Heiß und sicher

Safety first! Ein Grundsatz, der für Feuerwehrleute entscheidend ist. Konsequente Ausbildung, perfekte Ausrüstung und technische Innovationen helfen dabei, Einsätze immer sicherer zu machen.

Jeder Handgriff wird im Übungsfall trainiert – so wie hier beim Brand eines Flugzeugtriebwerks. Foto: Monty Rakusen/Getty Images

Jeder Handgriff wird im Übungsfall trainiert – so wie hier beim Brand eines Flugzeugtriebwerks. Foto: Monty Rakusen/Getty Images

„Bei der Fahrt zum Brandort konzentrieren wir uns voll auf die bevorstehende Aufgabe. Das ganze Team. Da bleibt keine Sekunde, um an etwas anderes zu denken.“ Justin Kubek ist Feuerwehrmann in New Haven, im US-Bundesstaat Connecticut. Bei einem Einsatz gilt hier, etwa zwei Autostunden nordöstlich von New York City entfernt, was für alle Feuerwehrkräfte auf der ganzen Welt gelten sollte: Safety first! – Sicherheit geht vor!

Justin Kubek hat sein Geld zehn Jahre lang als Grafikdesigner verdient – und nebenbei von einem anderen Beruf geträumt: Feuerwehrmann! Dann die Entscheidung: „Ich mach’s!“ Kubek paukte während der Ausbildung 24 Wochen lang die „Standards for Firefighter Professional Qualifications“ der NFPA, der National Fire Protect Association. Gefahrgut- und Rettungsdienstqualifikationen folgten. Dazu Taktikschulung und hartes körperliches Training, denn nur ein fitter Feuerwehrmann kann die knapp 20 Kilogramm schwere Ausrüstung schleppen. Schließlich erhält er nach drei Jahren das sogenannte Q-Endorsement, die Berechtigung zum Betrieb von Feuerlöschgeräten!

Selbstschutz spielt eine große Rolle

Auch in Deutschland dauert es drei Jahre, bis die Nachwuchskräfte in Uniform an die Löschgeräte dürfen. „Und das Thema Selbstschutz spielt auch bei uns bei der Ausbildung eine immer wichtigere Rolle“, bestätigt Andreas Rudlof, Feuerwehrchef am Stuttgarter Flughafen. Zwar sei die Schutzkleidung gegen Hitze und Rauch erheblich verbessert worden, doch auch die Taktiken zur Brandbekämpfung hätten sich weiterentwickelt und würden regelmäßig trainiert.

Flughafen-Feuerwehren simulieren zum Beispiel Kabinen- oder auch Triebwerksbrände. Dazu sind an vielen Flughäfen Brandsimulationsanlagen vorhanden oder es wird, wie in Stuttgart, eine mobile Anlage aus mehreren Containern aufgebaut, die Raum für alle erdenklichen Szenarien bietet. Die Gänge im Inneren sind Flugzeugen nachempfunden, inklusive Toiletten­attrappe. 70 Kilogramm schwere Dum­mys sitzen als Passagiere in den Reihen.

Das Programm „Everyone Goes Home“ setzt sich dafür ein, die Anzahl der vermeidbaren Todesfälle bei der Feuerwehr zu reduzieren. Foto: Monty Rakusen/Getty Images

Das Programm „Everyone Goes Home“ setzt sich dafür ein, die Anzahl der vermeidbaren Todesfälle bei der Feuerwehr zu reduzieren. Foto: Monty Rakusen/Getty Images

