtbeginn aktiviert und das Telefon befindet sich in einer Haltung, stimmt die Aussage. Nicht erlaubt ist es, das Handy beim Fahren in die Hand zu nehmen und dann die Freisprechfunktion zu nutzen. Das hat das Amtsgericht Landstuhl entschieden (AmG Landstuhl, 2 OWi 4286 Js 1076/15).

4. „Anrufe wegdrücken ist erlaubt“

Sie können natürlich nicht vermeiden, dass Sie während der Fahrt einen Anruf erhalten. Allerdings sollten Sie das Telefon klingeln lassen. Denn nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln gilt das Wegdrücken des Anrufs bereits als verbotene Nutzung des Handys (AZ: III-1 RBs 39/12). Gleiches gilt, wenn Sie ein aufblinkendes Smartphone in die Hand nehmen, um es zur Seite zu legen und dabei kurz auf das Display schauen. (AmG Lüdinghausen, 19 OWi – 89 Js 86/14 – 14/14).

5. „Telefonieren an einer roten Ampel ist verboten“

Nicht generell. Hat ihr Auto eine Start-Stopp-Automatik oder Sie schalten den Motor manuell aus, wird kein Bußgeld fällig. Laut dem Oberlandesgericht Hamm gilt das Verbot nicht, „wenn das Fahrzeug steht und der Motor ausgeschaltet ist“. Ob er manuell mit Betätigen des Zündschlüssels ausgeschaltet wird oder per Start-Stopp-Funktion, sei unerheblich. Es solle insbesondere gewährleistet werden, dass dem Fahrzeugführer beide Hände für die eigentlichen Fahraufgaben zur Verfügung stehen. Stehe das Fahrzeug und sei der Motor nicht in Betrieb, fielen solche Fahraufgaben eben nicht an (OLG Hamm, 1 RBs 1/14).

6. „Kommt es beim Telefonieren zum Unfall, zahlt die Versicherung“

Wenn Sie mit dem Handy am Steuer einen Unfall verursachen, zahlt zwar die Haftpflichtversicherung den Schaden anderer Unfallbeteiligter. Aber bei der Kaskoversicherung kann es passieren, dass Sie auf Ihrem Schaden sitzenbleiben. Das hat Stiftung Warentest festgestellt. Bei einigen Tarifen zahle die Versicherung auch bei grober Fahrlässigkeit, einige Angebote schränkten diesen Schutz aber ein, wenn es sich dabei um einen Verstoß gegen das Handyverbot am Steuer handele.

Übrigens: Selbst wenn Sie unverschuldet in einen Unfall verwickelt werden, während sie am Steuer telefonieren, droht Ihnen aufgrund der rechtswidrigen Ablenkung eine 20- bis 25-prozentige Mithaftung. Dazu gibt es ein Urteil des Oberlandesgerichts Köln (Az.: 12 U 142/01).

7. „Auch ein iPod ist am Steuer verboten“

Nach Auffassung der Richter des Amtsgerichts Waldbröl ist ein iPod kein Telefon, sondern ein „tragbares digitales Medienabspielgerät“. Zwar kann man mit einem iPod durchaus auch telefonieren, wenn er über eine entsprechende App und eine WLAN-Verbindung verfügt. Doch das spielt bei der Rechtsprechung offensichtlich keine Rolle. Bei ihrem Urteil (AmG Waldbröhl, 44 OWi 225 Js 1055/14 – 121/14) störte die Richter jedenfalls nicht, dass der Fahrer in dem verhandelten Fall beim Herumspielen am iPod ebenso vom Verkehr abgelenkt war, als hätte er mit einem Handy telefoniert. Er wurde nicht bestraft.

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