Verkehrssicherheitsreport: DEKRA sieht EU-Ziele in Gefahr

Die Expertenorganisation DEKRA hat in Brüssel ihren Europäischen Verkehrssicherheitsreport 2016 vorgestellt. Die EU-weiten Unfallzahlen nennt die Organisation alarmierend.

Die Expertenorganisation DEKRA hat in Brüssel ihren Europäischen Verkehrssicherheitsreport 2016 vorgestellt.

DEKRA Jahresempfang zur Präsentation des Verkehrssicherheitsreports 2016 in Brüssel: (v.l.n.r.): Johannes Jung, Leiter der baden-württembergischen Landesvertretung in Brüssel; Stefan Kölbl, Vorsitzender des Vorstands DEKRA e.V. und DEKRA SE; Dr. Dieter-Lebrecht Koch, MdEP; Dr. Ludmila Vodzinska, Generaldirektorin des slowakischen Verkehrsministeriums; Ulrike Müller, MdEP; Michael Cramer, MdEP, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Europäischen Parlament; Thomas Pleines, Präsident des Präsidialrats DEKRA e.V., Vorsitzender des Aufsichtsrats DEKRA SE; Georges Bach, MdEP; Oliver Deiters, Leiter der DEKRA Konzernrepräsentanz Brüssel; Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE und verantwortlich für die Business Unit Automotive. Foto: DEKRA

 Zum ersten Mal seit 2001 ist die Zahl der tödlich im Straßenverkehr verunglückten Personen im vergangenen Jahr in der EU wieder gestiegen. Rund 26.000 Unfalltote waren in den 28 Staaten der Union zu beklagen. Damit liegt die Zahl gegenüber dem Vorjahr um +1,2 Prozent höher.

Das strategische Ziel der EU, bis 2020 eine Halbierung der Zahl der Verkehrstoten gegenüber dem Jahr 2010 zu erreichen, sei damit akut in Gefahr. „Umso mehr sind deshalb alle Beteiligten dazu aufgefordert, mit aller Macht gegenzusteuern, um an die Erfolge früherer Jahre anzuknüpfen“, so Stefan Kölbl, Vorsitzender des Vorstands DEKRA e.V. und DEKRA SE.

Menschliches Versagen Hauptunfallursache

Der Verkehrssicherheitsreport stellt in diesem Jahr besonders den Pkw-Verkehr in den Fokus. Dieser macht nicht nur den mit Abstand höchsten Wert bei der individuellen Mobilität aus. Der Pkw-Verkehr ist auch mit Abstand die Gruppe mit den höchsten Zahlen bei den Unfällen mit Personenschäden. Diese Zahl lag 2014 in Deutschland bei rund 64 Prozent.

Als Hauptursache von Unfälle mit Personen- und schwerwiegenden Sachschäden gilt nach wie vor das sogenannte menschliche Versagen – rund 90 Prozent aller Unfälle sind dies insgesamt. Moderne Assistenzssysteme, die beispielsweise automatisiert eine Notbremsung auslösen oder beim Verlassen der Fahrspur eingreifen, können hier für eine Verbesserung sorgen.

Zukünftig wird die Zahl der teilautomatisiert und vernetzt fahrenden Pkw und Lkw stark ansteigen. Dies kann zu einem erheblichen Rückgang der Unfallzahlen beitragen. Hier sieht DEKRA jedoch den Gesetzgeber in der Pflicht, entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Gefahr durch Smartphones steigt

Eine weitere Entwicklung der modernen Kommunikationstechnik bereitet den Experten jedoch Sorgen. Die Ablenkung der Verkehrsteilnehmer durch Smartphones und Tabletcomputer sei nicht zu unterschätzen.

 Die DEKRA Unfallforschung hat in sechs europäischen Hauptstädten beobachtet, dass insgesamt fast 17 Prozent der Fußgänger beim Überqueren der Straße ihr Smartphone benutzten. „Gerade beim Thema Ablenkung muss die Verkehrssicherheitsarbeit aus unserer Sicht in den kommenden Jahren mit Nachdruck ansetzen. Aufklärungsarbeit steht hier an erster Stelle“ ,sagte Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE.

Via DEKRA

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