Sucht am Arbeitsplatz: Gesellschaftliches Tabu

Besonders am Arbeitsplatz ist Sucht nach wie vor ein Tabu-Thema. Viele Betroffene wissen außerdem nicht, wie sie arbeitsrechtlich abgesichert sind.

Besonders am Arbeitsplatz ist Sucht nach wie vor ein Tabu-Thema. Viele Betroffene wissen nicht, wie sie arbeitsrechtlich abgesichert sind. Foto: Pixabay

Besonders am Arbeitsplatz ist Sucht nach wie vor ein Tabu-Thema. Viele Betroffene wissen nicht, wie sie arbeitsrechtlich abgesichert sind. Foto: Pixabay

Es ist eine bedrückende Zahl. 20 Millionen Menschen in Deutschland sind suchtkrank. Alkohol, Medikamente, aber auch zum Beispiel Glücksspiel können süchtig machen und dominieren dann irgendwann den Alltag des Betroffenen. Damit ist auch klar, dass dieses Problem nicht nur in den eigenen vier Wänden stattfindet, sondern natürlich auch millionenfach an Arbeitsplätzen in Deutschland. Doch dieses Thema ist nach wie vor ein Tabu nicht nur unter Mitarbeitern, sondern auch in der Beziehung von Arbeitgebern zu ihren Angestellten.

Arbeitgeber in der Verantwortung

Doch im Hinblick auf das Arbeitsrecht muss der Komplex Sucht am Arbeitsplatz thematisiert werden, gerade auf Arbeitgeberseite. Denn für manche Unternehmen sind suchtkranke Arbeitnehmer schwer hinnehmbar, da ihre Krankheit Fehlzeiten und geringere Arbeitsleistung zur Folge haben. Doch ob dies als Kündigungsgrund genügt und ob sich der Arbeitnehmer gegen eine solche Kündigung zur Wehr setzen kann, ist vielen Betroffenen nicht klar.

Für einen Arbeitgeber, der feststellt, dass ein Mitarbeiter zum Beispiel unter dem Einfluss von Rauschmitteln steht, besteht unmittelbarer Handlungsbedarf. Dies gebietet alleine schon seine Fürsorgepflicht und die Vorschriften zur Unfallverhütung, wie der Fachanwalt für Arbeitsrecht, Dr. Dietmar Müller-Boruttau ausführt. Hier kann es beispielsweise geboten sein, den betroffenen Arbeitnehmer nach Hause zu schicken.

Lohnfortzahlung bei Therapie

Bei Vorliegen einer Suchterkrankung ist eine Kündigung in aller Regel nicht sofort möglich, da es sich eben um eine Krankheit handelt. Entsprechende Hilfsangebote sind zu unterbreiten, die der Arbeitnehmer allerdings auch wahrnehmen sollte, um seine Anstellung nicht zu gefährden. Das Leugnen der Problematik führe zu nichts, so der Arbeitsrechtler. Eine Kündigung ist beim Vorliegen einer sogenannten negativen Prognose möglich, die auch für die Zukunft entsprechende Störungen des Arbeitsverhältnisses nahelegt.

Suchtkranke Mitarbeiter, die sich in eine Therapie begeben, haben dabei grundsätzlich den Anspruch auf eine sechswöchige Fortzahlung ihres Arbeitslohnes. Im Falle eines Rückfalles steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass eine daraus folgende Kündigung arbeitsrechtlich als gerechtfertigt gelten kann.

Via finanzen.de

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