Corona-Pandemie: Das Unmögliche möglich machen

Teamwork bei Supercomputern, Produktionsumstellung oder beschleunigte Prüfprozesse: Die Corona-Krise bringt ungewöhnliche Ideen mit sich, die in normalen Zeiten so eher nicht denkbar gewesen wären.

Logistik-was geht, wenn nichts mehr geht. Foto: Shutterstock - yuttana Contributor Studio

In der Krise agieren Unternehmen in ungewöhnlicher Weise und sind offen für Kooperationen. Foto: Shutterstock – yuttana Contributor Studio

Gigantische Rechenpower

Im normalen Tagesgeschäft stehen Microsoft, Google, Amazon und IBM im harten Wettbewerb zueinander. Doch jetzt haben die Tech-Giganten gezeigt, dass es auch ein Miteinander geben kann. Unter der Schirmherrschaft der US-Regierung haben sie sich – unter anderem gemeinsam mit weiteren Partnern wie der Nasa und dem Massachusetts Institute of Technology – zum „Covid-19-High-Performance Computing Consortium“ zusammengetan, um die Forschung bei der Suche nach wirksamen Mitteln zu unterstützen. Zum Konsortium gehören aktuell 16 Supercomputer-Systeme mit Rechenkapazitäten von 330 Petaflops. Zur Information: Ein Petaflop entspricht einer Billiarde Rechenoperationen pro Sekunde. Was ein Supercomputer leistet, zeigt der von IBM entwickelte „Summit“. Mit dessen Hilfe konnten Forscher des Oak Ridge National Laboratory in nur zwei Tagen aus über 8.000 Verbindungen 77 Wirkstoffe herausfiltern, die für den Kampf gegen Covid-19 in Frage kommen. Mit herkömmlicher Laborforschung hätte dies Jahre gedauert.

Unternehmen helfen Unternehmen

Klopapier und Nudeln ins Regal räumen, anstatt Burger und Pommes braten? Kein Problem, dachten sich McDonald’s und Aldi, die während der Corona-Krise eine bislang einzigartige Kooperation eingegangen sind. Hintergrund: Da die massiv gestiegene Nachfrage nach Lebensmitteln die Kapazitäten des Discounters insbesondere in Verkauf und Logistik massiv belastete und auf der anderen Seite zahlreiche Filialen der Fast-Food-Kette geschlossen waren, vereinbarten die beiden Branchenriesen kurzerhand eine Personalpartnerschaft. Hierbei wurden Mitarbeiter von McDonald’s gezielt an Aldi vermittelt und dort nach Bedarf eingesetzt.

Desinfektionsmittel statt Parfüm

Luxuskonzerne wie zum Beispiel Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) mit Sitz in Paris verdienen ihr Geld eigentlich mit Parfüm, Champagner, Schmuck, Uhren und anderen wertvollen Gütern. Mitte März 2020 hat Firmenchef Bernard Arnault allerdings drei Standorte der Kosmetik- und Parfümsparte seines Konzerns angewiesen, in Anbetracht der Knappheit an Desinfektionsmitteln in Frankreich hydroalkoholische Gels zu produzieren. Im Vordergrund stand dabei nicht der eigene Profit. Vielmehr wurden die Gels gratis verteilt – vorrangig an Krankenhäuser in Frankreich. Der Initiative von LVMH haben sich noch andere französische Kosmetikhersteller wie L’Oréal, Rocher oder Sisley angeschlossen. In die Produktion von Desinfektionsmitteln sind in der Corona-Krise darüber hinaus in Deutschland unter anderem auch Alkoholhersteller wie Jägermeister, Klosterfrau oder Pernod Ricard eingestiegen.

Obst und Gemüse vom Paketboten

Wenn vor der Haustüre das gelbe DHL-Fahrzeug hält, weiß man: Jetzt kommt endlich das bestellte Paket. Im vom Coronavirus besonders stark betroffenen Raum Heinsberg belieferten die Deutsche Post und DHL Paket speziell ältere Bürger und weitere Risikogruppen von Ende März bis Mitte Mai 2020 aber auch mit ungekühlten Lebensmitteln und alltäglichen Haushaltswaren. Als Einzelhändler mit im Boot ist seit Beginn des Projekts Rewe, wenig später kam auch noch Edeka hinzu. Vergleichbare Projekte hat DHL mit Partnern auch außerhalb von Deutschland realisiert – so zum Beispiel in Australien gemeinsam mit Woolworth sowie in Großbritannien mit Morrisons.

Vereinfachte Normen und Regeln

Schutzausrüstung und medizinische Produkte wie Atemschutzmasken und Beatmungsgeräte werden in der Corona-Krise dringender denn je benötigt. Seit einigen Wochen unterstützen deshalb auch zahlreiche Unternehmen der Automobil- und Zulieferindustrie die medizintechnische Produktion und die Herstellung von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA). So fertigt zum Beispiel der Daimler-Konzern mit Hilfe von 3D-Druckern einzelne Bauteile, die für die Produktion von medizinischem Equipment benötigt werden. Die spanische VW-Tochter Seat baut mechanische Beatmungshilfen. Mahle und der Unterwäschehersteller Triumph arbeiten bei der Herstellung von Atemschutzmasken zusammen. Eigens zu diesem Zweck haben die Marktaufsichtsbehörden auf Empfehlung der EU-Kommission) vom 13. März 2020 vereinfachte Prozesse für den Markteintritt definiert. Nach diesem beschleunigten Verfahren testen und zertifizieren übrigens auch die Testlaboratorien von DEKRA in Arnheim (Niederlande) und Málaga (Spanien) Beatmungsgeräte für Patienten in Krankenhäusern.

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