Autoreinigung – Schaumparty am Waschplatz

Im Frühjahr steht eine gründliche Autowäsche an. Dazu braucht es die richtigen Pflegemittel, sauberes Equipment und einen guten Waschplatz. Keine gute Idee wäre es allerdings, dem Lack mit Hausmitteln auf den Leib zu rücken. Wir haben den DEKRA Experten Thilo Kunst gefragt, wie der Frühjahrsputz fürs Auto gelingt.

Für die Autowäsche werden die richtigen Reinigungs- und Pflegemittel benötigt. Foto: DEKRA – Automobil

Viele Autobesitzer haben große Freude daran, ihrem Auto im Frühjahr eine ausgiebige Handwäsche zu gönnen und die Spuren des Winters von Lack und Felgen zu spülen. Der Dienst am Auto erfordert allerdings einige Vorbereitungen. Dazu gehört vor allem ein geeigneter Waschplatz. Schließlich mischen sich nicht nur biologisch abbaubare Reinigungsmittel ins Waschwasser, sondern auch Öl und Rußpartikel, die im Grundwasser nichts verloren haben. Der Waschplatz einer SB-Autoreinigung ist daher die beste Wahl, weil diese Anlagen mit Filtern und speziellen Abscheidern arbeiten. Außerdem braucht es die richtigen Reinigungs- und Pflegemittel, damit die Schaumparty ein glänzender Erfolg wird. Also flugs einen Schuss Spülmittel ins lauwarme Waschwasser gegeben und damit kräftig den Lack weggerubbelt? Das wäre keine gute Idee, wie DEKRA Experte Thilo Kunst vom DEKRA Labor für Umwelt- und Produktanalytik erklärt.

Hausmittel in der Handwäsche greifen Kunststoff und Lack an

„Bei den meisten Hausmitteln weiß man nicht, wie es um die Materialverträglichkeit bestellt ist. Ungeeignete Reiniger können Lacke, Kunststoffe oder Gummis aufquellen lassen, Metalle verfärben oder am Polycarbonat von Scheinwerfern zu Spannungsrissen führen“, erklärt der Experte für Autochemie. Die Materialverträglichkeit gehört daher zu den wichtigsten labortechnischen Untersuchungen, wenn Produkte wie Scheiben- und Felgenreiniger, Autoshampoos und Insektenentferner auf dem Prüfplan stehen. Häufig sind es Hersteller, Lieferanten und Händler, die eine Begutachtung durch das akkreditierte DEKRA Labor verlangen, bevor sie ein Reinigungsmittel ins Verkaufsregal stellen. Die chemischen und physikalischen Tests zur Materialverträglichkeit finden unter exakt definierten Laborbedingungen bei Temperaturen von bis zu 80 Grad Celsius statt. Auf der Prüfagenda stehen außerdem Performance-Tests mit gründlich verschmutzten Fahrzeugen. Hier gehen die DEKRA Experten zur Beurteilung der Reinigungsleistung auch mit Schwamm und Bürste zur Sache. Ein Allzweckreiniger, der Lack, Scheiben und Felgen gleichermaßen gut reinigen könnte, ist Thilo Kunst bei seiner Arbeit bislang nicht untergekommen. Das hat einen einfachen Grund, wie der Experte berichtet: „Die Rezepturen der Reinigungsmittel sind auf ihren speziellen Zweck zugeschnitten. Ein Scheibenreiniger ist für die Scheiben, ein Felgenreiniger für die Felgen das richtige Mittel.“

