Key Skill: Emotionale Intelligenz

Die Coronavirus-Pandemie fordert die Welt täglich heraus. Emotionale Intelligenz ist für Angestellte und Chefs in der aktuellen Krisensituation eine entscheidende Größe. Dazu gehört flexibles Agieren, aber auch andere wichtige Skills. 

Nicht nur fachliche, auch emotionale Kompetenz ist heutzutage wichtig. Foto: Shutterstock – pathdoc/Satenik Guzhanina; Montage: Frieser

Nicht nur fachliche, auch emotionale Kompetenz ist heutzutage wichtig. Foto: Shutterstock – pathdoc/Satenik Guzhanina; Montage: Frieser

In der Krise beweist sich der Charakter“, sagte einst der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. Ob auf der weltpolitischen Ebene, im wirtschaftlichen Bereich oder im Privaten: Die weltweite Krise, die durch die COVID-19-Pandemie ausgelöst wurde, hat Einfluss auf nahezu alle Bereiche des Lebens. Die täglichen Routinen müssen neu erdacht und organisiert werden. „Der persönliche mentale Umgang mit dem Ganzen ist ein entscheidender Punkt“, sagt Unternehmensberater Klaus Merg. Der Diplompädagoge schult Personalverantwortliche, Vorstände und Mitarbeiter unter anderem im Bereich Persönlichkeits- und Teamentwicklung.

In Krisensituationen sei die situative Flexibilität gefragt, denn es kann von einem Tag auf den anderen plötzlich ganz anders aussehen. Das sich Zurechtfinden unter neuen Rahmenbedingungen stellt auch den Arbeitsalltag auf die Probe. Sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte sind im besonderen Maße gefordert. „Es geht heute vielmehr darum, nicht nur eine fachliche oder technische Kompetenz zu haben, sondern auch eine emotionale“, führt Merg aus.

Instrumente für den Erfolg

Um die Produktivität zu steigern, die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern sowie Beziehungen zu Kunden zu verbessern und die marktpolitische Stellung auszubauen, kann die emotionale Kompetenz ein entscheidender Faktor sein. Führungskräfte können sie als Steuerungsinstrument einsetzen, um beispielsweise Mitarbeiter zu motivieren oder Spannungen in Teams aufzulösen.

Bei der emotionalen Kompetenz handelt es sich um eine Erweiterung des Begriffs von Intelligenz, der ursprünglich die rein akademischen Fähigkeiten als Voraussetzung für den Erfolg im Leben und vor allem im Beruf umfasste. Der Terminus „Emotionale Intelligenz“ ist in der Psychologie seit 1990 besonders geprägt worden. Die vier Merkmale Emotionaler Intelligenz sind: Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung, Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz. Letzteres schließt beispielsweise innerbetriebliches Beziehungsmanagement genauso ein wie die Fähigkeit, erfolgreich zu netzwerken.

„Der Trend geht weg vom Spezialisten hin zum Generalisten“, erläutert der Geschäftsführer der Unternehmensberatung Merg & Mohr die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. In Zeiten von globalen Marktzusammenhängen von Unternehmen, wo es darum geht, die Wünsche von Kunden weltweit zu erfüllen, sind Fähigkeiten gefragt, die diese Komplexität erfassen können. Dazu gehört auch, belastungsfähig zu sein, eigenverantwortlich zu handeln und vor allem situativ richtig zu handeln. In Krisenzeiten finden sich emotional intelligente Mitarbeiter besser mit neuen Gegebenheiten zurecht und finden Lösungswege für unbekannte Situationen.

Foto: Shutterstock - Satenik Guzhanina

Foto: Shutterstock – Satenik Guzhanina

Kernkompetenz der Zukunft

Eine Studie des Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmens Capgemini hat unter anderem ermittelt, dass die Emotionale Intelligenz in den nächsten fünf Jahren eine Kernkompetenz sein wird, die ein Mitarbeiter mitbringen müsse. 83 Prozent der an der Studie „Emotional Intelligence – the essential skillset for age of AI“ teilnehmenden Unternehmen sehen eine „hochgradig emotional intelligente Mitarbeiterschaft“ als Grundvoraussetzung für den Erfolg. Das Besondere: Auch und vor allem in Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz werden laut Studie Fähigkeiten wie Selbstmanagement und Kommunikationstalent eine entscheidende Rolle spielen.

Wer jetzt schon erfolgreich ist, hat die Kultur der Emotionalen Intelligenz bereits fest ins Mitarbeitercoaching integriert. Dazu gehören Unternehmen wie Google und Amazon. Und Erfolgsfaktoren spiegeln sich nicht nur in höherer Mitarbeiterzufriedenheit, sondern auch in wachsenden Marktanteilen, höherer Produktivität und niedrigerer Krankheits- und Fluktuationsquote wider. Laut der Capgemini-Studie haben 60 Prozent der Unternehmen höhere Gewinne durch 20 Prozent ihrer Mitarbeiter, die eine hohe EI zeigen. Die EI wird mittels standardisierter psychologischer Fragen ermittelt. Der Test umfasst dabei etwa 100 Aufgaben zur Wahrnehmung, zum Wissen und zur Kontrolle von Emotionen und deckt die vier Bereiche der Emotionalen Intelligenz ab.

