Sicherheitsabstand: Rechte für Radfahrer

Der Sicherheitsabstand von Auto- zu Radfahrern ist gesetzlich klar geregelt. Doch viele Verkehrsteilnehmer wissen nichts davon.

Es gibt klare gesetzliche Regelungen zum Mindestabstand zwischen Auto- und Radfahrern. Doch nur wenige Verkehrsteilnehmer kennen sie. Foto: Pixabay

Das Verhältnis zwischen Rad- und Autofahrern ist nicht immer frei von Problemen. Ob es der dicht gedrängte Radverkehr in den Städten oder der Freizeit-Radler-Pulk auf dem Land ist, beide Seiten fühlen sich oft voneinander bedrängt. Und gelegentlich endet dies auch in gefährlich-aggressivem Verhalten – wenn Radfahrer absichtlich mitten auf der Fahrbahn unterwegs sind oder Autofahrer besonders knapp und rücksichtslos überholen.

Die Rechtslage ist jedoch eindeutig: Mindestens 1,5 Meter Sicherheitsabstand muss gewährleistet sein, wenn Autofahrer an Radfahrern vorbeifahren. Doch dies ist nur der Minimalwert, denn in einigen Gerichtsurteilen wurde ein noch größerer Abstand in bestimmten Verkehrssituationen als verpflichtend bestimmt. So beispielsweise, wenn das überholende Fahrzeug ein Lkw ist, wenn das Tempo des Überholers über 90 km/h liegt oder wenn auf einem Fahrrad ein Kind transportiert wird. Auch bei schlechten Fahrbahn- oder Witterungsverhältnissen muss ein größerer Abstand eingehalten werden.

Radfahrer müssen ebenfalls Rücksicht nehmen

Daher ist in manchen Verkehrssituationen, besonders bei Gegenverkehr, rein rechtlich überhaupt kein Überholvorgang möglich und deshalb eigentlich der Radfahrer in der Pflicht: Prof. Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht, macht dies deutlich: „Die Gerichtsurteile sind kein Freibrief für Radfahrer, sich auf der Straße egoistisch zu benehmen. Auch sie müssen rücksichtsvoll bleiben. Sammeln sich Autos hinter ihnen an, die nicht überholen können, müssen sie an geeigneter Stelle langsamer fahren und den Überholvorgang ermöglichen“.

Und, so der ehemalige Bundesverkehrsminister weiter: „Für den Überholvorgang gibt es Vorschriften, die eingehalten werden müssen. Autofahrer, die den Sicherheitsabstand nach ihrem Gefühl entscheiden, handeln nicht verantwortlich. Sicherheit ist durch eine konkrete Situation, durch Wetterlage und durch die handelnden Akteure bestimmt. Entsprechend muss der Sicherheitsabstand betrachtet werden – auf jeden Fall ist immer Rücksicht und in uneindeutigen Verkehrssituationen Zurückhaltung geboten.“

Via DVW

Mehr lesen: Haltezone vor Ampeln: Mehr Sicherheit für Fahrradfahrer