Kerzen – aber sicher!

Einst Wärme- und Lichtquelle sind Kerzen heutzutage gefragte Stimmungsmacher.  Wenn sie nicht tropft, ruß- und raucharm ist, hat sie den Qualitätstest bestanden und erhält das RAL-Gütezeichen. Wir haben die Kerze näher beleuchtet.

Kerzen sind beliebte Stimmungsmacher – nicht nur an Weihnachten. Foto: Fotolia – PhotoSG

Bei einem festlichen Essen oder für romantische Stunden sind sie unverzichtbar – Kerzen sorgen für eine ganz besondere Stimmung und haben nicht nur zu Weihnachten Saison. Dabei laufen mit Batterien betriebene Modelle der klassischen Kerze mit Docht keineswegs den Rang ab. Etwa 738.00 Tonnen Kerzen wurden europaweit im vergangenen Jahr verbraucht, das sind 1,45 Kilo pro Kopf. Die Faszination, die von der lebendigen Flamme ausgeht, ist ungebrochen.

Die Entstehung der Kerze liegt weitgehend im Dunkeln. Mit tierischen Fetten gespeiste Öllämpchen brachten offenbar schon im eiszeitlichen Europa Licht in die Höhlen von Jägern und Sammlern, die Erfindung von Kerzen liegt wohl mindestens 5.000 Jahre zurück. Im Vorderen Orient bestanden sie zu dieser Zeit „aus Stroh, Hanf oder Schilfrohr, das in Fett oder Harz eingetränkt wurde“, beschreibt der Europäische Kerzenverband (ECA). Richtige Kerzen sind vermutlich erst bei den Römern entstanden, als ab dem 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ein Docht wiederholt in Talg oder flüssiges Bienenwachs getaucht wurde.

Das nur begrenzt verfügbare Naturprodukt Bienenwachs wurde bald zu einem kostbaren Gut, das im Mittelalter insbesondere die Kirche und Fürstenhäuser für sich beanspruchten, denn diese Kerzen brannten regelmäßig ab und verbreiteten ihr warmes, gelbes Licht und den süßlichen Duft ohne zu rußen. Wer weniger betucht war, musste mit Varianten aus Rinderfett oder Hammeltalg Vorlieb nehmen, die nicht nur qualmten sondern auch noch übel stanken.

Bienenwachs als teuerster Rohstoff – Stearin und Parrafin erst im 19. Jahrhundert

Bienenwachs ist auch heute noch der teuerste Kerzenrohstoff und hat den geringsten Anteil an der Produktion. Die Kerzenherstellung hatte im 19. Jahrhundert mit der Entwicklung von Stearin, das hauptsächlich aus Palmöl und tierischem Fett gewonnen wird, einen bedeutenden Schritt nach vorn gemacht. Günstiger erwies sich bald darauf aber Paraffin, das als Nebenprodukt der Erdölverarbeitung auch universeller einsetzbar war.

Noch vor gut 100 Jahren wäre es ohne Kerzen in vielen Räumen nach Sonnenuntergang dunkel gewesen. Aber die Patentierung der Glühbirne 1880 und die zunehmende Verbreitung von elektrischem Licht haben die Kerze – von Stromausfällen und entlegenen Hütten einmal abgesehen – eigentlich überflüssig gemacht. Etwa in den 1940er Jahren war beispielsweise ganz Deutschland an das Stromnetz angeschlossen und hatte das Hantieren mit offenem Feuer zur Beleuchtung als große Gefahrenquelle unnötig gemacht. Aber Kerzen wurden weiterhin gekauft.

Nachdem ihre Hersteller in den vergangenen Jahren besorgt das Aufkommen flackernder LED-Lichter beobachtet hatten, hat sich die Aufregung inzwischen gelegt. „Kerzen und Imitate tun sich eigentlich nichts“, sagt ECA-Geschäftsführer Stefan Thomann. „Die LED werden zusätzlich verkauft und vorwiegend in Schulen oder Altersheimen aufgestellt, wo der Gebrauch von Kerzen wegen der offenen Flamme bisher ausgeschlossen war.“ Der Verkauf der Kerzennachbildungen stagniere, hat die Branche zu ihrer Beruhigung festgestellt.

