Tempolimit: Experten fordern Geschwindigkeitsbegrenzung

Praktisch weltweit gilt auf Autobahnen ebenso wie auf anderen Straßen ein Tempolimit. In Deutschland und wenigen anderen Ländern ist dagegen zumindest auf einem Teil der Schnellstraßen freie Fahrt erlaubt. Experten plädieren dafür, dies zu ändern.

Verkehrsexperten befürworten ein generelles Tempolimit auf Autobahnen in Deutschland und fordern eine bessere Ahnung von Verkehrsverstößen ausländischer Fahrer. Foto: Pixabay

Verkehrsexperten befürworten ein generelles Tempolimit auf Autobahnen in Deutschland und fordern eine bessere Ahndung von Verkehrsverstößen ausländischer Fahrer. Foto: Pixabay

Der deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR), ein Verein mit inzwischen über 200 Einzelinstitutionen als Mitglieder, hat sich mit dem Thema Tempolimit beschäftigt und fordert neben dem flächendeckenden Maximaltempo auch Änderungen bei der Ahndung von Verstößen. Ins gleiche Horn stoßen Verkehrspsychologen und Polizeigewerkschaft.

Professor Bernhard Schlag von der Uni Dresden ist davon überzeugt, dass das Problem zu schnellen Fahrens und gefährlicher Drängelei auf der Straße vor allem psychischer Natur sei. „In jedem von uns steckt ein aggressiver Fahrer“, so der Verkehrspsychologe. Grund dafür sei ein „Territorialverhalten“ eines jeden Autofahrers, der sich Raum auf der Straße erobern und verteidigen möchte. Dabei sei auffällig, dass besonders Vielfahrer sowie überwiegend Männer (zu) schnell unterwegs seien.

Halterhaftung soll kommen

Dieselbe Ansicht vertritt Stefan Pfeiffer von der Deutschen Polizeigewerkschaft, der noch ergänzt, dass die Sanktionen von ausländischen Verkehrssündern ein Problemfeld seien. Besonders Berufskraftfahrer, die nicht aus Deutschland stammen, hätten sich bereits darauf eingestellt, wegen Verkehrsdelikten in ihren Heimatländern nicht mehr belangt zu werden. „Manche Lkw bremsen noch nicht einmal mehr vor einer Radarkontrolle“, so der Polizeibeamte.

Neben einem generellen Tempolimit soll auch die Haftungsfrage für Verkehrsverstöße überdacht werden. In Deutschland gilt im Gegensatz zu anderen EU-Mitgliedsstaaten die Fahrer- und nicht die Halterhaftung. Dies bedeutet, dass nur derjenige bestraft werden kann, der einen Verkehrsverstoß begangen hat. In Ländern wie Österreich oder Italien gilt die Halterhaftung: Lässt sich der Fahrer nicht ermitteln, wird der Besitzer des Fahrzeuges zur Rechenschaft gezogen.

Durch diesen Unterschied kommen besonders ausländische Verkehrssünder oft straffrei davon, weil sich die Fahrerfeststellung wie in Deutschland nicht ohne weiteres im Ausland durchführen lässt. An der Einführung der Halterhaftung in allen Mitgliedsstaaten und damit auch in Deutschland wird jedoch seitens der Europäischen Kommission gearbeitet. Sie geht davon aus, dass sich hierdurch die Unfallzahlen in der EU halbieren ließen.

Via Firmenauto

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