Insektenreste auf der Scheibe sind ein Fall für den Spezialreiniger

Besondere Aufmerksamkeit richtet Thilo Kunst auf die Scheibenreiniger, die in den Waschtank des Autos eingefüllt werden. In dieser Produktklasse kommen jedes Jahr neue Mittel auf den Markt – die Scheibenreiniger gehören deshalb zu den am häufigsten geprüften Produkten der Autochemie im DEKRA Labor. „Wenn die Monate wärmer werden, verändert sich der Schmutz-Cocktail auf den Scheiben. Autofahrer sollten daher im Frühjahr für die frostfreie Zeit auf einen Sommerscheibenreiniger umstellen“, empfiehlt Thilo Kunst. Diese Reiniger sind darauf ausgelegt, dem eiweißhaltigen Sommerschmutz effektiv zu Leibe zu rücken. Ein Winterreiniger dagegen hat diese spezielle Fähigkeit nicht. Der DEKRA Experte rät davon ab, im Sommer weiterhin das Wintermittel zu verwenden. Das hätte zur Folge, dass Insektenreste schlechter beseitigt werden und der Schmutz auf der Scheibe leicht verschmiert. Mit eingetrockneten Insektenresten auf der Windschutzscheibe haben häufig jedoch auch Sommerscheibenreiniger ihre Probleme. Ein probates Hilfsmittel wäre in diesem Fall ein Insektenentferner. Diese Mittel haben häufig eine gelförmige Konsistenz, die perfekt auf den Schmutzresten haftet. Nach einer kurzen Einwirkzeit lassen sich die Rückstände dann mit einem Schwamm und Wasser entfernen.

Felgenreiniger machen mit Bremsstaub und Schmutz kurzen Prozess

Zu den besonders schwierigen Stellen beim Autoputz gehören die Felgen. Häufiges Bremsen und eine hohe Rotationsgeschwindigkeit der Räder können dazu führen, dass sich Bremsstaub und Straßenschmutz fest mit dem Metall der Felge verbinden. Dieser Schmutz lässt sich häufig nur mit Unterstützung eines Felgenreinigers wieder beseitigen. Eine typische Substanz in diesen Mitteln ist Natriummercaptoacetat, das eine ausgezeichnete Reinigungswirkung bei Metall- und Bremsenabrieb besitzt. Das chemische Kunststück eines Felgenreinigers besteht letztlich darin, dass er einerseits dem Schmutz kraftvoll zu Leibe rückt, dabei aber den Lack, die Kunststoffe und Gummis im Bereich der Radträger und Fahrwerksteile nicht beeinträchtigt. Alkalische und saure Felgenreiniger mit hohem oder niedrigem pH-Wert haben vergleichsweise kurze Einwirkzeiten. Diese Produkte dürfen aufgrund ihrer Aggressivität gegenüber Metallen häufig nur bis zu einer Minute auf der Felge bleiben, bevor sie gründlich mit klarem Wasser abgespült werden müssen. PH-neutrale Produkte sind weniger kritisch für das Material und lassen sich auch fünf Minuten oder länger auf der Felge behalten.

Autoshampoo und Politur sorgen für glänzende Resultate

Die meisten Autoshampoos sind ausgezeichnete Spezialisten in Sachen Sauberkeit. Ihre Tenside sind in der Regel perfekt auf den für den Straßenverkehr typischen Schmutz eingestellt und ermöglichen eine gute Schaumbildung. Wer ein besonders gutes Reinigungsergebnis erwartet, sollte beim Kauf auf das DEKRA Siegel achten, das genau diese Eigenschaft dokumentiert. Dass viel Autoshampoo im Putzeimer auch viel helfen könnte, ist allerdings ein Trugschluss. Thilo Kunst rät dazu, bei den Reinigungs- und Pflegemitteln stets auf die Angaben der Hersteller zur Anwendung und Einwirkzeit zu achten. Nach der Wagenwäsche werden neue Lacke in der Regel auch neu aussehen. Wer Wert auf ein hochglänzendes Ergebnis legt, kann zusätzlich einen Lackkonservierer verwenden. Diese Produkte sind frei von Schleifmitteln und enthalten wasserabweisende Komponenten wie Wachse und Silikone. Sie versiegeln und schützen die Lackoberfläche auch gegen äußere Einflüsse. Wirkt der Lack bei älteren Autos stumpf und matt, kann ein Lackreiniger die Lösung sein. Er glättet den Lack, indem er eine hauchdünne Lackschicht abschleift. Ein Konservierer sorgt dann im zweiten Schritt für eine wasserabweisende Schutzschicht. In leichteren Fällen kann auch eine Politur eine gute Wahl sein. Sie kombiniert die Eigenschaften von Lackreiniger und Konservierer, enthält aber deutlich weniger abrasive Stoffe.

