Alkoholverbot: Experten fordern Null-Promille-Grenze

Ein Alkoholverbot für Verkehrsteilnehmer könnte nach Meinung von Verkehrsexperten die Zahl der Unfallopfer drastisch senken. Deshalb wird die Einführung einer Null-Promille-Regelung gefordert.

Verkehrssicherheitsexperten fordern ein absolutes Alkoholverbot am Steuer. Foto: Pixabay

Die Zahlen klingen alarmierend: Zu bestimmten Tageszeiten soll jeder vierte Verkehrsunfall eine Folge von Alkoholkonsum sein. Das berichtete der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) anlässlich der „Alkoholwoche 2017“, die Ende Mai stattfand. Ziel der Aktionswoche mit bundesweiten Veranstaltungen und Info-Aktionen zum Beispiel im Internet begleitet wurde, war die Sensibilisierung vor allem junger Autofahrer für das Thema. Laut DVR sind alleine im Jahr 2015 insgesamt 256 Menschen ums Leben gekommen, weil sie Opfer eines alkoholbedingten Verkehrsunfalls wurden. Das sind 7,4 Prozent aller im Straßenverkehr getöteten Personen, mithin geht jeder 14. Unfalltote auf das Konto des legalen Rauschmittels.

Alkoholunfälle werden meist am Wochenende und nachts verursacht. Während nur 7,8 Prozent aller Unfälle mit Personenschäden zwischen 22 Uhr und 6 Uhr gezählt wurden, passiert fast die Hälfte der Alkoholunfälle (43 Prozent) in diesem Zeitraum. Von den 23.839 Unfällen mit Personenschaden, die sich zwischen 22 Uhr und 6 Uhr ereigneten, war bei rund jedem vierten Alkohol im Spiel. Dabei fallen Frauen deutlich seltener durch Alkohol am Steuer auf als Männer. Ihr Anteil an den alkoholbedingten Unfällen liegt bei lediglich 14,8 Prozent.

Klare Regeln statt Grenzwerte

DVR-Geschäftsführer Christian Keller plädiert daher für ein absolutes Alkoholverbot am Steuer. Hierzu führt er auch die verwirrenden Promilleregeln an, die in Deutschland gelten. So zieht der Gesetzgeber zwar bei 0,5 Promille eine Grenze zur relativen und bei 1,1 Promille zur absoluten Fahruntüchtigkeit, dies lasse offensichtlich genügend Interpretationsspielraum, um sich an gewisse Grenzen „heranzutrinken“. Durch ein absolutes Alkoholverbot könne hier Klarheit geschaffen werden, die auch richtiges Verhalten fördern würde. „Die Erfahrung in der Präventionsarbeit zeigt: Je klarer Regeln sind, desto eindeutiger ist die Einhaltung der Vorschriften. Kein Alkohol am Steuer ist für jeden klar zu definieren“, ist sich Kellner sicher.

Neben der Forderung nach einem Alkoholverbot setzt sich der DVR auch dafür ein, sogenannte „Alko-Interlocks“ (atemalkoholgesteuerte Wegfahrsperren) einzuführen. „Der Einsatz dieser Geräte könnte in Zukunft vor allem den Alkoholauffälligen langfristige Fahrverbote verkürzen, die beruflich auf ihr Auto angewiesen sind. Wichtig sind in diesem Zusammenhang aber auch zusätzlich verpflichtende Reha-Gespräche. Denn – wie die Erfahrungen anderer Länder zeigen – werden ohne solch eine Gesprächsauflage viele Betroffene ziemlich schnell wieder rückfällig.“, erläutert der DVR-Hauptgeschäftsführer.

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