E-Bikes: Starke Stromer

In rasantem Tempo erweitert das E-Bike die Möglichkeiten, wie wir uns fortbewegen. DEKRA solutions geht der Erfolgsstory auf den Grund.

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Mit leicht zu wechselnder H2-Kartusche soll das H2-Bike bis zu 100 Kilometern Elektrounterstützung bieten. (Bild: DEKRA)

Am Rahmen hängt ein Wasserstofftank, daneben sitzt eine Brennstoffzelle, die über einen kleinen Akku den Mittelmotor befeuert. Das wasserstoffbetriebene E-Bike fährt schon auf unseren Straßen – wenn auch (noch) nicht in Serie. Entwickelt vom deutschen Linde-Konzern, auf Basis eines bestehenden E-Bikes. Ob so die Zukunft des Fahrrades aussieht, bleibt abzuwarten. Doch das Linde H2 zeigt die Dynamik in der Entwicklung des E-Bikes: ein stark wachsender Markt, in dem derzeit alles möglich scheint.

Manche Insider prognostizieren, dass das E-Bike in der Zukunft das normale Fahrrad überwiegend ablösen wird. Schon jetzt macht der elektrische Rückenwind den guten alten Drahtesel zu einer besonders spannenden Alternative für die innerstädtische Mobilität. Spätestens mit dem Einstieg von großen Systemlieferanten wie Bosch oder Brose ist der Markt seit dem Jahr 2010 geradezu explodiert. Fristeten Fahrräder mit Hilfsmotor, wie es sie mit Benzinbetrieb schon seit Jahrzehnten gibt, bis dahin ein Nischendasein, steigen die Absatzzahlen mit Elektromotor seit einigen Jahren rasant. So wurden im Jahr 2005 deutschlandweit 25.000 E-Bikes verkauft, 2015 waren es nach Schätzungen des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) bereits 520.000 Stück. Tendenz: steigend. Boten vor wenigen Jahren nur einige Spezialisten Elektro-Fahrräder an, hat heute praktisch jede Fahrradmarke in fast jedem Segment ein E-Bike im Programm – mindestens. Vom E-Faltrad über den klassischen Tiefeinsteiger bis zum schnellen S-Pedelec.

Typenkunde

Tatsächlich steht das Wort E-Bike dabei als Überbegriff aller Arten per Elektromotor angetriebener Zweiräder. Speziell in Deutschland hat sich aber das Pedelec (Pedal Electric Cycle) durchgesetzt – bei dem der Motor lediglich die Pedalkraft unterstützt, und zwar bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Das S-Pedelec wiederum, „S“ steht hier für Speed, unterstützt den Fahrer bis 45 km/h. Allerdings sind hier Versicherungskennzeichen und Führerschein sowie der Helm Pflicht.

Doch woher kommt er, der Boom des E-Bikes? Anfangs griff vor allem die Zielgruppe der Senioren zu. Doch die Qualitätshersteller im Fahrradmarkt entdeckten zunehmend die Vorteile des Elektroantriebs auch für Trendsegmente wie Mountainbikes oder Lastenräder. Dazu kam in den vergangenen Jahren nochmals ein ordentlicher Entwicklungsschub bei der Technik. So unterstützen moderne Motoren wesentlich dynamischer, direkter und feinfühliger. Die Akkus und damit die Reichweite der E-Bikes wachsen stetig. Eine zunehmende Integration, etwa der in den Rahmen integrierte Akku, sorgt für immer höherwertige und optisch ansprechendere Fahrräder. Rahmen und Anbauteile werden mittlerweile speziell auf die höheren Belastungen ausgelegt. Auch die Verbindung zwischen E-Bike und Smartphone spielt eine immer größere Rolle.

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Ob Nutzfahrzeug oder Freizeittransporter – das Riese und Müller Load kann beides. (Bild: DEKRA)

Schneller, weiter, leichter

Ein großer Vorteil des E-Bikes ist der deutlich vergrößerte Bewegungsradius im Vergleich zum Fahrrad. Laut des vom Bundesumweltministerium geförderten Forschungsberichts „Pedelection“ erhöht sich der sogenannte Attraktivitätsraum mit dem E-Bike von 5 auf 15 Kilometer. Dazu kommen die höhere Geschwindigkeit bei weniger Anstrengung, die schweißfreie Fahrt zum Arbeitsplatz oder der problemlose Transport der schweren Supermarkt-Einkäufe. Und wie gesagt: Das E-Bike ermöglicht auch älteren oder körperlich eingeschränkten Menschen das Radfahren bei recht hohen Geschwindigkeiten.

Genau in diesem Punkt sehen Kritiker allerdings ein Problem: Wenn Menschen mit vermindertem Reaktionsvermögen und wenig Fahrraderfahrung plötzlich mit Tempo 25 über die Radwege und Straßen rauschen, seien Unfälle programmiert, so die Argumentation. Belastbare Zahlen gibt es bislang kaum, die Tendenz deutet allerdings darauf hin, dass die Zahl der Unfälle mit E-Bike-Beteiligung zunimmt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts entfielen von allen Verkehrstoten des Jahres 2014 etwa zwölf Prozent auf die Gruppe der Fahrradfahrer. In reinen Zahlen waren dies 396 Personen und davon waren 39 mit einem E-Bike unterwegs. Mehr als die Hälfte dieser Opfer war älter als 65 Jahre. „Tendenziell nutzen natürlich viele Leute ein Pedelec, die vorher nicht oder nur selten mit dem Fahrrad unterwegs waren und entsprechend unerfahren sind“, erklärt Andreas Richter, Leiter des Kompetenzzentrums Elektromobilität bei DEKRA. Doch Richter weiß auch: „Durch die Unterstützung des Motors ermüden die Fahrer natürlich auch weniger schnell. So können sie die Konzentration länger aufrechterhalten.“

Was der Markt immer wieder an Neuheiten bietet, zeigt der DEKRA Pedelec Check. Darin nehmen Richter und seine Kollegen regelmäßig Pedelecs, vor allem mit neuen und weiterentwickelten Technologien, unter die Lupe. „Auf unserer Website bieten wir außerdem viele praktische Tipps rund um das Thema. Etwa wenn es darum geht, was der Kunde beim Kauf eines Pedelecs beachten sollte“, sagt Richter (www.dekraelektromobilitaet.de).

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Outdoor-Spaß: Dynamischer Ritt durch die Berge mit dem Haibike Nduro Pro. (Bild: DEKRA)

Preisfrage

Klar ist natürlich: Die zusätzlichen Features eines E-Bikes haben im Vergleich zum Fahrrad ihren Preis. Mit 2.000 Euro muss man schon rechnen, wenn es ein qualitativ ordentliches Vehikel sein soll. Nach oben sind die Grenzen offen. So gibt es beispielsweise ein High-End-E-Mountainbike für satte 15.000 Euro.

Überhaupt boomt das E-Mountainbike wie kein anderes E-Bike-Segment. Keine Gattung verkauft sich besser, längst gibt es eine eigene Rennszene. Ein ganz besonderer Trend sind dabei die Elektro-Fatbikes. Mit ihren extrem breiten Reifen, die mit wenig Druck gefahren werden können, bieten sie besonders hohen Grip, also mehr Kontrolle in Kurven, bei Nässe und auf losem Untergrund.

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