Rudlof: „Einmal im Jahr muss jeder Kollege hier eine solche heiße Übung absolvieren. Zum Selbstschutz tragen Einsatztaktiken in Dreier- oder Fünfer-Trupps bei.“ Moderne Fahrzeuge vom Typ Ziegler Z8 mit Löschgelenkarmen haben bis zu 19.000 Liter Wasser an Bord und halten Löschtrupps auf Distanz zum lebens­gefährlichen Brandherd. In den USA setzt sich seit 2004 eine Initiative dafür ein, die Anzahl der vermeidbaren Todesfälle bei der Feuerwehr zu reduzieren. „Everyone Goes Home“ heißt die Devise und zugleich auch das Programm, das von der National Fallen Firefighters Foundation gegründet wurde. Jeder Feuerwehrmann soll sicher wieder heimkehren können. Starben in den 1980er-Jahren laut NFPA jährlich durchschnittlich bis zu 150 Feuerwehrleute bei oder direkt nach Einsätzen, sind es in den letzten Jahren jeweils nur noch weniger als 70 solcher Todesfälle, knapp die Hälfte durch plötzlichen Herzstillstand.

Technologie für mehr Sicherheit bei der Feuerwehr

Das „Everyone Goes Home“-Programm bietet weiterführende Schulungen an und hat 16 Regeln für die örtlichen Wehren aufgestellt, die „Firefighter Life Safety Initiatives“: Sie beginnen mit einem transparenten und kritikfähigen Miteinander, betreffen permanente Weiterbildung, körperliches Training und münden in der psychologischen Betreuung der Mannschaft zur Aufarbeitung traumatischer Einsätze. Das Programm fordert aber auch den Einsatz moderner Technologie, wo immer sie zur Gesundheit und Sicherheit der Einsatzkräfte beitragen kann. Andreas Rudlof sieht im Fortschritt der Digitalisierung großes Potenzial für die Prävention, aber ebenso für die Brandbekämpfung. Erkundungen mit Drohnen zum Beispiel könnten in Echtzeit eine Beurteilung der Lage erleichtern. In den USA sind zum Beispiel bereits seit Jahren unbemannte Flugsysteme (UAS, Unmanned Aerial Systems) vor allem bei Wildnisbränden, in komplexen Gebäuden oder auch Tunneln im Einsatz. Professionelle Copter verfügen über ein System zur Kollisionsvermeidung und können mit einer Zoom- und einer Wärmebildkamera ausgestattet werden, die wackelfreie Videos liefern.

ScanEagle ist mit Infrarot­kameras und GPS ausgestattet und wird vor allem bei ausgedehnten Bränden eingesetzt. Foto: Boeing Thermite heißt das wendige ferngesteuerte Raupenfahrzeug, das fast 5.000 Liter Wasser pro Minute bis zu 80 Meter weit werfen kann. Foto: Howe and Howe Technologies

Bewährt hat sich bei ausgedehnten Bränden auch ein UAS namens ScanEagle. Der Metall­vogel von 1,50 Meter Länge hat eine Spannweite von drei Metern. Er wird von einer Startrampe in die Luft katapultiert, kann etwa 20 Stunden lang fliegen und ist mit Infrarotkameras ausgestattet. Piloten am Boden navigieren den Flieger und geben Videoinformationen und GPS-Daten an die Brandbekämpfer weiter. „Damit finden wir Brandnester von der Größe eines Esstellers“, sagt J. D. Morton, der für das Bureau of Land Management in Fairbanks, Alaska, arbeitet. Am Boden gilt in Nordamerika das mobile ferngesteuerte Feuerlöschfahrzeug des dortigen Marktführers „Howe and Howe Technologies“ aktuell als das Nonplus­ultra zum effektiven Löschen und zum Schutz der Einsatzkräfte. Die Kettenfahrzeuge des Typs Thermite können fast 5.000 Liter Wasser pro Minute bis zu 80 Meter weit werfen. Die wendigen Raupen trotzen größter Hitze und werden selbst über Entfernungen von mehr als 1.000 Metern navigiert. Sie sind mit Kameras und Sensoren ausgestattet, die auch bei schlechter Sicht verlässlich arbeiten können. „Solche Technologien geben uns hilfreiche Informationen für unseren Job und erhöhen die Sicherheit. Das wird sich weiterentwickeln“, ist auch Justin Kubek, der frisch ausgebildete Feuerwehrmann aus New Haven, überzeugt.

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