Lagerlogistik – Lust auf ein Spiel?

Die Digitalisierung gilt als wesentlicher Treiber für die Entwicklungen in der Lagerlogistik. Immer mehr Prozesse werden von speziellen Softwares gesteuert. Und wo steht hier der Mensch? Wer im Lager Schritt halten will, braucht jede Menge neues Know-how. Die DEKRA Akademie geht in ihren Bildungsangeboten mit digitalen Lernsystemen neue Wege.

Alles nur ein Spiel: Der virtuelle Lkw-Fahrer Ingo begleitet den realen Mitarbeiter bei den einzelnen Arbeitsschritten in der Lagerlogistik. Foto: Shutterstock – Fotosmapler / Fraunhofer IML

Die Lagerlogistik marschiert mit Siebenmeilenstiefeln in die Zukunft. Zwar dürfte es noch eine Weile dauern, bis Künstliche Intelligenz (KI) überall das Kommando über Roboter, Drohnen und fahrerlose Transportsysteme führt. An der Digitalisierung selbst führt aber kein Weg vorbei. Schon heute werden viele Prozesse in der Lagerlogistik durch hoch entwickelte digitale Systeme gesteuert. In dieser Arbeitsumgebung wachsen daher nicht nur die Ansprüche an die Fachkräfte für Lagerlogistik und die Fachlageristen.

Auch weniger qualifizierte Menschen, die in der Verpackung und Kommissionierung mit einfachen Arbeiten betraut sind, brauchen zusätzliches Know-how. Logisch also, dass Ausbildung und Qualifizierung der Lagermitarbeitenden dieser Entwicklung Rechnung tragen müssen.  Deshalb setzen Katrin Haupt, Geschäftsführerin der DEKRA Akademie und Logistikmeister Lars Drees, der als Produktentwickler bei der DEKRA Service Division Training für die Sparte Lagerlogistik zuständig ist, auf den konsequenten Einsatz digitaler Lernsysteme an den Standorten der DEKRA Akademie.

Im Übungslager arbeiten wie die Profis – mit dem Lagerführungssystem der EPG

Wenn heute bei Trainings im Übungslager oder im virtuellen Lager Themen wie Warenannahme, Einlagerung und Kommissionieren auf dem Lehrplan stehen, bearbeiten die Teilnehmenden die anstehenden Aufgaben mit den gleichen Mitteln und Methoden wie die Profis im echten Berufsleben. DEKRA setzt dafür auf das Lagerführungssystem LFS des Kooperationspartners EPG (Ehrhardt Partner Group) im rheinland-pfälzischen Boppard-Buchholz, das für Logistiker wie DHL, Fiege, Hellmann und Simon Hegele bereits erste Wahl ist.

„Das LFS ist für komplexe logistische Prozesse, aber auch für einfache Anwendungen als Lagerverwaltungssystem ausgelegt“, erklärt Jens Heinrich, Chief Technology Officer (CTO) der EPG. Tatsächlich ist das LFS gewissermaßen der Rolls-Royce der Lagerverwaltung, der jede Menge zukunftsweisender Technologien an Bord hat. „Mit dem LFS haben wir die Möglichkeit, unsere Teilnehmenden zeitgemäß zu qualifizieren und dabei alle von der IHK geforderten prüfungsrelevanten logistischen Prozesse abzubilden“, beschreibt Lars Drees die Vorteile für DEKRA.

Das LFS steuert den kompletten Materialfluss. Auch fahrerlose Transportsysteme (FTS) lassen sich einbinden. Foto: EPG

„Der Erwerb von Fähigkeiten im Umgang mit IT-Produkten verbessert die Vermittlungschancen unserer Absolvierenden in die freie Wirtschaft“, weiß Logistik-Experte Drees. Er sieht in der Digitalisierung eine Chance, neue Wege in der Aus- und Weiterbildung zu gehen. Warum also nicht mal ein Spiel konzipieren  – und zwar ein virtuelles Spiel mit VR-Brille? Genau darum geht es in dem im April 2020 abgeschlossenen Transferprojekt „VR-Schulung in logistischen Ausbildungsmaßnahmen für Geringqualifizierte“ (VilAG) des Innovationslabors Hybride Dienstleistungen in der Logistik, das die DEKRA Akademie und das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik IML gemeinsam realisiert haben.

 „Serious Games sind voll entwickelte digitale Spiele. Sie haben die Aufgabe, dem Anwender Wissen zu einem ernsthaften Problem oder Prozess zu vermitteln“, erläutert Projektleiter Christoph Schlüter vom Fraunhofer IML. Der Einsatz von VR-Technologie steht im Bildungssektor allerdings noch am Anfang, wie der Informatiker berichtet. Die Gretchenfrage am Anfang lautete demnach, welche logistischen Kernprozesse sich für eine VR-Anwendung überhaupt anbieten. Am Ende hat sich das Entwicklerteam nach Vorarbeit von Lars Drees für die Warenannahme entschieden.

Virtuelle Spiele können eine Bereicherung der Aus- und Weiterbildung sein

An diesem Punkt kommt Ingo ins Spiel. Der Name steht einerseits als titelgebende Abkürzung für das Spiel – incoming goods, auf Deutsch Wareneingang. Andererseits ist Ingo ein wichtiger Akteur im Spielkonzept. Seine Story ist schnell erzählt: Der Lkw-Fahrer Ingo hat seinen Auflieger bereits an die Rampe gestellt und will nach der Entladung schnell nach Hause fahren. Allerdings geht es nicht so zügig zur Sache, wie Ingo sich das wünscht – die Mitarbeitenden im Lager sind neu und unerfahren. Also bleibt Ingo vor Ort und greift ihnen mit einfachen Erklärungen zu den Abläufen unter die Arme. Das hört sich dann zum Beispiel so an: „Ich habe dir gerade den Lieferschein übergeben. Bitte prüfe einmal, ob alle Daten korrekt sind.“

Das Spiel beginnt in einem neben dem Lager liegenden Büro. Von hier aus bewegt sich der Mitarbeiter in Begleitung des Lkw-Fahrers im weiteren Spielverlauf durch das Lager bis zum Entladepunkt der Ware. Dabei sind vielfältige Aufgaben zu lösen: Liegt die Lieferberechtigung vor? Stimmt der Liefertermin? Sind vielleicht einzelne Packstücke oder der Ladungsträger beschädigt? Stellt der Lagerist einen Fehler fest, meldet er das mithilfe des digitalen Smartphones an einen Vorgesetzten, der über das weitere Vorgehen entscheidet. Und wie kommt Ingo in der Praxis an? „Wir haben das Spiel bei der DEKRA Akademie in Dortmund mit Teilnehmenden einer Schulung gespielt. Das Feedback fiel durchweg positiv aus“, erzählt Christoph Schlüter. Aus seiner Sicht kann ein VR-Spiel eine theoretische Ausbildung nicht ersetzen – aber es kann eine Bereicherung für die Lernenden sein. Katrin Haupt und Lars Drees jedenfalls sind davon überzeugt, dass sich das Portfolio der DEKRA Akademie in Sachen Lagerlogistik mit VR-Anwendungen weiterentwickeln lässt.

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