Höchste Lebensgefahr für die Jüngsten

Kinder müssen im Fahrzeug besser gesichert werden. Das macht ein Crash-Test von DEKRA unmissverständlich deutlich.

Der in Fahrtrichtung links sitzende Dummy ist in einem seiner Größe entsprechenden Kindersitz gut gesichert. Foto: Thomas Küppers

Der in Fahrtrichtung links sitzende Dummy ist in einem seiner Größe entsprechenden Kindersitz gut gesichert. Foto: Thomas Küppers

Die Ergebnisse einer 2018 veröffentlichten Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zur Verwendung von Kinderschutzsystemen in Pkw sind erschreckend: Danach waren in über 1.000 untersuchten Fällen in Deutschland lediglich 52 Prozent der Babys und Kinder korrekt gesichert. In den allermeisten Fällen gab es zwar ein Kinderschutzsystem, viele Anwender hatten aber Probleme mit der Handhabung oder hielten es etwa aufgrund einer nur kurzen Wegstrecke oder aus Zeitdruck nicht für nötig, das Kind richtig anzuschnallen.

Das Problem: Liegt der Gurt nicht richtig an, kann das Kind im Ernstfall an den Dachhimmel prallen. Dann drohen dem Nachwuchs schwere Verletzungen wie etwa die Stauchung der Wirbelsäule. Ist das Kind zu locker im Sitz gesichert oder hat dieser nicht die richtige Größe, entstehen bei einem Aufprall unter Umständen massive Beugungen und Überstreckungen der Halswirbelsäule. Die Nervenstränge können dabei dauerhaft geschädigt werden. Schlägt der Kopf auf dem Vordersitz auf, kann es im schlimmsten Fall zu einem Schädel-Hirn-Trauma kommen.

Die Folgen eines Auffahrunfalls beim 50 km/h wären fatal, daher gilt: Eine ordnungsgemäße Sicherung von Kindern im Fahrzeug muss bei jeder Fahrt erfolgen. Foto: Thomas Küppers

Die Folgen eines Auffahrunfalls beim 50 km/h wären fatal, daher gilt: Eine ordnungsgemäße Sicherung von Kindern im Fahrzeug muss bei jeder Fahrt erfolgen. Foto: Thomas Küppers

Um die Folgen einer Kollision mit einer innerorts üblichen Geschwindigkeit von nur 50 km/h zu verdeutlichen, führte DEKRA 2019 einen Crashtest durch. Ein Kinderdummy war dabei ordnungsgemäß in einem Kindersitz gesichert, ein zweiter Kinderdummy saß nicht angeschnallt auf dem Rücksitz. Mit einer Größe von 1,13 Metern und einem Gewicht von 23 Kilogramm wurde ein sechsjähriges Kind nachempfunden. Ergebnis: Während der ordnungsgemäß gesicherte Kinderdummy vom Gurt zurückgehalten und durch den Kindersitz zusätzlich geschützt wird, schleudert es den ungesicherten Dummy im Fahrzeug herum. In einem realen Unfall hätte ein Kind hierbei schwerste bis tödliche Verletzungen erlitten. Zudem gefährden die Wucht des Aufpralls gegen die Rückenlehne des davor befindlichen Sitzes und das Risiko eines direkten Kopf-gegen-Kopf-Kontakts zusätzlich auch die Person auf dem jeweiligen Sitz davor.

Daher gilt: Eine ordnungsgemäße Sicherung von Kindern im Fahrzeug muss bei jeder Fahrt erfolgen – und zwar unabhängig von Fahrstrecke oder Zeitdruck. Gleichzeitig sind aber auch die Fahrzeughersteller aufgefordert, ISOFIX-Halteösen serienmäßig auf allen Pkw-Rücksitzbänken zu verbauen. Die Hersteller der Kindersitze wiederum sollten die Bedienungsanleitungen klar und leicht verständlich formulieren sowie die Bedienung logisch und einfach halten. Außerdem zu beachten: Der Sitz muss dem Gewicht, der Größe und dem Alter des Kindes entsprechen. Am besten lässt man das Kind vor dem Kauf Probe sitzen. Schließlich werden mit Babyschalen, Kindersitzen und Sitzerhöhungen für jedes Alter und jede Statur geeignete Produkte angeboten.

Beim Crashtest war ein Kinderdummy war ordnungsgemäß in einem Kindersitz gesichert, ein zweiter Kinderdummy saß nicht angeschnallt auf dem Rücksitz. Foto: Thomas Küppers Die Dummys sind mit einer Größe von 1,13 Metern und einem Gewicht von 23 Kilogramm einem sechsjährigen Kind nachempfunden. Foto: Thomas Küppers Beim Aufprall wird der nicht gesicherte Dummy gegen den Beifahrersitz gepresst. Foto: Thomas Küppers Danach schleudert es den Dummy an den Fahrzeughimmel. Foto: Thomas Küppers Während der ungesicherte Dummy durch das Fahrzeug fliegt, wird der gesicherte wird vom Gurt zurückgehalten. Foto: Thomas Küppers In einem realen Unfall hätte ein Kind hierbei schwerste bis tödliche Verletzungen erlitten. Foto: Thomas Küppers Ergebnis des Crashtests: Der gesicherte Kinderdummy wird vom Gurt zurückgehalten, der ungesicherte Dummy im Fahrzeug herumgeschleudert. Foto: Thomas Küppers

In vielen Staaten der Welt ist übrigens eine auf Größe und Gewicht von Babys und Kindern angepasste Sicherung in Fahrzeugen vorgeschrieben. Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihrem „Global Status Report on Road Safety 2018“ ausführt, besteht in 84 Ländern der Welt eine gesetzliche Kindersitzpflicht. Allerdings erfüllen hiervon nur 33 Länder die von der WHO aufgestellten „Best-practice“-Anforderungen, wonach zum Beispiel Kinder bis zu einem Alter von zehn Jahren beziehungsweise einer Größe von 135 Zentimetern entsprechend gesichert werden müssen und Kinder bis zu einem bestimmten Alter oder einer bestimmten Größe nicht auf dem Vordersitz mitfahren dürfen.

Zahl getöteter Kinder kann um mindestens 60 Prozent gesenkt werden

Erklärtes Ziel der WHO ist es, bis zum Jahr 2030 den Anteil der Kraftfahrzeuginsassen, die Kinderrückhaltesysteme verwenden, auf nahezu 100 Prozent zu erhöhen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. So waren zum Beispiel in Frankreich im Jahr 2017 nach Angaben des Observatoire National Interministériel de la Sécurité Routière immerhin knapp 20 Prozent der in Pkw bei Verkehrsunfällen getöteten Kinder und Jugendlichen nicht angeschnallt. In den USA waren im Jahr 2016 laut National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) 17 Prozent der Verkehrsopfer unter 15 Jahren nicht angeschnallt. Dessen ungeachtet ist der Nutzen der Systeme unbestritten. Unter Berufung auf eine Studie zu schwedischen Unfalldaten verweist die WHO in ihrem bereits erwähnten Report darauf, dass die Zahl getöteter Kinder bei breiter Nutzung von Kindersitzen um mindestens 60 Prozent gesenkt werden könnte.

Nachzulesen sind die hier genannten sowie viele weitere Fakten zur Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr im aktuellen DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2019. Er steht unter www.dekra-roadsafety.com in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch zum Download bereit. Dazu kommen weitergehende Inhalte in Form von Videos oder interaktiven Grafiken.

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