Rumpelfilz: Chemisch clean und cool

Egal, ob Managerin, Bankiers  oder Lkw-Fahrer – immer mehr Erwachsene entdecken das Stofftier für sich. Bevor die kuscheligen Begleiter zu Hause einziehen, geht es durch den chemisch- physikalisch-mechanischen Parcours. Rumpelfilz von Sigikid stellt sich dem Labor-Test.

Foto: Sigikid

Der Hase Rumpelfilz aus der Beasts-Reihe von Sigikid. Foto: Sigikid

Es ist zwar nicht wissenschaftlich belegt, dass sich Stofftiere positiv auf die Psyche auswirken, aber Umfragen zufolge steht fest: Kuscheltiere sind auch bei Erwachsenen im Trend. Und genau hier kommt der Stofftierhersteller Sigikid aus Oberfranken ins Spiel. Mit seiner Beasts-Reihe trifft er ins Zentrum des Kuscheltier-Herzens vieler Erwachsener. Zu den rund 80 skurrilen Figuren, die in der fiktiven BeastsTown leben, gehören unter anderem der Stier „Macho Gazpacho“, die Börsenratte „Black Friday“ und der alte Hase „Rumpelfilz“. Allen hat Sigikid eine individuelle Biografie aufs Fell geschrieben.

Rumpelfilz rockte mit den Hot Black Rabbits

Die Geschichte des zart zersausten Hasen Rumpelfilz spielt nach der Erfindung von Sigikid in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Er soll einer legendären Band angehört haben – den Hot Black Rabbits. Sie haben sich damals „durch ihre hasensträubenden Konzerte einen Namen gemacht“. Nicht selten seien bei den Auftritten der Band Ostereier oder auch ganze Hotelzimmer zu Bruch gegangen. Rumpelfilz – mittlerweile in die Jahre gekommen – habe seine Starallüren dennoch nicht verloren. Noch heute, so geht die Geschichte weiter, lebe er von den Tantiemen seines BeastsTown-Welthits „BeastsTown, BeastsTown“. Und es geht noch besser: Frank Sinatra habe genau diesen Song später in „New York, New York“ umgeschrieben, erzählt Sigikid. Welcher Alt-68er fühlt sich hier nicht angesprochen? Doch bei aller Kreativität und Artenvielfalt darf eines nicht vergessen werden: Die Kuscheltiere müssen den gesetzlichen Sicherheitsanforderungen für Spielzeuge entsprechen. Sigikid ist sich der Verantwortung bewusst und setzt zusätzlich auf den „Sigikid-Standard“. „Dieser Standard definiert über die gesetzlichen Anforderungen hinaus Ansprüche, die für uns als Marke wichtig sind und unseren Wertevorstellungen entsprechen“, erklärt Axel Gottstein, Geschäftsführer von Sigikid.

Mechanisch, physikalisch und chemisch geprüft

Aber was sind die gesetzlichen Anforderungen? Das DEKRA Labor in Halle (Saale) hat die Richtlinien, die für die Herstellung und den Vertrieb von Spielwaren in Europa gelten, im Blick. „Spielzeugsicherheit ist im Fokus, vor allem bei Verbrauchermagazinen. Es ist sehr wichtig, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene ein Spielzeug erhalten, das nicht gesundheitsgefährdend ist. Es gibt dazu eine EU-Spielzeugrichtlinie, die Norm E71“, erklären Dr. Nadine Paul, Leiterin des DEKRA Labors in Halle (Saale), und ihre Kollegin Alexandra Kirchner, Projektleiterin. Neben der Prüfung von mechanischen und physikalischen Eigenschaften sind laut Paul chemische Merkmale zu untersuchen. 

Jeder der Stoffe wird nach der Anlieferung fotografiert und danach zugeschnitten und gewogen. Foto: Thomas Küppers

Jeder der Stoffe wird nach der Anlieferung fotografiert und danach zugeschnitten und gewogen. Foto: Thomas Küppers

„Abgesehen von der Prüfung nach der europäischen Norm müssen alle Produkte mit dem CE-Kennzeichen versehen sein“, ergänzt Kirchner. „Das ist eine EU-Konformitätserklärung. Mit dieser erklärt der Hersteller, dass ein Produkt den Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften entspricht.“ Ohne das CE-Kennzeichen dürfen die Produkte in Europa nicht in den Verkehr gebracht werden. Aber wenn der Hersteller dieses CE-Kennzeichen selbst anbringen kann, warum lässt er seine Materialien trotzdem durch ein unabhängiges Labor testen? Die Chemie-Expertin Paul klärt auf: „Die Hersteller lassen ihre Materialien bei uns prüfen, um sich zu vergewissern, dass alles konform ist. Und auch, um zu zeigen, dass sie auf die Sicherheit ihrer Produkte großen Wert legen. Denn es kann auch vorkommen, dass Behörden, wie etwa das Gewerbeaufsichtsamt, Muster im Handel ziehen und bei sich überprüfen. Das kann sowohl die chemische als auch die mechanische Prüfung sein. Und wenn etwas nicht in Ordnung ist, kann die Behörde Auflagen machen.“