Die Alternative zur Kerze sind LED-Lampen. Sie tropfen, rußen und rauchen nicht.  Foto: Fotolia – diamant24

LED-Lichter sind keine Konkurrenz

Viele Kerzen bestehen heute aus einem Gemisch mit einem Hauptbestandteil Paraffin und einer geringeren Menge Stearin. „Während es vor etwa zehn Jahren im Schnitt noch mehr als 90 Prozent Paraffin waren, ist der Wert inzwischen auf 60 Prozent zurückgegangen“, sagt Thomann. Der Rohstoff ist teurer und knapper geworden und wird oft durch pflanzliches Stearin ersetzt. Inzwischen gibt es auch zertifizierte Kerzen, die dem Verbraucher garantieren, dass nachhaltig produziertes Palmöl verwendet wird. „Wenn die Nachfrage der Kunden hier steigt, wird auch das Angebot breiter werden“, zeigt sich der Geschäftsführer überzeugt.

Die Aufgabe der Kerze, Licht in die Dunkelheit zu bringen, ist heute fast nur noch symbolischer Natur. Aber Kerzen sind nicht nur ein Gebrauchsgegenstand, sondern transportieren ganz offenbar auch Emotionen und Erinnerungen. So zünden die von der Sonne nicht verwöhnten Skandinavier wesentlich öfter eine Kerze an als andere Europäer, die Dänen bringen es beispielsweise auf einen Verbrauch von 4,3 Kilogramm pro Kopf, in Deutschland liegt er mit 2,4 Kilogramm immer noch weit über dem europäischen Durchschnitt.

Aber auch bei der Art der Kerzen lässt man im Norden nicht von alten Gewohnheiten ab. Am meisten verkauft werden hier unbeduftete weiße Kerzen aus tierischem Stearin, die mit einer besonders großen und hellen Flamme abbrennen. „Häufig wird dafür Rindertalg verwendet, das hat einen ganz eigenen Geruch, das muss man mögen“, sagt Volker Albrecht. Er testet für die europäische Kerzenindustrie seit Jahren ihre Produkte in einem speziellen Labor der Prüforganisation DEKRA. Wenn sie allen Material- und Sicherheitsanfoderungen der Gütegemeinschaft Kerzen entsprechen, dürfen sie das RAL-Gütesiegel tragen.

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Eine Kerze ist immer brandgefährlich. Sie sollten nie aus den Augen gelassen werden.  Foto: Fotolia – eyetronic

Brandgefährlich: Kerzen müssen unter Beobachtung sein

Denn Kerze ist nicht gleich Kerze. Vom Teelicht über Duft- und Haushaltskerzen bis hin zu Geburtstagskerzen und Schwimmlichten hält der Markt eine breite Palette mit großen Qualitätsunterschieden bereit. Die Kerzen werden von Albrecht auf ihre Inhaltsstoffe, ihre Brennverhalten und ihre Brenndauer untersucht. „Stearinkerzen haben einen höheren Schmelzpunkt und rußen weniger als Paraffinkerzen“, sagt er. Während Stearinkerzen bis etwa 54 Grad ihre Form behalten, verbiegen sich Paraffinkerzen schon in der Sonne und sollten dann nicht mehr angezündet werden.

Das RAL-Zeichen bewahrt die Konsumenten vor Billigprodukten und steht dafür, dass eine Kerze nicht tropft, ruß- und raucharm ist und aus hochwertigen Rohstoffen besteht. „Dabei unterliegt die Herstellung strengen gesundheits- und umweltorientierten Grenzwerten für alle Inhaltsstoffe“, betont Thomann. Wer allerdings leicht allergisch reagiert, sollte vorsichtshalber auf beduftete Kerzen verzichten. „In der Luft lassen sich die Stoffe praktisch nicht nachweisen“, erläutert Albrecht.

Volker Albrecht testet für die europäische Kerzenindustrie in einem speziellen Labor Produkte. Foto: DEKRA

Volker Albrecht testet für die europäische Kerzenindustrie in einem speziellen Labor deren Produkte.  Foto: DEKRA

Die Sorgfalt von Kerzenherstellern und Prüfern aber kann die Verbraucher nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. „Eine Kerze ist immer brandgefährlich“, betont Albrecht. Deshalb sollte sie immer beobachtet werden, erst recht wenn Haustiere und Kinder im Raum sind. Damit sie nicht rußt und ruhig brennt, sollte sie nicht im Zug stehen, flackert die Flamme, genügt es meist, den Docht auf etwa einen Zentimeter zu kürzen. Für Weihnachtsgestecke empfiehlt Albrecht selbstverlöschende Kerzen, sein eigener Tannenbaum wird nur mit echten Kerzen geschmückt. „Das funktioniert auch mit Kindern“, sagt er. „Aber ein Feuerlöscher steht immer daneben.“

 

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