Bye bye, Parkplatzsuche!

Ohne Stress, ohne Kratzer und vor allem ohne Zeitverlust: Im Parkhaus der Zukunft sucht das Auto selbstständig seinen Stellplatz.

Sensoren scannen den freien Platz zum Parken. Foto: Fotolia - Golden Sikorka

Sensoren scannen den freien Platz zum Parken. Foto: Fotolia – Golden Sikorka

Es ist zum Haareraufen. Seit einer gefühlten Ewigkeit kurvt der Architekt Moritz P. bereits auf der Suche nach einem Stellplatz durch ein Hamburger Parkhaus. Nur nicht die Geduld verlieren und eine Schramme riskieren. Moritz P. flucht – zur Baubesichtigung mit seinem Chef kommt er jetzt zu spät.

Er ist nicht der Einzige mit einem Parkproblem. Pro Jahr verschwenden Deutschlands Autofahrer im Durchschnitt 41 Stunden mit der Suche nach einem Parkplatz. Diese Zeit können sie in Zukunft besser nutzen, denn bald könnten Autos selbstständig einen Stellplatz finden. Autonomes Parken ist nicht nur stressfrei, es spart auch Zeit und Platz. Im Vergleich zu heute würden bis zu 20 Prozent mehr Autos in ein Parkhaus passen – ohne Kratzer oder Schrammen. Damit stünden nicht nur mehr Stellplätze zur Verfügung, sondern sie wären auch besser ausgelastet. Denn das Parkhaus von morgen weiß genau, wer gerade krank oder auf Dienstreise ist und vergibt einen leer stehenden Stellplatz in diesem Fall an einen anderen Kunden oder Arbeitskollegen.

Fahrerlose Autos manövrieren durch das Parkhaus

Daimler startete bereits letzten Sommer in Kooperation mit Bosch ein Pilotprojekt im Parkhaus des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart. Beim Automated Valet Parking stellt ein Kunde sein Auto in einer sogenannten Drop-off-Area in der Einfahrt ab und gibt per Smartphone-App den Befehl zum Einparken. Danach kann man direkt los, denn der Wagen fährt sofort wie von Geisterhand zu einem freien Stellplatz. Eine Überwachung ist überflüssig, da die angebrachten Sensoren den Wagen durch das Parkhaus leiten. Das Abholen des Wagens ist genauso unkompliziert. Man gibt dem Auto auch hier per Smartphone den Befehl zum Ausparken und kann es kurze Zeit später in der Pick-up-Area abholen.

Beim Automated Valet Parking kann der Fahrer das Parkhaus bereits verlassen, während das Auto noch parkt. Foto: Bosch

Beim Automated Valet Parking kann der Fahrer das Parkhaus bereits verlassen, während das Auto noch einparkt. Foto: Bosch

Ganz ähnlich funktioniert Autonomous Parking, das VW in Kooperation mit dem Hamburger Flughafen und der Freien und Hansestadt Hamburg erprobt und weiterentwickelt. Ab 2020 sollen die ersten Kunden den neuen Service im Parkhaus ausprobieren können. Das autonome Parksystem am Hamburger Flughafen-Terminal funktioniert ebenfalls via Smartphone. Wenn Moritz P. eine Geschäftsreise unternimmt, kann er dann bereits zu Hause einen Stellplatz per App im Voraus buchen. Am Flughafen stellt er sein Auto vor der Schranke ab, schließt es ab und startet per App den Befehl zum Einparken, das war’s. Während Moritz P. zum Terminal läuft, sucht sich sein Auto selbstständig einen freien Stellplatz. Im Parkhaus orientiert sich der Wagen durch Bildmarker an den Wänden. E-Autos fahren direkt auf Stellplätze mit Ladesäulen und werden bei Bedarf geladen.

Wenn Moritz P. weiß, wann er das Auto wieder abholen möchte, sagt er dem Auto via Smartphone Bescheid. Der Wagen sucht sich daraufhin einen freien Stellplatz, der näher an der Ausfahrt liegt. So muss er nicht länger warten als nötig. Abgerechnet wird schnell und ohne Schlangestehen ebenfalls per App. Doch damit nicht genug: Während Moritz P. auf Geschäftsreise ist, kann er sich über den We-Deliver-Service von VW bestellte Pakete oder Päckchen in den Kofferraum liefern lassen oder einen Reinigungsservice nutzen, der die frisch gereinigte Wäsche direkt ins Auto hängt. Was für eine traumhafte Vorstellung!