So gelingt die Autowäsche am Waschplatz

DEKRA Experte Thilo Kunst empfiehlt eine gründliche Vorwäsche mit klarem Wasser. Dadurch lassen sich bereits Schmutzpartikel, Sand und Steinchen vor allem im unteren Bereich des Fahrzeugs entfernen. Die Reinigung selbst sollte von oben nach unten stattfinden. Man beginnt beim Dach und arbeitet sich über die Seiten zu den Türschwellern vor. Dabei sollte man den Schwamm zwischendurch immer wieder gut auswaschen, damit keine Schmutzpartikel den Lack zerkratzen. Abgespült wird das Auto mit klarem Wasser. Wer unschöne Wasserflecken auf dem Lack vermeiden will, sollte das Auto zum Abschluss mit einem sauberen Fensterleder oder Microfasertuch trocken reiben.

Ausrüstung

  • Reinigungsutensilien wie Hochdruckreiniger finden sich in den meisten SB-Boxen. Vorsicht bei den Bürsten der Anlage – Zustand vorher genau prüfen
  • Zum eigenen Equipment gehören Schwamm, Waschhandschuh, Waschbürste – alle in sauberem Zustand?
  • Zwei Eimer verwenden – einer für Pflegemittel, einer mit klarem Wasser zum Spülen der verwendeten Hilfsmittel
  • Wasser während des Waschens öfter wechseln
  • Trockentuch, Lederlappen, Microfasertücher
  • Pflege- und Reinigungsmittel

Vorreinigung

  • Vorreinigung vermeidet Lackschaden durch Schmutz- und Sandpartikel
  • Oberflächlichen Schmutz, Sand und Streusalz mit viel Wasser abspritzen
  • Auf Unterboden und Türeinstiege achten
  • Mit Hochdruckreiniger Abstand von rund 40 Zentimeter halten

Räder und Felgen

  • Grundreinigung mit Hochdruckreiniger
  • Anschließend mit Schwamm und Shampoo nacharbeiten
  • Gegen hartnäckigen Schmutz hilft ein Felgenreiniger – die Hinweise des Herstellers zu Anwendung und Einwirkzeit beachten

Scheiben

  • Insektenentferner hilft bei angetrockneten Insektenresten und anderen Verunreinigungen
  • Scheibenwischer nach oben klappen, Gummilippen reinigen
  • Autoshampoo oder Glasreiniger auftragen, mit Microfasertuch kreisförmig abwischen
  • Für saubere Scheiben empfiehlt sich die Reinigung der Innenseiten mit Glasreiniger.

Karosserie

  • Lauwarmes Wasser und Autoshampoo zur Reinigung verwenden
  • Den Lack nur mit sanftem Druck von Schwamm oder Waschhandschuh shampoonieren
  • Auf Schmutz an Türrahmen und an Scharnieren achten
  • Karosserie von oben nach unten mit klarem Wasser abspülen. Hochdruckreiniger besitzen dazu in der Regel ein eigenes Programm
  • Lack zur Vermeidung von Wasserflecken mit Fensterleder oder Mikrofasertuch trocknen

Kunststoffleisten und Türgummis

  • Farben der Kunststoffleisten mit Pflegemittel auffrischen
  • Türgummis mit Gummipflege vor Austrocknung schützen

Lackreinigung und Konservierung

  • Matte und stumpfe Lackoberflächen mit Lackreiniger behandeln
  • Lackkonservierer für die Pflege von intakten neuwertigen Lacken verwenden. Auch bei mit Lackreiniger vorgereinigten Lacken ist ein Lackkonservierer sinnvoll
  • In leichten Fällen Polituren einsetzen
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