Autonomes Fahren könnte Ampeln überflüssig machen

Wissenschaftler arbeiten an intelligenten Steuerungssystemen für selbstfahrende Autos, die den Verkehrsfluss an Kreuzungen verbessern sollen.

Autonomes Fahren: Wissenschaftler wollen den Verkehrsfluss in Zukunft ohne Ampeln regeln. Foto: Johannes Roller

Autonomes Fahren: Wissenschaftler wollen den Verkehrsfluss in Zukunft ohne Ampeln regeln. Foto: Johannes Roller

Wer hat das nicht schon erlebt: Sie stehen vor einer roten Ampel, obwohl weit und breit kein anderes Fahrzeug in Sicht ist, das Ihnen in die Quere kommen könnte. Wie aus dem Nichts entstehen Wartezeiten, es kommt zu Rückstaus und der Verkehr gerät ins Stocken. Zwar gibt es seit geraumer Zeit Steuerungsmethoden via Sensoren oder Kameras, die das verhindern sollen – doch es kommt immer noch oft genug vor. Zum einen schalten Ampelanlagen aus Sicherheitsgründen vor der Grünphase für eine Fahrtrichtung alle anderen auch auf Rot. Das bedeutet ein paar Sekunden absoluten Stillstand. Zum anderen gehen zum Beispiel die Forscher des MIT Senseable City Labs (Massachusetts Institute of Technology) davon aus, dass sich der Verkehrsfluss schlicht und ergreifend mit Ampeln nicht optimal regeln lässt.

In der Kolonne über die Kreuzung

Zusammen mit Kollegen des Instutio di Informatica e Telematica in Pisa und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) arbeiten sie deswegen an Algorithmen für das autonome Fahren, die den Verkehrsfluss an Kreuzungen optimieren und Signalanlagen gänzlich überflüssig machen sollen. Es sind bereits mehrere Steuerungsmodelle entstanden. Als besonders zielführend hat sich nach Angaben der Wissenschaftler das Batch (Stapel) genannte Modell erwiesen: Hierbei würden selbst fahrende Autos bei der Annäherung an eine Kreuzung per Datenübertragung frühzeitig so gebremst oder beschleunigt, dass sich kleine Kolonnen ergäben. Diese könnten die Kreuzung dann am Stück passieren. Je länger die Kolonnen ausfielen, desto höher sei die Kapazität der Kreuzung – bis zu doppelt so hoch wie bei einer klassischen Ampelregelung, wie Berechnungen ergeben hätten. Zudem sei die autonome Verkehrssteuerung deswegen so effektiv, weil der individuelle Fahrstil des Menschen entfalle. Denn wie die Realität zeigt, behindert der den Verkehrsfluss zusätzlich.

Natürlich ist das alles noch Zukunftsmusik. Doch die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Verkehrsinfrastruktur, die heute gebaut wird, über Jahrzehnte in Betrieb bleibt. Daher sei es sinnvoll, sich jetzt schon mit der künftigen Steuerung zu beschäftigen. Solange aber noch konventionelle Autos auf den Straßen unterwegs sind, bleiben uns die Ampeln erhalten.

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