Das Pilotprojekt "Automated Valet Parking" ist eine Kooperation zwischen Daimler und Bosch. Foto: Bosch Die Infografik erklärt, wie das "Automated Valet Parking" funktioniert. Foto: Bosch Die Autos fahren per Smartphone-Befehl fahrerlos in den zugewiesenen Stellplatz. Foto: BoschDie Autos fahren per Smartphone-Befehl fahrerlos in den zugewiesenen Stellplatz. Foto: Bosch App Park.ME liefert Infos über die Stellplätze von über 60 Städten in Deutschland und Österreich. Foto: Park.ME Bei der Park Now App kann man seine Parkgebühren über den Mobilfunkanbieter abrechnen. Foto: Park Now Die App zeigt freie Stellplätze in der Umgebung an. Foto: Park Now Beim Autonomous Parking von VW sucht sich das Auto alleine einen Platz im Parkhaus. Foto: VW

Die Zukunft sieht also rosig aus – doch auch heute und hier hat Moritz P. schon viele Möglichkeiten, sich das Leben bei der Parkplatzsuche zu erleichtern. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Smartphone, mit dem man auf verschiedene Apps zugreifen kann.

Apps für die Parkplatzsuche

Sucht Moritz P. wieder mal vergeblich nach einer Parklücke, kann er mithilfe der App von Ampido prüfen, ob jemand stundenweise seinen privaten Stellplatz oder die Garageneinfahrt vermietet. Verfügbarkeiten sowie die Parkgebühren legt der jeweilige Besitzer über die Website ampido.de fest.

Auch Park Now zeigt Stellplätze in der Umgebung an – sei es am Straßenrand oder im Parkhaus. Per App startet und beendet der Nutzer die Parkzeit, im Parkhaus geht alles sogar ticketlos. Minutengenau bezahlt wird am Monatsende per Lastschrift und Kreditkarte. Wer sich nicht registriert, kann auch über seinen Mobilfunkanbieter abrechnen.

Mit ParkU reserviert der Nutzer seinen Parkplatz in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden sogar bis zu sechs Monate im Voraus. Bezahlt wird direkt übers Handy via Kreditkarte oder Paypal. Die Parkzeit ist individuell wählbar. Außerdem filtert die App nach Parkplatztypen.

Mit der Easy Park App braucht man keinen Parkscheinautomaten mehr zu suchen. Foto: Easy Park

Mit der Easy Park App braucht man keinen Parkscheinautomaten mehr zu suchen. Foto: Easy Park

Um stattdessen Kosten und die mögliche Abstelldauer miteinander zu vergleichen, kann Moritz P. die App Park.ME nutzen. Sie liefert Infos über die Stellplätze von über 60 Städten in Deutschland und Österreich. Abgerechnet wird minutengenau, bezahlt wird per Rechnung oder geladenem Guthaben. Wichtig: Es muss eine Parkvignette im Auto liegen. Dann erkennen die Ordnungshüter, dass ein Parkschein gelöst wurde.

Park and Joy ermittelt die aktuelle Parkzone mit aktuellen Preisen und Parkvorschriften in Hamburg. Die Parkzeit kann der Nutzer in der App individuell verlängern oder verkürzen. Eine Smart-Park-Vignette muss auch hier ins Auto.

Selbst die lästige Suche nach Parkscheinautomaten lässt sich für Moritz P. vermeiden, wenn er Easy Park nutzt. In mehr als 120 deutschen Städten bezahlt der App-Nutzer per Lastschrift, Paypal oder Kreditkarte – eine Vignette fürs Auto gibt es auch. Darüber hinaus berechnet der Service „Find & Park“ die Wahrscheinlichkeit für freie Parkplätze in bestimmten Straßenabschnitten.

Fest steht: Die Parkplatzsuche wird spätestens dann kein Problem mehr sein, wenn Moritz P. sein Auto in der Drop-off-Area des Parkhauses abgibt und sich der Wagen selbständig sein Plätzchen sucht. Um morgen seinen nächsten Termin nicht zu verpassen, wird er sich noch heute eine Park-App runterladen.

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