Straßenverkehr: Ein Leben lang sicher

Wie schaffen wir es, ältere Menschen im Straßenverkehr besser zu schützen? Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2021 zeigt auf, welche Maßnahmen in den Themenfeldern Mensch, Fahrzeugtechnik und Infrastruktur dazu beitragen können.

Senioren Fahren Cabrio
Auch im Alter sicher unterwegs. Foto: stock adobe / Alessandro Biascioli

Die Unfallstatistiken der Europäischen Kommission sollten zu denken geben: Seit Jahren entfallen in der Europäischen Union (EU) mehr oder weniger unverändert knapp 30 Prozent aller Verkehrstoten auf die Altersgruppe 65+. Unter den im Straßenverkehr getöteten Fußgängern und Radfahrern machen Senioren sogar nahezu die Hälfte aus. Einer der Gründe ist die höhere Vulnerabilität mit zunehmendem Alter, also das im Vergleich zu jüngeren Menschen höhere Risiko, bei identischen Unfallbelastungen schwerere oder tödliche Verletzungen zu erleiden.

Weltweit mehr Unfalltote über 65 Jahre

Dass ältere Verkehrsteilnehmer auf den Straßen grundsätzlich ein erhöhtes Unfallrisiko haben, gilt nicht nur für die EU, sondern für weite Teile der Welt. Nach Angaben des Institute for Health Metrics and Evaluation der University of Washington in Seattle stieg weltweit die Zahl der bei Unfällen getöteten 65- bis 69-jährigen Verkehrsteilnehmer zwischen 1990 und 2019 um über 65 Prozent von 39.000 auf rund 65.000. Allein in Asien verdoppelte sich die Zahl von 20.000 auf über 40.000. Bei den über 70-Jährigen betrug die Steigerungsrate weltweit über 80 Prozent – von 82.000 auf knapp 150.000. Erneut macht hier Asien den Löwenanteil aus: 2019 kamen dort mit knapp 92.000 Getöteten etwa zweieinhalbmal so viele über 70-Jährige bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben wie 1990. Es besteht also dringender Handlungsbedarf, zumal der Anteil der Senioren unter allen Verkehrsteilnehmern angesichts der demografischen Entwicklung weiter zunehmen wird. Gemäß der von den Vereinten Nationen veröffentlichten „World Population Prospects 2019“ war 2019 weltweit jeder elfte Mensch über 65 Jahre alt, 2050 soll es jeder sechste sein. In Europa und Nordamerika könnte 2050 sogar bereits jeder vierte Einwohner 65 Jahre oder älter sein.

VSR 2021 Traffic Fatality Numbers 2010 bis 2018

Laut der International Traffic Safety Data and Analysis Group (IRTAD) sank in den von ihr untersuchten Ländern im Zeitraum 2010 bis 2018 die Zahl der Verkehrstoten in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen um 25 Prozent und für die 25- bis 64-Jährigen um 6,9 Prozent. Im gleichen Zeitraum zeigte sich bei den Senioren ein gegenläufiger Trend. So stieg die Zahl der bei Unfällen tödlich verletzten über 65-Jährigen um rund sieben Prozent, diejenige der über 75-Jährigen um 4,7 Prozent.

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DEKRA Verkehrssicherheitsreport deckt Schwachstellen auf

Um die Sicherheit von Senioren im Straßenverkehr bis ins hohe Alter zu gewährleisten, stellt der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2021 die unterschiedlichsten Maßnahmen vor. Zur Sprache kommen dabei Überwachungs-, Beratungs- und Begutachtungsmaßnahmen ebenso wie Gestaltungslösungen in Sachen Fahrzeugtechnik und Infrastruktur sowie integrative Mobilitätskonzepte.

Betrachtet man unter den verschiedenen Verkehrsteilnehmern die Pkw-Fahrer etwas genauer, so stellt man fest, dass für die Altersgruppe 65+ insbesondere komplexe Verkehrssituationen eine große Herausforderung sind: Schwierig zu überblickende Kreuzungen oder das Zusammentreffen verschiedener Verkehrssysteme erhöhen die Belastung. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen umfangreicher Verhaltensbeobachtungen mit älteren Kraftfahrern wider, wonach das Befahren von Kreuzungen und das Abbiegen nach rechts oder links besonders gefahrenträchtige Situationen sind. Auch das Abschätzen von Geschwindigkeiten und Entfernungen fällt mit zunehmendem Alter schwerer.

Jann Fehlauer, Geschäftsführer der DEKRA Automobil GmbH:
„Es muss dringend gehandelt werden, um weltweit das Unfallrisiko von Seniorinnen und Senioren zu minimieren und dennoch gleichzeitig die Mobilität älterer Menschen im Sinne gesellschaftlicher Teilhabe zu erhalten.“

Viele ältere Fahrer können ihr Fahrverhalten an die abnehmende Leistungsfähigkeit anpassen, indem sie sogenannte Kompensationsstrategien nutzen. Einerseits werden bestimmte Situationen gemieden, beispielsweise das Fahren bei Dunkelheit, die Rushhour in Städten, Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen, Fahren bei schlechten Wetterbedingungen sowie Situationen mit unübersichtlichem Umfeld. Andererseits wird in den vorhandenen Situationen die Geschwindigkeit reduziert, der Sicherheitsabstand vergrößert und generell defensiver gefahren oder es werden Assistenzsysteme zum Abstandhalten oder Einparken verwendet. Technologie unterstützt Senioren dabei nicht nur als Kraftfahrer, sondern schützt sie auch als Fußgänger oder Radfahrer.

Rückmeldefahrten für langen Mobilitätserhalt

Beim Erhalt ihrer Fahrkompetenzen und der Bewältigung komplexer Verkehrssituationen können ältere Kraftfahrer zudem beispielsweise in Form qualifizierter begleiteter Rückmeldefahrten unterstützt werden. Ziel soll dabei nicht in erster Linie das etwaige Einstellen des Fahrens sein, sondern es sollen Möglichkeiten zum Erhalt einer sicheren Mobilität im Alter aufgezeigt werden.

Nachzulesen sind die hier genannten sowie viele weitere Fakten und Empfehlungen zur Sicherheit von Senioren im Straßenverkehr im neuesten DEKRA Verkehrssicherheitsreport. Er steht online unter www.dekra-roadsafety.com zur Verfügung.

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