Zugreise: Der Weg ist das Ziel

Die Schönheit magischer Landschaften lässt sich mit dem Zug entspannt und sicher genießen.

Im Ranking der sichersten Verkehrsmittel belegt der Zug den zweiten Platz. Foto: Mauritius Images / eye35.pix / Alamy Stock Fotos

Irgendwo zwischen London und Istanbul bleibt er in einer Schneewehe stecken, der berühmte Zug. Nichts geht mehr, auch der Telegraf funktioniert nicht, kein Kontakt zur Außenwelt. Und dann wird eines Nachts auch noch ein Fahrgast tot aufgefunden. Genau das richtige Umfeld also für den an Bord befindlichen Detektiv Hercule Poirot. Schnell wird ihm klar: Der Mörder befindet sich unter den Passagieren. Literatur- und Filmkenner haben längst erkannt, um welchen Roman und um welchen Zug es hier geht: „Mord im Orient-Express“ von Agatha Christie.

Eine Zugreise bietet ein hohes Maß an Sicherheit

Erfreulicherweise enden Zugfahrten nur selten wie im Krimi, und der Reiz dieser Art zu reisen bleibt ungetrübt. So sind zum Beispiel unzählige Anbieter auf Nostalgiereisen mit legendären Zügen wie etwa dem erwähnten Orient-Express in Europa, der Transsibirischen Eisenbahn in Asien, dem Rovos Rail in Afrika oder dem Rocky Mountaineer in Nordamerika spezialisiert. Selbstverständlich geht es auch ohne Reiseanbieter, um entspannt entsprechende Gegenden zu erkunden oder am gewählten Urlaubsort anzukommen. Zugreisen sind unter anderem deshalb so beliebt, weil sie im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln ein hohes Maß an Sicherheit bieten.

So hat zum Beispiel die European Union Agency for Railways in ihrem im Juli 2017 erschienenen „Safety Overview Report“ einen intermodalen Risikovergleich für verschiedene Verkehrsmittel aufgestellt. Danach kamen in der EU in den Jahren 2011 bis 2015 pro einer Milliarde Personenkilometer durchschnittlich 0,1 Bahnreisende ums Leben. Der Pkw ist in diesem Ranking mit 2,67 Getöteten pro einer Milliarde Personenkilometer um ein Vielfaches gefährlicher. Sicherer als die Bahn war lediglich das Linienflugzeug mit 0,06 Getöteten pro einer Milliarde Personenkilometer.

Quelle: Matthias Gaul, Grafik: Freepik.com

Quelle: Matthias Gaul, Grafik: Freepik.com

Zur Sicherheit von Zugreisen tragen freilich nicht nur die jeweiligen Bahngesellschaften in Form von Investitionen in Infrastruktur, Fahrzeuge, Technik und Mitarbeiterqualifikation bei, sondern auch unabhängige Expertenorganisationen wie DEKRA. So prüft, überwacht, zertifiziert und begutachtet zum Beispiel DEKRA Rail regelmäßig die Schieneninfrastruktur wie auch Schienenfahrzeuge beziehungsweise neue Zugtypen. Dasselbe gilt für Ersatzteile, die im Rahmen von Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten zum Einsatz kommen.

Bahnverkehr rückt der Vision Zero näher

Darüber hinaus berät die in den Niederlanden ansässige Eisenbahnsparte von DEKRA bei der Durchführung von Inspektionsarbeiten. Ebenso werden die Experten hinzugezogen, wenn es darum geht, die Ursachen für einen der seltenen Zugunfälle in Erfahrung zu bringen. In Sachen Kollision und Entgleisung spielen Zugpuffer und Zugsteifigkeit eine wichtige Rolle. „Um zu berechnen, wie sich bei einem Unfall die daraus resultierende Geschwindigkeitsänderung durch den Zug ausbreitet, haben wir eigene numerische Modelle entwickelt“, beschreibt Pieter Dings, Leiter Sales & Business Development bei DEKRA Rail, ein weiteres Aufgabengebiet. Last but not least zeichnen die Bahnexperten für ein Modell verantwortlich, mit dessen Hilfe sich bei einer Kollision die Verletzungsschwere für die beteiligten Passagiere berechnen lässt.

Lhasa-Bahn: Von Xining nach Lhasa geht es über 1.956 Kilometer auf bis zu 5.072 Höhenmeter quer durch China. Foto: Sergiu Turcanu / Alamy Stock Photo

Lhasa-Bahn: Von Xining nach Lhasa geht es über 1.956 Kilometer auf bis zu 5.072 Höhenmeter quer durch China. Foto: Sergiu Turcanu / Alamy Stock Photo

„Mit dem Modell können wir untersuchen, wie sich die Nachrüstung bestehender Züge mit stoßmindernden Komponenten auf die Sicherheit der Fahrgäste auswirkt“, führt Dings aus. Das kann der Einbau von Crashpuffern im vorderen Zugbereich und von Stoßdämpfern in Kupplungen sowie zwischen Zugwagen sein. Weitere Maßnahmen sind beispielsweise auch eine Optimierung der Puffereigenschaften oder der Einbau modifizierter Kupplungen zwischen den Wagen. Modifizierungen im Zuginneren können den Abstand zwischen den Sitzen, die Positionierung und Steifigkeit der Sitze oder die Position und Form der Tische betreffen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Also alles im grünen Bereich? Vergleichsweise schon – zumal sich alle Beteiligten mit dem Erreichten nicht zufrieden geben. Immerhin listet der bereits erwähnte „Safety Overview Report“ für das Jahr 2015 insgesamt 18 EU-Mitgliedstaaten auf, die in einem oder mehreren aufeinander folgenden Jahren null getötete Bahnreisende zu verzeichnen hatten. Die „Vision Zero“ ist in diesem Bereich somit schon weitaus mehr Realität als im Straßenverkehr.

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