Saubere Luft für die Welt

Saubere Luft einzuatmen ist keine Selbstverständlichkeit. In weiten Teilen der Erde atmen Menschen verschmutzte Luft ein. Gelangt zum Beispiel Feinstaub oder Stickstoffdioxid in unsere Lungen, steht unsere Gesundheit auf dem Spiel. Es besteht vielerorts Handlungsbedarf.

Die Luftqualität schwankt weltweit sehr. Foto: Shutterstock - Danila Shtantsov

Die Luftqualität schwankt weltweit sehr. Foto: Shutterstock – Danila Shtantsov

Die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprechen eine deutliche Sprache: Mehr als 90 Prozent der Menschen dieser Erde atmen kontaminierte Luft ein, jedes Jahr sterben mehr als sieben Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung. Zum Vergleich: Im Zusammenhang mit Straßenverkehrsunfällen sind jährlich weltweit zirka 1,35 Millionen Todesopfer zu beklagen. Mit Staub verunreinigte Luft ist deshalb so gefährlich, weil die sehr feinen Partikel, die zudem aus einer Mixtur verschiedener Schadstoffe bestehen, tief in die Lunge und von dort in den Blutkreislauf eindringen. Sie verursachen Atemwegsinfektionen einschließlich Lungenentzündung, chronische Lungenerkrankungen, Lungenkrebs, Herzerkrankungen oder Schlaganfälle. Besonders tückisch sind dabei nach Angaben der Europäischen Umweltagentur (EUA) Feinstaub, Stickstoffdioxid und bodennahes Ozon.

Laut WHO findet man die höchsten Luftverschmutzungswerte im östlichen Mittelmeerraum und in Südostasien, wo die Jahresmittelwerte oft das Fünffache der WHO-Grenzwerte überschreiten, gefolgt von Städten mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Afrika und im westlichen Pazifik. Am niedrigsten sind die Luftverschmutzungswerte in Ländern mit hohem Einkommen – insbesondere in Europa, Amerika und im westlichen Pazifik. Wesentliche Treiber der vom Menschen verursachten Luftverschmutzung sind der Energiesektor, die Produktionsprozesse in der Industrie, der Straßenverkehr sowie die Landwirtschaft, je nach Region in unterschiedlicher Ausprägung.

Auf Feinstaub sind rund 400.000 vorzeitige Todesfälle zurückzuführen

Dass gerade auch in Europa noch viel zu tun ist, belegen Zahlen der EUA, wonach allein auf Feinstaub schätzungsweise rund 400.000 vorzeitige Todesfälle zurückzuführen sind. Geht es nach dem von der EU-Kommission im Januar 2021 veröffentlichten „Bericht zu den Aussichten über Luftverschmutzung in der Europäischen Union“, könnte diese Zahl bis zum Jahr 2030 zumindest auf 194.000 Todesfälle sinken, sofern die Mitgliedstaaten alle Maßnahmen im Rahmen der EU-Gesetzgebung umsetzen.

Um die Herausforderungen bei der Verbesserung der Luftqualität auf lokaler Ebene besser zu verstehen, hat die EUA bereits 2012 ein Pilotprojekt mit einer Reihe von europäischen Städten – unter anderem Antwerpen, Berlin, Madrid, Mailand, Paris, Prag und Wien – ins Leben gerufen. Als Maßnahmen für bessere Luft wurden in den teilnehmenden Städten zum Beispiel die Fernwärme ausgebaut, das Fahrradfahren gefördert, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit gesenkt und Maut-Systeme eingeführt. Weitere erfolgreiche Initiativen sind die Verlagerung von Industrieanlagen, die Modernisierung von Kleinfeuerungsanlagen und Heizkesseln, die Verwendung saubererer Brennstoffe zum Heizen, die Umstellung auf klimafreundliche Busse und Straßenbahnen und die Einführung von Zonen mit schadstoffarmem Verkehr. Außerdem haben die EUA und die Europäische Kommission mit dem Europäischen Luftqualitätsindex ein Online-Tool entwickelt, mit dem sich in ganz Europa anhand stündlich aktualisierter Daten von mehr als 2.000 Überwachungsstationen die aktuelle Luftqualität am jeweiligen Wohnort, Arbeitsplatz oder Reiseziel überprüfen lässt.

Saubere Luft ist eine zentrale Lebensgrundlage

In Sachen Verbesserung der Luftqualität bringt Jürgen Bachmann, Leiter der Messstelle Emission/Immission im Bereich Industrie, Bau und Immobilien bei der DEKRA Automobil GmbH in Stuttgart, noch einen weiteren wichtigen Aspekt ins Spiel: „Welche Maßnahme, wo auch immer, ergriffen wird: Ganz entscheidend kommt es darauf an, nicht nur die Konzentration von Stoffen in der Umgebungsluft zu überwachen, sondern konsequent an der Quelle der Entstehung mögliche Schadstoffe zu vermeiden oder zu minimieren und dies mit entsprechenden Messungen abzusichern.“ Denn wo nichts Schlechtes rauskomme, könne sich auch nichts Schlechtes entwickeln. Bachmann weiß, wovon er spricht, schließlich können Emissionsmessungen unzweifelhaft auf Störungen oder Defekte hinweisen, die möglicherweise noch gar nicht bemerkt wurden. „Schon ein kleiner Riss in einem Gewebefilter zieht unter Umständen gravierende Konsequenzen nach sich“, gibt der Immissionsexperte zu bedenken. Wie auch immer die Schäden geartet sein mögen: Es gilt, diese so schnell wie möglich zu beseitigen. Und zwar im Sinne des jeweiligen Unternehmens, dessen Grundlage die Einhaltung der zum Betrieb genehmigten Werte sind, wie auch der Menschen, für die saubere Luft eine zentrale Lebensgrundlage ist.

Number of Deaths Attributable to Air Pollutions in 2019. Grafik: Health Effects Institute (Boston, MA), State of Global Air

Anzahl der durch Luftverschmutzung verursachten Todesfälle 2019. Grafik: Health Effects Institute (Boston, MA), State of Global Air

Die zehn Länder mit der besten Luftqualität weltweit

 

  1. Finnland
  2. Australien
  3. Schweden
  4. Island
  5. Norwegen
  6. Neuseeland
  7. Kanada
  8. Irland
  9. Schweiz
  10. Frankreich

 

Die zehn Länder mit der schlechtesten Luftqualität weltweit

 

  1. Pakistan
  2. Indien
  3. Nepal
  4. Usbekistan
  5. Tadschikistan
  6. Lesotho
  7. Kamerun
  8. Mongolei
  9. Sudan
  10. Afghanistan

Quelle: Environmental Performance Index (Yale University, Columbia University)

 

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