Eingliederungsmanagement: Chancen für kranke Mitarbeiter

Das Betriebliche Eingliederungsmanagement ist seit 2004 verpflichtend für Arbeitgeber. Es soll vor allem älteren und chronisch kranken Mitarbeitern helfen.

Betriebliches Eingliederungsmagagement soll Mitarbeitern mit langwierigen oder chronischen Erkrankungen eine Chance zur Weiterbeschäftigung bieten. Foto: Pixabay

Erkrankt ein Arbeitnehmer längerfristig, steht der Arbeitgeber in der Pflicht, diesem ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten. Geregelt ist das im Sozialgesetzbuch. Dort heißt es, dass der Arbeitgeber klarstellen muss, „wie die Arbeitsunfähigkeit möglichst überwunden werden und mit welchen Leistungen oder Hilfen erneuter Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt und der Arbeitsplatz erhalten werden kann.“

Betroffen sind hiervon Angestellte, die binnen eines Jahres eine Krankheitsdauer von über sechs Wochen erreichen – hierunter zählen sowohl Langzeiterkrankungen als auch wiederholte Arbeitsunfähigkeit über kürzere Zeiträume. Der Gesetzgeber sieht das BEM auch als Instrument, um dem zunehmenden Alter der Beschäftigten zu begegnen.

Absichtlich gibt das gesetzlich vorgeschriebene BEM keine exakten Handlungshinweise für die Betroffenen, sondern stellt die Ausführung in die Verantwortung der jeweiligen Firmen, die eine angemessene individuelle Lösung finden müssen. Die einzige gesetzliche Vorgabe ist die Beteiligung von Betriebs- oder Personalrat sowie bei Schwerbehinderten die Teilnahme der Schwerbehindertenvertretung. Für den Arbeitnehmer besteht diese Vertretung wiederum auf freiwilliger Basis, er muss sie nicht wahrnehmen.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales rechnet vor, dass sich das BEM für alle Seiten lohnt. Der Arbeitgeber profitiere von der Gesundheits- und Leistungsförderung für die Beschäftigten und damit verringerte Fehlzeiten und Personalkosten. Die betroffenen Arbeitnehmer selbst wiederum schützt ein BEM vor Arbeitslosigkeit oder Frührente.

Viele Gerichtsurteile

Das BEM ist nach inzwischen 13 Jahren Gültigkeit Gegenstand zahlreicher Gerichtsentscheidungen. In einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes aus dem Jahr 2009 wird die Durchführung eines Betrieblichen Eingliederungsmanagement zwar nicht als Voraussetzung für eine krankheitsbedingte Kündigung betrachtet. Dennoch sei die Verpflichtung des Arbeitgebers zur Durchführung eines BEM, so wörtlich, „eine Konkretisierung des dem gesamten Recht des Kündigungsschutzes innewohnenden Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes“.

Aktuelle Untersuchungen zum BEM in den Betrieben zeigen laut Ministerium noch Verbesserungspotential. Vor allem die Information der Betroffenen, der Datenschutz und die Transparenz des Verfahrens seien nicht selten mangelhaft. Außerdem seien gerade kleinere und mittlere Unternehmen noch weit von einer optimalen Umsetzung entfernt.

Via BMAS

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