Platooning: Computergesteuerte Lkw fahren sicherer

Per Software miteinander verbundene Fahrzeug-Kolonnen sollen den Spritverbrauch von schweren Lkw senken und die Verkehrssicherheit erhöhen.

Platooning: Computergesteuerte Lkw-Kolonnen sollen die Sicherheit auf den Autobahnen erhöhen. Foto: Thomas Küppers

Platooning: Computergesteuerte Lkw-Kolonnen sollen die Sicherheit auf den Autobahnen erhöhen. Foto: Thomas Küppers

Der Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) sieht bei schweren Lastwagen bis in vier Jahren ein Spritsparpotenzial von gut einem Fünftel gegenüber dem Flottendurchschnitt von 2014. Am effektivsten und besonders kostengünstig sind dabei Fahrerschulungen. Dazu kommen technische Verbesserungen am Fahrzeug, die vor allem Antrieb, Aerodynamik und Reifen betreffen. Vielversprechend ist auch das Koppeln von Lkw per funkgesteuerter elektronischer Deichsel – das sogenannte Platooning. Dabei sind etwa die Notbremssysteme der Lkw in Echtzeit mit dem Führungsfahrzeug verbunden.

Unlängst fand hierzu ein europaweiter Praxistest statt. Bei der European Truck Platooning Challenge genannten Sternfahrt machten sich sechs Lkw-Kolonnen aus verschiedenen EU-Ländern nach Rotterdam auf. Die Fahrerassistenzsysteme der Laster waren jeweils über WLAN miteinander verbunden, der Abstand zwischen den Fahrzeugen betrug lediglich zehn Meter. Eigentlich gilt ein Mindestabstand von 50 Metern. „Ein computergesteuerter Lkw reagiert weit schneller als jeder Mensch das könnte“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vor der Abfahrt zweier Lastzüge in München. Beispielsweise übermitteln die Systeme Bremssignale binnen weniger als 0,1 Sekunden, während die Reaktionszeit des Menschen bei ungefähr 1,4 Sekunden liegt.

Weniger Abstand, mehr Sicherheit

Durch das gleichmäßige und aerodynamisch vorteilhafte Kolonnenfahren ließe sich demnach nicht nur der Spritverbrauch reduzieren, sondern auch die Sicherheit verbessern. „90 Prozent aller Unfälle im Straßenverkehr gehen auf menschliches Versagen zurück. Digitale Technik wie das Platooning könnten das vermeiden“, erklärt Dobrindt. Weiterer Vorteil: Ein Viertel aller Lkw-Kilometer sind in Europa heute Leerfahrten. Wenn miteinander kommunizierende Fahrzeuge und Verladestationen selbstständig Fracht makeln, könnte diese Menge drastisch vermindert werden. Auch lange Wartezeiten beim Be- oder Entladen gehörten der Vergangenheit an, wenn die Vorgänge digital kontrolliert würden.

Eine entsprechende Infrastruktur mit Highspeed-Internet an den Autobahnen vorausgesetzt, soll Platooning laut Expertenmeinungen bis 2020 flächendeckend einsetzbar sein. Rechtlich muss die Politik noch die Weichen stellen.

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