Corona und die Folgen für Start-ups

Die Corona-bedingte Wirtschaftskrise durchdringt nahezu jede Branche. Und bei vielen Start-ups, die neu oder noch jung am Markt sind, geht es schnell an die Existenz. Doch es gibt auch positive Beispiele.

Start-ups sollten in der Krise die Situation analysieren und gemeinsam Maßnahmen erarbeiten. Foto: Shutterstock - Rawpixel.com

Start-ups sollten in der Krise die Situation analysieren und gemeinsam Maßnahmen erarbeiten. Foto: Shutterstock – Rawpixel.com

„Die Auswirkungen dieser Krise werden viele der jungen Unternehmen nicht unbeschadet überstehen. Somit wird es zwangsläufig zu einem massiven Start-up-Sterben in Deutschland kommen.“ Mit dieser Einschätzung steht Jens Vestewig, Head of Sales des Start-ups Serinus, das sich auf Produkte und Lösungen im Bereich Alarm- und Krisenmanagement spezialisiert hat, nicht allein da. Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise und die negativen Auswirkungen auf die Jungunternehmen hat der Bundesverband Deutsche Startups bereits Ende März prognostiziert. In einer Befragung unter rund 1.000 Start-ups in Deutschland gaben 91,1 Prozent an, von den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen betroffen zu sein.

Verbandspräsident Christian Miele sah das Ökosystem der Start-up-Szene in Gefahr und appellierte an die Politik, die staatlichen Hilfen auch an die Besonderheiten dieser Unternehmen anzupassen. Anfang Mai wurde dann ein Zwei-Milliarden-Euro-Hilfspaket geschnürt, das sich explizit an Start-ups richtet, die vorher durch das Raster fielen, weil sie beispielsweise noch nicht groß genug waren, aber zu viele Beschäftigte hatten, um Anspruch auf Soforthilfen zu haben. Für Vestewig von Serinus steht fest: „Der Innovationsmotor der deutschen Wirtschaft wird zwangsläufig ins Stottern kommen, wenn der Staat nicht einfache Förder- und Hilfsprogramme schnell und unkompliziert an den Start bringt.“

Dr. Florian Petit, Mitbegründer des Start-ups Blickfeld. Foto: Blickfeld

Dr. Florian Petit, Mitbegründer des Start-ups Blickfeld. Foto: Blickfeld

Wie in der Wirtschaft allgemein, so ist auch in der Start-up-Szene nicht jedes Unternehmen gleich stark von der Krise betroffen. Jungfirmen im Bereich Tourismus oder Lebensmittelindustrie zählten – neben IT, Gesundheit, Automobil sowie Media and Marketing (Künstliche Intelligenz) – zu den vielversprechenden Branchen für Start-ups. In der Krise werden die Karten neu gemischt. Generell lässt sich sagen, dass ausbleibende Umsätze und mittel- bis langfristige Folgen, wie fehlende Investitionen in Produktentwicklung, laut Dr. Florian Petit für „strategische Änderungen in der Branche“ sorgen. Der Mitbegründer des Start-ups Blickfeld, das sich mit Scanning-LiDAR-Systemen und Detektionssoftware für die Umgebungswahrnehmung in den Bereichen autonomer Verkehr, Mapping, Robotik und Smart Citys etabliert hat, sieht die Start-ups als wesentlich für die wirtschaftliche Stabilität – nicht nur in Deutschland. „Start-ups sind unsere Zukunft. Sie ermöglichen in vielen Branchen wichtige Entwicklungen und sind bei der Digitalisierung häufig federführend.“

In der aktuellen Lage müsse, so der Chef von Blickfeld, sein Unternehmen kundenbedingt zwar auf Projektverschiebungen reagieren. Dennoch sieht sich das Start-up durch die erst kurz vor der Krise abgeschlossene Finanzierungsrunde in der glücklichen Position, die langfristig angelegten Projekte weiterzuverfolgen. „Wir gehen zielstrebig und uneingeschränkt voran: Wir arbeiten weiter an der Entwicklung von Sensor und Software sowie dem Aufbau unserer Produktionslinie. Wir haben in den beiden Monaten April und Mai sogar 18 neue Mitarbeiter eingestellt!“

Start-ups sollten sich auf eigene Stärken fokussieren

Auch für Serinus stellt sich die Situation eher positiv dar. Mit ihrer Kommunikationsplattform, die dem Nutzer in Notfall- oder Krisensituationen, wie etwa Naturkatastrophen, Produktionsausfällen bzw. -störungen oder Cyberattacken, einen Überblick und schnelle Handlungsmöglichkeiten bietet, profitieren sie sogar von der Krise. „Corona hat vielen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen aufgezeigt, dass sie auf unerwartete kritische Ereignisse nicht ausreichend vorbereitet sind. Somit wird sich der Bedarf an softwaregestützten Informations- und Krisenmanagementtools in der Zukunft erhöhen“, berichtet Vestewig. Für Serinus geht damit die Erfolgsgeschichte weiter. Die junge Firma hat 2019 den DEKRA Award in der damals neu eingeführten Kategorie „Start-up“ gewonnen. Der gemeinsam mit der Zeitschrift WirtschaftsWoche ausgerichtete DEKRA Award prämiert zukunftsweisende Spitzenleistungen im Bereich der Sicherheit.

Den von der Krise betroffenen Branchenkollegen raten Vestewig und Petit, sich auf die eigenen Stärken zu fokussieren und die Situation so nüchtern wie möglich zu analysieren. Instrumente wie staatliche Hilfsprogramme oder Kurzarbeit sollten in Anspruch genommen werden, um Kosten zu reduzieren. Gleichzeitig sei es wichtig, mit Bestandsinvestoren in engen Kontakt zu treten, um gemeinsam Maßnahmen zu erarbeiten, die Umsatzverluste ausgleichen und das Fortbestehen des Unternehmens sichern.

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