Oberleitungs-Lkw: Unter Strom auf die Autobahn

Siemens forscht an Oberleitungs-Lkw, die mit Elektroantrieb über Autobahnen fahren sollen. Ein weiteres Pilotprojekt startet jetzt in Deutschland.

Oberleitungs-Lkw sollen künftig auch auf deutschen Autobahnen rollen. Nun wurden zwei Teststrecken auf Autobahnabschnitten in Hessen und Schleswig-Holstein genehmigt. Foto: Siemens

Die Idee ist nicht neu, schon in den 1930er Jahren kamen frühe Vertreter von Oberleitungs-Lkw zum vereinzelten Einsatz. Besonders in Osteuropa fand diese Technik auch bis in die Neuzeit Verwendung, wo außerdem technisch verwandte Oberleitungs-Busse für den städtischen Personennahverkehr teilweise bis heute im Einsatz sind. Das Funktionsprinzip ähnelt dem der elektrischen Eisenbahn, ohne jedoch auf deren starre, schienengebundene Fahrwege angewiesen zu sein.

Über einen Stromabnehmer im Fahrzeugdach wird die Energie von der stromführenden Oberleitung zu dem oder den Elektromotoren weitergeleitet, die dann für den Antrieb sorgen. Siemens ist bei der Entwicklung moderner Varianten von Oberleitungs-Lkw Pionier, bereits 2012 stellten Forscher des Konzerns erste Konzepte vor, seit 2016 gibt es in Schweden eine öffentliche Teststrecke. Eine weitere Teststrecke findet sich nahe Berlin auf dem Areal eines ehemaligen Militärflugplatzes. Nun wurde bekanntgegeben, dass auch in Deutschland in einem Pilotprojekt auf öffentlichen Straßen getestet werden soll.

Zwei Teststrecken in Deutschland

Zwei jeweils sechs Kilometer lange Autobahnabschnitte in Hessen und Schleswig-Holstein werden hierfür mit Masten und Fahrdrähten ausgestattet. Zehn ausgewählte Speditionen beteiligen sich an den Erprobungsfahrten. Eingesetzt werden Lkw der zum Volkswagen-Konzern gehörigen schwedischen Marke Scania, die vom Hersteller entsprechend umgerüstet wurden. Nach dem Umbau handelt es sich hierbei um Diesel-Hybridfahrzeuge, der herkömmliche Dieselmotor erhält Unterstützung durch einen entsprechenden Elektroantrieb, der bei Versorgung über die Oberleitung alleine für den Vortrieb sorgt.

Das Mehrgewicht durch die Umrüstung soll bei rund zwei Tonnen liegen, im Gegenzug soll die elektrische Fahrt des Lkw unter Kostenaspekten um rund die Hälfte günstiger sein als mit dem Verbrennungsmotor. Zusätzlich werden hierbei die Traktionsbatterien der Lkw aufgeladen, um auch im weitere Einsatz entsprechend mit elektrischer Energie fahren zu können. Dabei soll auf einem Kilometer Wegstrecke unter dem Fahrdraht genügend Energie für drei Kilometer elektrische Fahrstrecke geladen werden können. Nach Expertenmeinung wird dieses Verhältnis längerfristig um den Faktor vier steigen.

Via FAZ

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