Foto: Thomas Küppers Teststreifen werden mit Stoff zusammengenäht ... Foto: Thomas Küppers ... und in saure und alkalische Lösungen gelegt, um die Farbechtheit zu überprüfen. Foto: Thomas Küppers After drying the fabric for hours, it gets visual inspected under a daylight lamp. Photo: Thomas Küppers Ob der Stoff farbecht ist, sieht man daran wie sehr er den weißen Stoff, auf den er gepresst wurde, verfärbt hat. Als Maßstab gibt es den Graumaßstab. Foto: Thomas Küppers Um zu testen, ob sich Schadstoffreste im Stoff befinden, werden die zurechtgeschnittenen Stücke in kleine Glasfläschchen gegeben und mit einer Lösung versehen. Foto: Thomas Küppers Die Fläschchen kommen in ein Ultraschallbad. Dort lösen sicht selbst die kleinsten Schadstoffe vom Stoff. Anschließend wird die Flüssigkeit im Gaschromatograph untersucht. Ist der Schadstoffgrenzwert überschritten, muss der Hersteller ein anderes Material finden. Foto: Thomas Küppers Um den Überblick zu behalten und die Stoffe später den Kunden zuordnen zu können, bekommt jeder Stoff eine Nummer im Labor. Thomas Küppers Sigikid hat auf der Messe in Nürnberg auch große Größen mitgebracht. Foto: Carina Belluomo Thomas Haas, Bereichsleiter Logistik von Sigikid, präsentiert den Stand auf der Messe Nürnberg. Foto: Carina Bellluomo

Welchen Tests die Materialien unterzogen werden, entscheiden die Hersteller individuell. Sigikid zum Beispiel lässt im Labor in Stuttgart eine Vielzahl an chemischen Prüfungen durchführen. Hinzu kommen physikalische und mechanische Tests. Geprüft wird unter anderem nach den gesamten gesetzlichen Standards der EN 71 und der EU-Chemikalienverordnung REACH. Zudem lässt Sigikid die Speichel- und Schweißechtheit sowie Flammschutzmittel analysieren. Hinzu kommen Tests auf PAK’s (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) nach AfPS GS (Ausschuss für Produktsicherheit – Geprüfte Sicherheit-Spezifikation) und auf optische Aufheller.

Hat ein Stofftier das Kennzeichen „Von einem unabhängigen Labor geprüft“ oder etwa das GS-Kennzeichen, ist laut Kirchner klar, dass das Spielzeug zusätzlich geprüft wurde. Einer Schmuserunde – egal ob als Manager mit „Macho Gazpacho“, als Bankier mit „Black Friday“ oder als Alt-68er mit Rumpelfilz in der Latzhosentasche – steht nichts mehr im Weg.

 

Dr. Nadine Paul, DEKRA Laborleiterin, Halle. Foto: Thomas Küppers

Drei Fragen an Dr. Nadine Paul, Laborleiterin des DEKRA Labors für Umwelt- und Produktanalytik in Halle (Saale):

Gibt es weitere freiwillige Kennzeichen, die dem Verbraucher dabei helfen, ein sicheres Spielzeug zu erwerben?

Ja, hier gibt es beispielsweise das GS-Kennzeichen. Damit wird bestätigt, dass das Produkt die Vorschriften zu Sicherheit und Gesundheit erfüllt. Die Rechtsgrundlage ist hier das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG). Eine befugte und unabhängige GS-Stelle führt eine sogenannte Baumusterprüfung durch. Das heißt, dass eine Untersuchung der grundlegenden Sicherheitsanforderungen und weiteren potentiellen Gefährdungen durchgeführt wird. Außerdem überwacht die GS-Stelle regelmäßig den Produktionsbetrieb, untersucht Proben und prüft die Achtung der Qualitätssicherung.

Sie kümmern sich hier in Halle hauptsächlich um die chemischen Prüfungen. Gibt es hierzu noch weiterführende Richtlinien außer der EN71?

Ja, es gibt außerdem die EU-Chemikalienverordnung REACH. Diese regelt die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe und fordert unter anderem die Kennzeichnung „besonders besorgniserregender Stoffe“. Je nach Produktgruppen können zudem chemische Checks nach LFBG, Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch, und ASTM, American Society for Testing and Materials, durchgeführt werden.

Welche Spielzeugmaterialien prüfen Sie? Und wie?

Wie genau geprüft wird, liegt beim jeweiligen Hersteller. Jeder hat da seine eigene Vorgehensweise. Wir prüfen in jedem Fall alle Rohmaterialien, die an den Stofftieren vernäht und verarbeitet sind. Hierbei gibt es zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen Parametern auch freie, marktbestimmte Parameter und eben auch firmeninterne Parameter. Die sind oftmals sogar noch strenger als die vorgegebenen.

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