Unfallforschung: Wichtige Erkenntnisse für Fahrzeugentwickler

Die Unfallforschung ist für Fahrzeughersteller ein wichtiger Aspekt, um künftige Entwicklungen von Sicherheitssystemen bei Pkw zu bestimmen.

 

Viele Fahrzeughersteller setzen eigene Unfallforscher ein, um künftige Entwicklungen besser auf das reale Unfallgeschehen abstimmen zu können. Foto: Volkswagen

Viele Fahrzeughersteller setzen eigene Unfallforscher ein, um künftige Entwicklungen besser auf das reale Unfallgeschehen abstimmen zu können. Foto: Volkswagen

Wenn es im Verkehr kracht, sind oftmals auch Sachverständige vor Ort, die weder für Behörden noch Versicherer arbeiten – die Unfallforscher der Hersteller. Viele Fahrzeughersteller beschäftigen eigene Abteilungen für die Unfallforschung, die Verkehrsunfälle untersucht, bei denen das eigene Produkt involviert war. Exemplarisch hierfür die Unfallforschung von VW, bei der ein neunköpfiges Team aus Ingenieuren und Entwicklern praktisch rund um die Uhr Rufbereitschaft hat, um zur Unfallaufnahme ausrücken zu können.

Die VW-Unfallforschung untersucht jährlich rund 120 Unfälle mit dem Schwerpunkt Wolfsburg, allerdings auch in anderen Bundesländern. „Jeder Unfall wird detailliert ausgewertet. Die Bundesstatistik, die Unfälle und Verletzungen zusammenfasst, reicht dafür nicht aus“, sagt Ralf Tenzer. Wenn ein aktuelles Modell der Marke Volkswagen in einen Unfall verwickelt ist, dokumentieren die Ermittler von Volkswagen mit Kamera und Maßstab in möglichst kurzer Zeit viele Details, wie die Schäden an den Fahrzeugen, deren Position und Bremswege.

Dreidimensionale Rekonstruktion

Dabei kommt modernste Technik zum Einsatz: Für eine Gesamtübersicht werden mit einer Drohne Aufnahmen aus der Luft angefertigt. Ein am Fahrzeug der Unfallforschung befestigter Laser scannt die Szenerie bei langsamer Vorbeifahrt in 3D. Zum Expertenteam gehört auch ein Mediziner. Seine Aufgabe ist es zu klären, wie Verletzungen der Insassen entstanden sind. Dazu gleicht er anonymisierte Patientendaten mit den Schäden in und an den Fahrzeugen ab. Aus allen Daten erstellen die Forscher Rekonstruktion am Computer. Diese ist am Ende so detailliert, dass die Unfallforscher relativ genau sagen können, wohin und mit welcher Geschwindigkeit die Fahrer die Autos unmittelbar vor der Kollision gelenkt haben und welche Assistenzsysteme aktiv eingegriffen haben.

Wie eng die Unfallforschung mit der technischen Entwicklung zusammenarbeitet, macht der Experte an der Einführung des Emergency Assist im aktuellen Passat deutlich: „Wenn das System erkennt, dass der Fahrer nicht mehr in der Lage ist, das Auto zu steuern, übernimmt Emergency Assist die Lenkung und bringt das Auto zum Stillstand“, erläutert der Chef-Unfallforscher. Tenzer und seine Kollegen können anhand ihrer Unfalldaten belegen, dass ein kontrollierter Stillstand auf der Fahrspur weitaus weniger gefährlich ist als ein führerloses Auto, das beispielsweise in den Gegenverkehr gerät.

Via Volkswagen

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