Abgasmessung der Zukunft: Clemens Klinke im Interview (Teil 3/3)

Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE und verantwortlich für die Business Unit DEKRA Automotive, über Manipulationen, Testverfahren und Herausforderungen für die Autohersteller.

Abgasmessung PEMS-Gerät

Durch das PEMS-Gerät werden Manipulationen beim Abgas deutlich erschwert. (Bild: Dörte Neitzel)

Niederlassungsleiter-Tagung

Clemens Klinke (Bild: DEKRA)

Wie lassen sich künftig Manipulationen frühzeitig erkennen?

„Zum einen ist es wichtig, dass man im Rahmen der Typzulassung mehr Augenmerk auf die Softwarestände der Steuergeräte legt. Sie müssen bei der Typprüfung besser dokumentiert und diese Information den Prüforganisationen für die periodische Fahrzeugüberwachung bereitgestellt werden. Bei den Conformity-of-Production-Prüfungen (CoP) der Hersteller müssen deren Prozesse und Prüfergebnisse noch mehr durch Behörden oder unabhängige Institutionen mit eigenen Tests kontrolliert werden. Daneben müssten aus unserer Sicht auch schon im Betrieb befindliche Fahrzeuge routinemäßig in Stichproben auf ihr Emissionsverhalten hin nachkontrolliert werden. Und natürlich brauchen wir vor allem eine realitätsnähere Typprüfung. Wir sind dafür, den geplanten neuen Prüfstandzyklus WLTP in Kombination mit so genannten Real-Driving-Emission-Tests (RDE) auf der Straße so schnell wie möglich einzuführen. Die EU hat beides für September 2017 schon seit längerem beschlossen.

Kann die neue Testkombination aus WLTP und RDE Manipulationen verhindern?

„Künftig würden Softwaremanipulationen spätestens beim Straßentest mit dem portablen Messgerät (PEMS) sichtbar werden. Die dort gemessenen Werte dürfen zwar über denen auf dem Prüfstand liegen, dafür gibt es entsprechende Anpassungsfaktoren. Werden diese errechneten Werte jedoch in der Praxis signifikant überschritten, würde schnell klar, dass hier etwas nicht stimmt.“

Was wird sich für die Autohersteller und -käufer mit dem neuen System der Abgasmessung ändern?

„Einige Hersteller werden ihre Modelle technisch aufrüsten müssen, so viel steht fest. Dieselmotoren werden um eine NOx-Abgasnachbehandlung kaum herumkommen. Diese kann aus einem Speicherkatalysator, einem SCR-Katalysator mit AdBlue-Einspritzung bestehen, oder aus einer Kombination von beidem. Da künftig auch die Partikel in die Messung eingehen, werden auch direkt einspritzende Ottomotoren (Benziner) einen Partikelfilter benötigen. Das bedeutet insgesamt aber auch: Das Mehr an Technik wird sich wohl im Preis der Autos niederschlagen.“

Mehr lesen:

Teil 1: Abgasmessung der Zukunft: Ab auf die Straße!

Teil 2: Abgasmessung der Zukunft: weltweit einheitlich