New Mobility: VW trifft auf die Generation Y

Was bewegt die Generation Y und vor allem wie bewegt sie sich? Jürgen Stackmann, Markenvorstand des Volkswagen-Konzerns, hat großes Interesse daran. Im Chat trifft er auf eine Gruppe von Studierenden, die auch Bezug zur Branche hat.

Die Studierenden der Ostfalia Hochschule und Prof. Dr. Antje Helpup treffen VW Vorstandsmitglied Jürgen Stackmann im Chat. Foto: Roman Brodel

Die Studierenden der Ostfalia Hochschule und Prof. Dr. Antje Helpup treffen VW Vorstandsmitglied Jürgen Stackmann im Chat. Foto: Roman Brodel

Jürgen Stackmann steht der digitalen Transformation in hoher Verantwortung gegenüber. Als Mitglied des Markenvorstands bei VW ist er auch für Marketing und Vertrieb zuständig. Es blitzt erwartungsvolle Vorfreude in seinen Augen auf, als er die Chatgruppe mit den Studierenden eröffnet.

Die Studierenden im Chat mit Jürgen Stackmann. Foto: ETM

Die Studierenden im Chat mit Jürgen Stackmann. Foto: ETM

Katharina Steube, Miriam Wohlgemuth, Alexander Vogel und Marvin Leicht, alle zwischen 22 und 25 Jahre, sind überrascht, wie locker Stackmann mit ihnen hin und her postet und so lassen die vier schnell ihrer Neugier freien Lauf. Als Wirtschaftswissenschaftler in Wolfsburg haben sie genug Branchenkenntnisse, um auch knifflige Fragen zu stellen, scheuen sich nicht, das Auto und seine Zukunft generell infrage zu stellen. „Da habe ich kein Problem mit“, sagt Stackmann. „Ich habe selber vier Kinder, die alle einen anderen Blick aufs Auto haben. Mein einer Sohn möchte gar kein Auto, der andere hegt und pflegt seinen Golf GTI, die eine Tochter kann es nicht abwarten, den Führerschein zu machen, für die andere ist das Auto schlicht ein Transportmittel.“

Fotos: Roman Brodel

Fotos: Roman Brodel

New Mobility: Was ist attraktiv am Auto?

Ähnlich hinterfragen auch die Studierenden die künftige Attraktivität eines eigenen Wagens. Sie sind es gewohnt, in öffentlichen Verkehrsmitteln zur Hochschule zu kommen, lesen während der Fahrt etwas oder beantworten ein paar E-Mails. Für Stackmann eine gute Vorlage, da das autonom fahrende Auto diese Möglichkeiten mit dem Bonus der Individualität verbinden soll. „Die Freiheit, sich unabhängig zu bewegen, wohin und wann man will, das will sich auch in Zukunft keiner nehmen lassen“, sagt er.

Mit den Vorteilen des E-Commerce groß geworden, hinterfragt das Quartett auch die überkommene Handelsstruktur des Automobilriesen. „Braucht es eigentlich noch Autohäuser?“, will Alexander Vogel wissen. Der 23-Jährige möchte später selber im Automobilvertrieb arbeiten. Stack­mann hat den Post geahnt und lächelt das Display seines Tablets an, verweist auf die Bedeutung, die Konfiguratoren und virtuelle Ansichten der Websites schon jetzt haben. Doch für ihn wird der Händler stets die Basis bleiben: „Hier gibt es das Auto zum Anfassen und Probefahren, dazu die ganzen Serviceleistungen danach.“

Fotos: Roman Brodel

Fotos: Roman Brodel

Wer gestaltet Mobilität?

„Aber werden es nicht dennoch Google, Apple und Co. sein, die die Zukunft der Mobilität bestimmen?“ Stackmann kann die Frage nachvollziehen, da die Durchdringung mit Alltagsservices durch die genannten Firmen sehr hoch ist. Er zeigt sich offen für Kooperationen mit den IT-Riesen und verweist auf die bestehende Zusammenarbeit mit IBM und deren künstlicher Intelligenz namens Watson. „Das hilft uns, den Kunden zur richtigen Zeit, am richtigen Ort die richtigen Angebote zu machen.“ Gemeint sind damit auch passende Mobilitätsdienstleistungen.

Unvermeidbar, dass die Chatter auch auf die Innovationskraft des ­Autogiganten kommen. Denn auch im Pkw selbst soll die künstliche Intelligenz durch ihre Lernfähigkeit den Nutzer besser unterstützen, etwa indem sie Fahrziele aus dem Kalender mit Reichweiten der Antriebsenergie abgleicht und Empfehlungen ausspricht. Schon heute nutzen 2,6 Millionen VW-Fahrer das markeneigene Car-Net. Künftig wird dazu noch mehr die Sprache dienen. So selbstverständlich wie manche Leute heute schon ihre Alexas und Siris benutzen.

Jürgen Stackmann ist seit November 2015 als Mitglied des Markenvorstands bei VW zuständig für die Geschäftsbereiche Vertrieb, Marketing und After Sales. Foto: Roland Niepaul

Jürgen Stackmann ist seit November 2015 als Mitglied des Markenvorstands bei VW zuständig für die Geschäftsbereiche Vertrieb, Marketing und After Sales. Foto: Roland Niepaul

Um den Konzern an die Spitze der neuen Mobilität zu führen, will das Vorstandsmitglied die ganze Marke noch wettbewerbsfähiger gestalten. So soll die operative Rendite bis 2025 auf sechs Prozent steigen und zu diesem Zeitpunkt soll VW auch die Marktführerschaft bei der E-Mobilität anstreben. Die Studierenden hören es mit Interesse, denn für sie ist der Konzern durchaus ein interessanter Arbeitgeber und die Absolventin Miriam Wohlgemuth hat sogar schon angedockt. Sie übt ihren Traumberuf als Manager of Happiness im Digital Lab des Konzerns aus, sorgt für Freude und Motivation im Team. Im Silicon Valley längst etabliert, sorgt diese Jobbezeichnung andernorts oft noch für Fragezeichen. Doch so, wie sich die Autos und ihr Vertrieb ändern, scheint es auch für die Jobs dahinter zu gelten.

Automotive Trend Forum für Vorwärtsdenker

Eine Austauschplattform zwischen Führungskräften der Branche, aber auch mit dem engagierten Nachwuchs bietet das Automotive Trend Forum (ATF). Dieser internationale Wissenschafts- und Wirtschaftskongress greift die aktuellen Trends im Automobilvertrieb und -marketing auf. Die ganztägige Veranstaltung findet im CongressPark Wolfsburg statt. Die rund 600 internationalen Teilnehmer kommen aus Wirtschaft und Wissenschaft. Die hochkarätigen Experten aus aller Welt präsentieren aktuelle Studien, Best-Practice-Beispiele und zeigen Lösungsansätze für verschiedenste Herausforderungen. Neben zahlreichen Managern des Volkswagen-Konzerns kommen die Teilnehmer auch von anderen Automobilherstellern, der Zulieferindustrie, vom Automobilhandel und vom Mittelstand. Die wissenschaftlichen Vertreter sind hauptsächlich Professoren, Mitarbeiter und Studierende der Ostfalia Hochschule oder von deren Partnerhochschulen im Ausland.

Die rund 600 internationalen Teilnehmer kommen aus Wirtschaft und Wissenschaft. Foto: Kurt Ringlebe

Die rund 600 internationalen Teilnehmer kommen aus Wirtschaft und Wissenschaft. Foto: Kurt Ringlebe

Weitere Informationen zum Kongress: www.atf-wolfsburg.de

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