Emotionale Intelligenz als Teil der Unternehmenskultur

Dass die Förderung von EI unter der Mitarbeiterschaft sich nicht nur positiv auf das Sozialgefüge in Unternehmen auswirkt, sondern auch auf die wirtschaftlichen Faktoren, weiß auch Merg aus seiner Erfahrung als Berater zu berichten: „Man sieht es an messbaren Größen wie Umsatz und Krankenstand, aber auch an der längerfristigen Mitarbeitermotivation und der Loyalität zum Unternehmen.“ In Krisenzeiten werden Mitarbeiter und Führungskräfte auf eine Bewährungsprobe gestellt. Es geht um Menschenorientierung und authentische Mitarbeiterführung. Dass sich die EI auch trainieren lässt – und zwar unabhängig von der Hierarchieebene –, zeigt Merg anhand von Instrumenten wie dem Insights Discovery Modell, das auf psychologischen Prinzipien und Methoden basiert, bei der die Ausrichtung der Persönlichkeit bestimmt wird.

Je früher die EI zum Bestandteil der Unternehmenskultur wird, desto erfolgreicher und stabiler kann ein Unternehmen Krisensituationen meistern. Dabei stehen den Verantwortlichen auch die Experten von DEKRA zur Seite und bieten Beratung für Krisen- und Risikomanagement sowie Services rund um Arbeits- und Gesundheitsschutz. Unabhängig von der Größe können Unternehmen die DEKRA Experten mit der Identifikation und Analyse der Krisensituation sowie der Entwicklung von Strategien zur Bewältigung der Krise beauftragen. Im aktuellen Fall der Coronavirus-Pandemie helfen die Experten mit ganz konkreten Tipps und Antworten auf die gängigen Fragen und haben dazu eine neue Website eingerichtet: www.dekra.de/krisenmanagement. Mit gezielten Maßnahmen wie Beratung, Analysen und Trainings lassen sich Lösungswege ermitteln, um Krisensituationen möglichst souverän zu meistern.

 

Drei Fragen an Klaus Merg

Klaus Merg ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung Merg & More Consultants GmbH in der Schweiz. Zusammen mit seinem Team bietet er Trainings, Seminare und Weiterbildungen unter anderem in den Bereichen interkulturelle Kompetenz, Verkauf, Soft Skills und Mitarbeiterführung.

Welche Schlüsselqualifikationen oder -kompetenzen zeichnen den Mitarbeiter der Zukunft aus?

Klaus Merg ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung Merg & More Consultants GmbH. Foto: Klaus Merg

Da gibt es viele. Es kommt darauf an, in welchem Bereich er oder sie tätig ist und auf welcher Ebene. Der Trend geht weg vom Spezialisten hin zum Generalisten. Weil der Mitarbeiter der größte Kostenfaktor eines Unternehmens ist und man sich nicht für jede Tätigkeit einen Angestellten leisten kann, sind Menschen gefragt, die sich auf mehreren Gebieten auskennen. Das heißt, ich muss Kompetenzen aufbauen, um zum Beispiel Kollegen, die im Urlaub oder Krankenstand sind, zumindest teilweise zu ersetzen.

Welche Eigenschaften sind hilfreich, um als Führungskraft oder Mitarbeiter eines Unternehmens eine Krisensituation zu meistern?

Ich glaube, die Krise, die wir derzeit erleben, ist eine einzigartige. Sie bedeutet Einschränkungen in jedem Bereich unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft. Der mentale Umgang damit ist daher entscheidend. Ein Ansatz ist, zu sagen: O.k., es ist eine außerordentliche Situation, deshalb gibt es kein vorgefertigtes Konzept, dem ich folgen kann. Ich brauche eine hohe Flexibilität, um dann anzupacken und das Beste daraus zu machen.

Bedeutet das, dass die emotionale Intelligenz, insbesondere in Krisenzeiten und darüber hinaus, sich als Schlüsselqualifikation erweisen könnte?

Ich habe dieses Thema bereits 1995 in meine Trainings und Coachings aufgenommen. Damals war das für viele Führungskräfte überhaupt nicht interessant. Heute jedoch geht es vielmehr darum, nicht nur eine fachliche oder technische Kompetenz zu haben, sondern auch eine emotionale. Die Führungskräfte, die es in Krisen schaffen, diese Rolle authentisch auszufüllen, das heißt, mit den Nöten, den Ängsten, den Fragen der Mitarbeiter umzugehen, das sind auch die, die im Moment erfolgreich sind. Sie legen damit auch eine gute Basis für alles, was nach dieser Krise kommt.

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