Schwertransporte: Verkehrssicherung durch Privatfirmen

Schwertransporte in Deutschland müssen je nach Dimension nach wie vor durch Polizeifahrzeuge abgesichert werden. Dies soll jedoch künftig reduziert und vermehrt private Sicherungsfahrzeuge eingesetzt werden.

Gute Konjunktur und große Baumaßnahmen sorgen für einen verstärkten Bedarf an Schwer- und Großraumtransporten. Künftig soll der Einsatz von Polizeifahrzeugen zur Absicherung weiter reduziert werden. Bild: Messe München

Jährlich rund 418.000 Schwertransporte, die aufgrund ihrer Größe mit Begleitfahrzeugen abgesichert werden zählt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann bundesweit auf. Nach dem Willen mehrerer deutscher Innenminister soll hierfür künftig noch stärker als bisher die Privatwirtschaft für die notwendigen Verkehrssicherungsmaßnahmen herangezogen werden, um Polizei-Begleitfahrzeuge zunehmend überflüssig zu machen.

Bereits jetzt sind sogenannte BF3-Begleitfahrzeuge für die Absicherung des rückwärtigen Verkehrs auf allen öffentlichen Straßen im Einsatz. Künftig soll vermehrt mit dem Einsatz von BF3plus und BF4-Varianten die Absicherung übernommen werden, welche bislang von Polizeifahrzeugen wahrgenommen wurde. Hier geht es um die Absicherung von Großraum- und/oder Schwertransporten zum Beispiel mit Breiten ab 3,5 m außerhalb der Autobahn. In anderen Fällen, etwa bei extremer Überbreite, wird auch künftig eine Polizeibegleitung notwendig bleiben.

Entlastung für Polizeibeamte

Das Entlastungspotential für Polizeibeamte wäre dabei durchaus beachtlich, wie Herrmann vorrechnet. Obwohl bereits heute vielfach die Verkehrsabsicherung durch Privatfirmen die Regel ist, wurden alleine in Bayern in 2016 rund 63.000 Einsatzstunden von Polizeibeamten aufgebracht, um besonders große Schwertransporte zu begleiten. Dieses Aufkommen hat Herrmann zufolge stark zugenommen, 2010 waren es noch 50 Prozent Einsatzstunden weniger. Grund für die Zunahme von Schwertransporten sind unter anderem der Boom bei Windkraftanlagen und die anhaltend gute Konjunktur, die den Bedarf der Wirtschaft an großen Betonfertigteilen und Maschinen erhöht.

Auch der Verkehrsgerichtstag in Goslar plädierte im Januar für einen zunehmenden Wegfall der polizeilichen Absicherungsmaßnahmen und deren Übernahme durch Privatunternehmen, welche dann beispielsweise die Absicherung von Schwer- und Großraumtransporten auch nach vorne oder in Kreuzungsbereichen übernehmen könnten. In Bayern soll künftig statt bis zu drei nur noch ein Streifenwagen die Begleitung übernehmen und die weiteren nötigen Sicherungsmaßnahmen durch private Begleitsicherungsfahrzeuge gewährleistet werden.

Hans-Jürgen Marker von der Gewerkschaft der Polizei begrüßt diese Planungen ebenfalls, da hierdurch Polizeibeamte Kapazitäten für den regulären Streifendienst zurück erhielten. Auch sei beispielsweise die Sperrung einer Kreuzung durch Privatfirmen „kein allzu heftiger Eingriff in die Rechte des Bürgers.“

Via Süddeutsche Zeitung

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