Kooperation kann Staugefahr reduzieren

Über 1,1 Millionen Kilometer Stau gab es 2015 auf den deutschen Straßen. Doch viele Verzögerungen ließen sich durch kooperierende Autofahrer verhindern.

Nervenaufreibende und zeitfressende Staus könnten verhindert werden, wenn Autofahrer kooperativer handeln würden. Foto: Boblenz

Die meisten Staus sind hauptsächlich auf das hohe Verkehrsaufkommen zurückzuführen. Baustellen, Unfälle und das Wetter verursachen zusammen nur ein Drittel aller Staus. Das Schimpfen auf Baustellen und Unfälle macht daher keinen Sinn – an den meisten Staus sind die Autofahrer selbst schuld.

Ameisen dienen als Vorbild

„Zehn bis 20 Prozent aller Staus könnten wir uns ersparen, wenn die Menschen sich kooperativ verhalten würden,“ sagte Verkehrsexperte Michael Schreckenberg im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Als Vorbild für den Straßenverkehr nennt er Ameisen. Deren Transportsystem funktioniere reibungslos, weil sich alle mit der gleichen Geschwindigkeit und im gleichen Abstand fortbewegten. Bei Autofahrern ist das laut Schreckenberg nicht so. Jeder fahre unterschiedlich schnell und habe eine andere Fahrweise. Daher komme es bei hohem Verkehrsaufkommen schnell zu einem Stau.

Im Detail läuft das so ab: Ein schnelles Fahrzeug fährt hinter einem langsameren und muss abbremsen. Das setzt eine Kettenreaktion in Gang, da alle dahinter aufgereihten Fahrzeuge ebenfalls bremsen müssen. Und zwar immer stärker, bis schließlich ein Fahrzeug ganz zum Stehen kommt. Schon gibt es einen Stau!

Viele Autofahrer merken nicht, dass ihre Fahrweise den Stau fördert, denn dieser bildet sich hinter ihnen. Der Lerneffekt bleibt aus und die Verursacher werden in einer ähnlichen Situation wieder gleich handeln.

Häufiges Spurwechseln verlangsamt den Verkehr

Steht man dann, machen „Spurwechsler“ alles nur noch schlimmer. „Am besten, jeder bliebe auf der eigenen Spur, dann ginge es für alle am schnellsten“, meint Experte Schreckenberg. Durch das Spurwechseln entstehen dahinter viele kleine Stauwellen, die einen flüssigen Verkehr unmöglich machen. Schreckenberg empfiehlt, im gleichmäßigen Tempo zu fahren, sich dem Verkehrsstrom anzupassen und sich nicht davon ablenken zu lassen, wenn es auf einer anderen Spur scheinbar etwas zügiger vorangeht.

Als besonders ineffektiv empfindet er das Reißverschlusssystem. Hier kämpfen Autofahrer um jeden Meter und jedes einfädelnde Auto. Fahrer auf der verbleibenden Spur lassen die Einfädler nur ungern vor sich einscheren und geben ihnen die Schuld an einem Rückstau.

Und wie sieht es mit Stau umfahren aus? Völlig sinnlos, meint Schreckenberg. In einem Überlastungsstau rolle der Verkehr mit geringer Geschwindigkeit weiter, auf Ausweichrouten minderten Ampeln, Kreuzungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen das Tempo. Wollten viele Autofahrer ebenfalls den Stau umfahren, seien die Ausweichrouten schnell verstopft, da Bundes- oder Landstraßen nicht die gleiche Kapazität wie Autobahnen böten.

Bei Nacht in den Urlaub fahren

Um Staus auf der Urlaubsfahrt zu entgehen, empfiehlt es sich, nicht an einem Wochenende in den Urlaub zu fahren. Legen Sie den Anreisetag wenn möglich auf einen Werktag. Der Verkehrsexperte rät zudem, nachts loszufahren. Dann gäbe es weniger Verkehr, es sei im Sommer noch nicht so heiß und die Mitinsassen könnten besser schlafen – der Fahrer könne sich völlig auf den Verkehr konzentrieren. Allerdings solle er gut ausgeruht sein, sonst werde die Nachtfahrt alles andere als entspannt.

Derzeit steht jeder deutsche Autofahrer rund 58 Stunden jährlich im Stau. Mehr Baustellen und ein höheres Verkehrsaufkommen in den nächsten Jahren werden noch mehr Staus verursachen. Eine Lösung für das Stauproblem sieht Verkehrsexperte Schreckenberg: „Automatisierte Systeme werden uns viele Staus ersparen.“

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